Es gibt sie wirklich, die guten Seiten der Wirtschaftskrise. Jochen Remmert hat sie kennengelernt, als Finanzchef der Firma Rodriguez, die Speziallager für Maschinenbauer, Medizin- und Militärtechniker in aller Welt produziert. Das Frankreichgeschäft etwa läuft plötzlich problemlos. "Da hatten wir fast schon traditionell Probleme mit der Zahlungsmoral", sagt er. Seit rund anderthalb Jahren kommt das Geld nun meist pünktlich. Der Grund: Zum 1. Januar vergangenen Jahres verschärfte der Nachbarstaat das Handelsrecht, weil Unternehmen dort darauf beharrten, lange Zeiträume für die Vergütung auszuhandeln, oder einfach spät zahlten. Jetzt müssen Handelspartner Rechnungen spätestens 60 Tage nach Lieferung begleichen oder drakonische Verzugsstrafen in Kauf nehmen.
Mit dem Gesetz wollte der französische Staat eigentlich verhindern, dass Firmen im eigenen Land ausbluten, während sich andere auf ihre Kosten monatelang zwischenfinanzieren. Doch auch der deutsche Maschinenbauer Rodriguez profitiert von der disziplinierenden Wirkung der Novelle. "Uns bleiben nicht nur viele Mahnungen erspart", sagt Remmert. "Wenn Kunden früher ihre Rechnungen begleichen, verbessert sich auch unsere Liquidität."
Die neue Zahlungsmoral seiner Geschäftspartner erleichtert Finanzchef Remmert die Exportabsicherung. Kredite gewährt er beim Handel mit Firmen aus dem Ausland nur, solang er das Risiko abwälzen kann. Zahlen Kunden pünktlicher, steigt nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass Remmert Warenkredite höher versichern kann – auch die Prämien für den Service sinken.
Über die jüngsten Bonitätsberichte kommerzieller Anbieter von Exportkreditversicherungen können sich Unternehmer also freuen. Sie alle melden Entspannung bei vielen wichtigen Handelspartnern deutscher Mittelständler. Neben Frankreich zeigen auch in den Beneluxstaaten, in den USA und in vielen Ländern Asiens die entscheidenden Wirtschaftsindikatoren nach oben, und die Ausfallraten der Lieferanten sinken. impulse hat die wichtigsten Urteile der Anbieter zur Lage in jenen Staaten zusammengestellt, in die zuletzt die meisten deutschen Exporte gingen.
Die Übersicht bietet Orientierung, worauf sich Unternehmer auf fremden Märkten einstellen müssen. In welchen Ländern entspannt sich die Lage? Wo sinken vermutlich bald Versicherungsprämien? Die Daten stammen von den drei Hauptkonkurrenten der Branche: dem niederländischen Kreditversicherer Atradius, in dem vor neun Jahren der Kölner Gerling-Konzern aufging, dem französischen Anbieter Coface und der Allianz-Tochter Euler Hermes. Das Trio teilt sich 90 Prozent des Weltmarkts.
Es geht wieder aufwärts
Allein innerhalb Deutschlands standen die Versicherer im vergangenen Jahr für 259 Milliarden Euro ein und regulierten Schäden von 1,4 Milliarden – mehr, als sie an Prämien eingenommen hatten. "Wir haben da vor einer hoffentlich einmaligen Herausforderung gestanden, mit stark anziehenden Insolvenzen und erheblich höheren Schäden", sagt Thomas Langen, Deutschlandchef von Atradius. Nun würden die Geschäftsdaten der Kunden aber darauf hindeuten, dass es wieder aufwärtsgehe – für die Versicherer genauso wie für ihre Kunden.
Erkennbar ist die Trendwende an den Buchstaben- und Zahlenkombinationen, mit denen die Versicherer einschätzen, wie es um die Risiken bei Geschäften bestellt ist: Coface staffelt die Bonität der Länder nach den Güteklassen "A1" bis "A4" für ein vergleichsweise sicheres Handelsumfeld sowie "B", "C" und "D" für höhere Risiken. Euler Hermes nutzt eine ähnliche Skala von "AA" und "A" über "BB" und "B" bis zu "C" und "D" – auch hier zeigen die Buchstaben das Risiko von Zahlungsausfällen durch politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen an.
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