22.10.2009

Versicherungen: Wann sich Honorarberatungen lohnen

Von: Heino Reents
Das Honorar bemisst sich in der regel nach dem Zeiteinsatz
Das Honorar bemisst sich in der regel nach dem Zeiteinsatz
© Fotolia.com
Ein Honorarberater kann Privatkunden jährlich mehr als Tausend Euro bei ihren Versicherungen sparen. Dabei können Anleger zwischen unterschiedlichen Vergütungmodellen wählen.

Den Vorwurf hören die Experten immer wieder: Honorarberatung ist für einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen zu teuer. Erst ab etwa 50.000 Euro Vermögen würde solch eine Beratung lohnen. "Das ist völliger Quatsch", sagt Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbundes Deutscher Honorarberater (VDH), und rechnet vor:

Der Durchschnittshaushalt in Deutschland wendet nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft allein im Versicherungsbereich pro Jahr 3650 Euro an Beiträgen auf. "Durch Honorarberatung könnten diese Ausgaben um etwa 1000 bis 1200 Euro reduziert werden. Damit könnten pro Jahr problemlos zwischen zehn und zwölf Stunden Beratung finanziert werden", so Rauch.

Honorarberater kassieren in der Regel ein Honorar, das sich nach dem Zeiteinsatz bemisst - ähnlich etwa wie es beim Steuerberater der Fall ist. Eine Erstberatung kostet laut VDH zwischen 90 und 250 Euro pro Stunde. Erhält der Honorarberater vom Produktanbieter Provisionen, Ausgabeaufschläge oder Rückvergütungen, die sogenannten Kickbacks, zahlt er sie an die Kunden zurück. Der gravierende Unterschied zu Finanzdienstleistern ist also, dass Honorarberater unabhängig beraten. "Finanzdienstleister verdienen ihr Geld durch die Produktvermittlung, Honorarberater mit ihrem Know-how", sagt Rauch.

Ein fixes Honorar

Neben der Vergütung auf Stundenbasis gibt es aber auch die Möglichkeit des Betreuungshonorars, das sich vor allem für langfristige Beratungen eignet. Denkbar ist auch ein Pauschalhonorar, wie es viele unabhängige Vermögensverwalter anbieten. Dabei gibt es laut Günter Schlösser, Vorsitzender des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV), zwei Ansätze. Zum einen kann ein fixes Honorar gezahlt werden, das sich in der Regel auf jährlich rund 0,5 bis 1,5 Prozent der Anlagesumme beläuft.

Zum anderen ist eine Kombination aus einer - etwas niedrigeren - Fixgebühr und einem zusätzlichen, erfolgsabhängigen Honorar möglich, das sich an dem Nettokapitalzuwachs orientiert. "Bei aufgelaufenen Verlusten greift die erfolgsbezogene Komponente natürlich nicht", sagt Schlösser. Das Erfolgshonorar werde erst dann wieder fällig, wenn der vorherige Rückstand aufgeholt worden ist, also die sogenannte High Watermark erreicht wurde.

Honorarberatung ist auf jeden Fall sinnvoll

"Honorarberatung ist auf jeden Fall sinnvoll. Denn bei jeder Finanzberatung sollte es ausschließlich um die Ziele der Kunden gehen - anstatt um Vertriebsvorgaben oder die Höhe von Provisionen", sagt Schlösser. Nur bei Honorarberatung könne der Kunde auch sicher sein, dass seine Belange im Vordergrund stehen.

Doch aufgepasst: "Es gibt durchaus Trittbrettfahrer, die eine Beratungsgebühr nehmen, gleichzeitig aber auch die Provision kassieren", warnt VDH-Chef Rauch. Anleger sollten deshalb genau hinsehen und sichergehen, dass der vermeintlich unabhängige Berater nicht doch Provision einsteckt.

Provisionen drücken die Rendite

Berater Die Übersicht der Zeitschrift „Finanztest“ verdeutlicht, wie hoch die Provision ist, die Berater kassieren können.

Lohnende Geschäfte
Zoom Lohnende Geschäfte

Anreiz Bestandprovision heißt der Anteil, den der Vertrieb jedes Jahr aus der Verwaltungsgebühr eines Fonds erhält.

Risiko Dadurch laufen Anleger Gefahr, Finanzprodukte verkauft zu bekommen, die nur dem Berater etwas nutzen.

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