Besonders ausgeprägt waren die Einbrüche am vergangenen Freitag und zum Auftakt dieser Woche. "Die Rohstoffe stehen unter sehr realem Verkaufsdruck", stellt Hedge-Fonds-Manager Dennis Gartman fest.
Analysten machen einen grundlegenden Stimmungswandel zum Negativen aus, auch wenn sich die Notierungen gestern wieder etwas erholten. "Wir werden den Abwärtstrend bald wieder aufnehmen", erwartet Robin Bhar, Analyst bei Crédit Agricole. Die Rohstoffexperten der Commerzbank warnen vor weiteren Kursverlusten: "Auch wenn wir von einem weiteren Preisverfall der Metalle überzeugt sind, ist nach den starken Rückgängen der letzten Tage eine kurzfristige Erholung nicht auszuschließen." Seit Mitte April hat der Index der Londoner Metallbörse fast 20 Prozent verloren.

Kupfer fiel am Montag in London um bis zu sieben Prozent auf den niedrigsten Stand seit dem 9. Februar. Seit Jahresbeginn hat das Metall zwölf Prozent an Wert verloren. Aluminium hat seit Mitte April rund 15 Prozent eingebüßt. Allein am Montag war der Preis an der Londoner Metallbörse LME um über fünf Prozent auf 1990 Dollar je Tonne abgerutscht. Gestern erholten sich die Notierungen auf 2055 Dollar. Noch Mitte April war Aluminium mit 2440 Dollar auf ein 20-Monats-Hoch geklettert. Rohöl der US-Sorte WTI sank ebenfalls am Montag kurz unter 70 Dollar je Fass (159 Liter) und damit auf den niedrigsten Stand seit fünf Monaten. Seit seinem 19-Monats-Hoch bei 87,15 Prozent am 3. Mai hat der Rohstoff rund 20 Prozent eingebüßt. Gestern stieg der Preis bis 19 Uhr MESZ auf 71,59 Dollar.
Neben dem starken Dollar, der Rohstoffe als Investment unattraktiver macht, haben die Sparpakete der verschuldeten Euro-Staaten wie Griechenland, Spanien und Portugal die Preiswende ausgelöst. Ökonomen und Investoren gehen davon aus, dass die Haushaltsdisziplin das Wirtschaftswachstum und damit die Nachfrage nach Rohstoffen dämpfen wird. Immerhin verbraucht Europa nach Schätzungen von Barclays Capital etwa ein Viertel des weltweit geförderten Rohöls und ein Fünftel des produzierten Kupfers. Die Analysten der Bank führen außerdem an, dass die Anleger weniger risikobereit seien und weniger Liquidität zur Verfügung hätten. Ihrer Meinung nach sind die jüngsten Preiseinbußen bei Basismetallen aber überzogen.
Ein weiterer Preisdämpfer ist die Sorge um eine schwächelnde Nachfrage aus China. Das Land war 2009 mit durchschnittlich fast 40 Prozent der weltweiten Nachfrage der mit Abstand größte Metallkonsument. Die Regierung in Peking greift inzwischen hart durch, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden, und hat so eine starke Korrektur am chinesischen Aktienmarkt ausgelöst. Der Index der Börse Schanghai diktiert häufig den Metallpreisen die Richtung. Er ist allein am Montag um fünf Prozent gefallen und hat seit Jahresbeginn fast 22 Prozent verloren. Doch nicht nur aus China kommen Signale einer Konjunkturschwäche. Am Montag zeigte ein enttäuschender Empire-State-Index, dass die verarbeitende Industrie im US-Bundesstaat New York längst nicht so stark expandiert wie erwartet.
Bei Aluminium sprechen die Fundamentaldaten nicht für eine nachhaltige Erholung der Preise, zumal weltweit eher zu viel als zu wenig Aluminium produziert wird. Drastische Maßnahmen der chinesischen Regierung wie eine Erhöhung der Strompreise für die Aluminiumhütten um das Doppelte dürften zwar zu einer Schließung von Produktionskapazitäten von etwa 2,7 Millionen Tonnen führen. Denn durch die Preiserhöhung steigen die Produktionskosten für bis zu ein Drittel der Weltmarktproduktion um bis zu 35 Prozent, hat Gayle Berry von Barclays Capital errechnet. Ebenfalls kapazitätsverknappend dürfte sich auswirken, dass neue Hüttenprojekte mit deutlich mehr Kapital unterlegt werden müssen. "Wir bezweifeln aber, dass diese Maßnahmen ausreichen, um angesichts der weltweiten Überkapazitäten die Preise kurzfristig signifikant nach oben zu treiben", schreibt Berry in einer Analyse. Dazu kommt, dass die Lagerbestände an der LME gestern mit 4,51 Millionen Tonnen fast auf Rekordniveau gestiegen sind.
Bei Rohöl hat die Stimmung der Anleger deutlich ins Negative gedreht: Spekulative Investoren setzen verstärkt auf fallende Preise und haben ihre Short-Positionen nach Daten der US-Terminmarktaufsicht CFTC erhöht. Analysten gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Hinzu kommt, dass die US-Lagerbestände auf sehr hohen Niveaus liegen.
Quelle: ftd
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