Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) sieht in dem aktuellen Datenskandal bei der Postbank "nur die Spitze eines Eisbergs". Banken mit eigenen Versicherungstöchtern oder Kooperationsverträgen mit Versicherern nutzten systematisch die Kontoauszüge ihrer Kunden. "Da kann man dann sehen, dass der Kunde 20 Euro für die Unfallversicherung ausgibt, 100 Euro für Riester, und dann wird der Kunde angesprochen und zum Abschluss bei der eigenen Versicherung gedrängt", sagte Michael Heinz, Präsident des BVK. Das Problem bestehe sowohl bei Privatbanken als auch bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken. "Die Banken decken systematisch Verträge um." Dabei nutzten sie die Situation von Menschen aus, die einen Kredit oder eine Kontoüberziehung benötigten.
Bei der Postbank hatten 4000 freiberufliche Vertreter ungehindert Zugriff auf Kontodaten der Postbankkunden. Inzwischen ermittelt die Datenschutzbehörde in Nordrhein-Westfalen. Der Bank sei das Problem bekannt gewesen, so Heinz. Die Konten des Postbankchefs seien für die Vertreter nicht zugänglich gewesen.
"Bei den Banken herrscht ein irrsinniger Vertriebsdruck", monierte Heinz. Die Verwendung von Bankkundendaten zur weiteren Akquisition von Geschäft müsse verboten werden, verlangte er.
Kritisch sah Heinz die Bemühungen von Verbraucherschützern und Verbraucherministerin Ilse Aigner, die Vertreter zur Offenlegung ihrer Provisionen zu zwingen. "Das zerstört das Vertrauensverhältnis zwischen Kunden und Vermittler", sagte er. Das Provisionssystem sei nicht negativ für die Qualität der Beratung. Die Honorarberatung sei keine Alternative. Heinz sagte, die selbstständigen Versicherungsvertreter kämen auf durchschnittliche Jahresumsätze von 52.000 Euro, von denen sie ihre Kosten zahlen müssten. Heinz sagte, möglicherweise gebe es zu viele Versicherungsvermittler. In Deutschland seien 247.000 registriert.
Heinz sprach bei der Fachveranstaltung Deckungs-Konzept-Messe in Dortmund, bei der Versicherer, Banken und Fondsgesellschaften Maklern und Vertretern ihre Angebote vorstellen.
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