Der Coup war gut geplant. Mit einem Kurzschluss in einem Stromverteiler ließen die Täter gegen drei Uhr nachts einen Vorort des belgischen Lüttich in Dunkelheit versinken. Der Stromausfall legte auch die Alarmanlage des Lagerplatzes einer Spedition lahm; das verriegelte Tor konnte ungestört aufgebrochen werden. Dann dürfte alles ganz schnell gegangen sein. Binnen Minuten, glauben die Ermittler, verluden die Diebe mehrere Paletten mit Multifunktionshandys in eigene Transporter. Und verschwanden unerkannt. Die Einbrecher wussten offenbar genau, was sie wollten und wo es in dem überfüllten Lager zu finden war. "Die Täter müssen einen Tipp aus der Spedition bekommen haben", glaubt Rainer Schmitz, Experte für Transportversicherungen bei der Aktiv Assekuranz aus Duisburg, die den Schaden nun übernehmen soll. Außerdem ärgert sich der Versicherungsmann, dass die Ware überhaupt in dem belgischen Lager stand. Schließlich waren die Telefone für Kaufhäuser im nur 120 Kilometer entfernten Köln bestimmt.
Ein Stopp des Warentransports kurz vor dem Ziel brachte auch einem fränkischen Maschinenbauer herbe Verluste. Eine 250.000 Euro teure Drehbank stand mehrere Tage in Hongkong – unter freiem Himmel. Der Grund: Die Zollmitarbeiter streikten. Erst als der Ausstand beendet war, fertigten die Zöllner den Import aus Deutschland ab. Doch bis dahin hatte Regenwasser die empfindliche Elektronik bereits beschädigt. Der chinesische Käufer verweigerte daher die Annahme der Maschine. Und auch die Bezahlung.
Falsche Lagerung, schlechte Verpackung und vor allem Diebstahl verursachen gewaltige Schäden. Auf 8,2 Mrd. Euro jährlich beziffert eine Studie der Europäischen Union die Verluste durch geklaute Lieferungen innerhalb der Staatengemeinschaft. Allein in Deutschland werden die Schäden auf rund 900 Mio. Euro jährlich geschätzt.
Wer regelmäßig Waren versendet, sollte daher das Risiko minimieren: Zum einen mit einer Transportversicherung. Denn der Transporteur, also etwa die beauftragte Spedition, haftet nur bei Verschulden des Fahrers. Doch das ist in den seltensten Fällen der Grund, wenn die Lieferung gar nicht oder schadhaft ankommt. Allerdings deckt auch eine Transportpolice üblicherweise nur den unmittelbaren Schaden, also den Produktionswert der Ware (siehe Kasten links).
Nach einer Faustformel sind jedoch die Folgekosten fünfmal so hoch. Allein die entgangene Gewinnmarge aus dem geplatzten Verkauf kann ein Unternehmen hart treffen. Hinzu kommen oft Kosten für Reparaturen oder Wiederbeschaffung, für Betriebsunterbrechungen beim Kunden und den erneuten Versand der Ware bis hin zu Konventionalstrafen wegen verspäteter Lieferung. Kaum zu beziffern sind mögliche entgangene Aufträge, weil der Ruf Schaden nimmt.
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