Es war eine ungewöhnliche Entscheidung, die Bernhard Hueber im vergangenen Jahr traf. Gerade mal 44 Jahre alt und nicht gewillt, sich zur Ruhe zu setzen, verkaufte der Wirtschaftsingenieur seinen Mehrheitsanteil an der Hueber Getriebebau GmbH. Und das, obwohl das Familienunternehmen aus Kirn im Hunsrück gut dastand.
Den Unternehmer trieb etwas anderes um: die Wachstumsaussichten des Herstellers von Spezialgetrieben, etwa für Großkräne in Stahlwerken oder auch für Prüfstände in der Formel 1. In den Jahren 2004 bis 2007 war der Umsatz um durchschnittlich 20 Prozent im Jahr gestiegen. Die weitere Expansion der Firma erforderte erhebliche Investitionen. "Eine Erweiterung der Produktionsflächen hätte unsere Kapitalausstattung jedoch stark belastet", erklärt Hueber, dessen Vater sich 1967 mit gerade einmal 3000 D-Mark Startkapital selbstständig gemacht hatte. Um nicht einen hohen Kredit aufnehmen zu müssen und in die Abhängigkeit einer Bank zu geraten, zog er den Verkauf vor.
Zwei Jahre Vorbereitung, ein Jahr Suche
Nach zwei Jahren Vorbereitung und einem Jahr Suche hat Hueber im Mai 2008 die Mehrheit am Unternehmen an die Krupke Holding aus Billerbeck bei Münster abgegeben. Sein früheres Unternehmen musste er deshalb nicht verlassen, er führt weiterhin die Geschäfte.
Überzeugt, den richtigen Käufer für das Unternehmen gefunden zu haben, ist Hueber noch heute. Das beste Indiz dafür ist für ihn die große Produktionshalle, die der neue Eigentümer inzwischen für fast 1,5 Millionen Euro direkt am Betriebsgelände errichtet hat. In ihr kann das Unternehmen nun auch sehr schwere Getriebe produzieren. Zudem soll die Halle den Einstieg in ein neues Geschäftsfeld ermöglichen: die Reparatur von Großgetrieben, wie sie zum Beispiel in Windrädern eingesetzt werden – eine Idee der neuen Firmenherren.
Motive für Kauf und Verkauf
Die Erfahrungen, die Bernhard Hueber beim Verkauf seines Unternehmens gesammelt hat, gingen ein in eine exklusive Studie von Klein & Collegen für impulse. Das bankenunabhängige Beratungshaus für Fusionen und Übernahmen – neudeutsch: Mergers & Acquisitions oder kurz M&A – hat rund 280 mittelständische Firmenverkäufe aus den Jahren 2007 bis 2009 analysiert. Die Untersuchung zeigt die Motive der Unternehmer für Kauf oder Verkauf, offenbart, welche Kriterien maßgeblich für die Preise sind und welche Probleme die Verhandlungen der Parteien immer wieder ins Stocken bringen.
Auch wenn die untersuchten Deals überwiegend vor Ausbruch der Krise angebahnt und abgeschlossen wurden, geben die Ergebnisse dennoch wertvolle Hinweise, ob auch im aktuell schwierigen Umfeld ein Zukauf oder der Verkauf sinnvoll sein könnte.
Zumindest für Akquisitionen erscheint der Zeitpunkt günstig. Denn die Preise bemessen sich zumeist als Vielfaches von Vorsteuergewinn oder Jahresumsatz. Zwar sind diese Multiplikatoren seit Anfang 2008 für kleine und mittlere Gesellschaften mitunter kaum gesunken. Doch weil die Rezession das Geschäft vieler Unternehmen hat einbrechen lassen, purzeln die Bewertungen mit Umsatz und Gewinn.
Firmen jedoch, die nicht unter der Rezession leiden, bleiben teuer. "Verkäufer können heute noch gute Preise für ihr Unternehmen erzielen", sagt Michael Keller, Teilhaber von Klein & Coll. Eine wichtige Voraussetzung für einen Deal, denn bei einem zu niedrigen Bewertungsniveau halten sich besonders Mittelständler mit Verkäufen zurück. Welchen Preis ein Unternehmen erzielen könnte, lässt sich einfach mit dem Firmenwertrechner von Klein & Coll. ermitteln. Das Onlineprogramm steht exklusiv im Internet auf impulse.de zur Verfügung.
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