Früher waren es mal Muscheln. Dann kamen die Münzen, Silber und Gold. Heute sind es Dollar und Euro. Währungen entwickeln sich weiter, seitdem Menschen Handel treiben. Und wenn es nach Thorsten Polleit geht, ist es nun Zeit für den nächsten großen Umbruch. Polleit steht vor einer großen Frankfurter Trinkhalle und nimmt noch einen Schluck.
Dann stellt er das Glas zurück auf den wackligen Stehtisch und holt zum großen Schlag aus: "Es wird noch ein großes Getöse geben, wenn das Geldsystem geändert wird. Aber einen anderen Weg gibt es wohl nicht." Bemerkenswerte Sätze sind das, aus mehreren Gründen: Polleit hat gerade den Zusammenbruch des Währungssystems prophezeit. Das wäre nicht weiter schlimm, wäre er nur einer dieser Trinker, die an diesem Ort über das Ende der Welt sprechen.
Aber Polleit trinkt Cola light. Die Trinkhalle steht in Frankfurts Bankenviertel, die Deutschlandzentrale von Barclays Capital ist um die Ecke. Polleit arbeitet in dieser Bank, er ist Chefökonom. Nebenbei unterrichtet er an der renommierten Frankfurt School of Finance. Da steht Polleit nun im Anzug, mit zurückgescheiteltem Haar, und redet von einem völlig neuen, einem besseren Geld und rechnet ab mit dem alten: "Was mit diesem staatlichen Papiergeldsystem angerichtet wurde, das ist immens."
Die Währungen, sie sind eines der großen Themen des Jahres. Im Mai kämpfte Europa um das Überleben des Euro, vor einigen Wochen brach der "Währungskrieg" aus. Jeder kämpft gegen jeden: Die Japaner schwächen ihre Währung mit Nullzinspolitik. Brasilien verkauft massiv Real, Europa legt sich wegen des Renminbi mit China an. Die Chinesen wiederum beklagten sich vor einigen Tagen über die USA und ihre Fed, die "unkontrolliert Geld drucken".
Das gesamte Währungssystem scheint aus den Fugen. Und für Menschen wie Thorsten Polleit sind diese Kämpfe nur ein Symptom dafür, dass mit unserem Geld etwas nicht stimmt.
Er gehört zu einer kleinen, aber wachsenden Gemeinschaft von Wissenschaftlern und Politikern, die ihre Stunde gekommen sehen. Trotz der Gefahr, als Verschwörungstheoretiker, Spinner oder Sektierer dazustehen, wagen sie sich aus der Deckung.
Erst Anfang Oktober gab es einen Kongress in Wien. Auch Polleit sprach dort über die "Suche nach einer neuen Geldordnung". Der Investor Marc Faber, ein Ultrapessimist, warnte vor einem weltweiten Crash von Staatsanleihen. Und der live aus den USA zugeschaltete Republikaner Ron Paul forderte die Abschaffung der Fed.
Der Veranstaltungsort war mit Bedacht gewählt. Denn viele der Männer sind Anhänger der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, die auf den Nobelpreisträger Friedrich von Hayek und seinen Ziehsohn Ludwig von Mises zurückgeht. Eine alte Schule, die etwas in Vergessenheit geraten ist - und deren Geld- und Konjunkturtheorie tief skeptisch ist gegenüber dem ungedeckten Papiergeldsystem, das seit den 70er-Jahren immer neue Finanzkrisen verursacht hat.
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