Bei der Standortwahl zählt nicht nur das Geld
Steuern und Subvention spielen bei der Standortwahl nur noch die kleinere Rolle. Wichtiger sind ein guter Draht zur Politik, die Infrastruktur und fitte Fachkräfte. Dass sich Wirtschaftsförderung lohnt, zeigt das Beispiel Ludwigslust.

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Ganz genau lässt sich nicht sagen, wonach es riecht. Himbeere oder Zitrone? Oder doch eher Orange? Auf riesigen Förderbändern liegen unendlich lange Würste: rote, gelbe und orangefarbene. Daraus werden später Bonbons gepresst. 27 Millionen Stück am Tag. Für Oliver Schindler, den Gründer der Unternehmen Sweet Tec und Toffee Tec, könnte es kaum besser laufen. Er beschäftigt am Produktionsstandort Boizenburg mittlerweile 180 Mitarbeiter und ist damit einer der großen Arbeitgeber des 10.000 Einwohner zählenden Städtchens. Sweet Tec und Toffee Tec erwirtschaften zusammen einen Jahresumsatz von 40 Mio. Euro.
Vor acht Jahren hat Schindler sich hier im ehemaligen Zonenrandgebiet niedergelassen. Nicht ganz von ungefähr, das gibt der 44-Jährige offen zu: "Ohne die Subventionen wären wir hier nicht hergekommen, da diese für die Finanzierung essenziell waren." Der Landkreis Ludwigslust ist Ziel-A-Gebiet der sogenannten GA-Förderung. 40 Prozent der 39 Mio. Euro, die Schindler investierte, kamen daher aus Fördertöpfen der Europäischen Union, des Bundes und des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Darüber hinaus lockten Schindler die moderaten Lohnkosten und niedrigen Grundstückspreise: "In manchen Regionen Süddeutschlands sollte ich 180 Euro pro Quadratmeter zahlen - und hier für ein voll erschlossenes Gebiet 15 Euro."
So interessant Subventionen im Einzelfall auch sein mögen. Insgesamt sind sie aber doch eher das Zünglein an der Waage. In einer Studie der Kieler Universität nannten die befragten Unternehmen sie erst an Stelle 17 von 20 Kriterien bei der Standortwahl. Noch dahinter auf Position 19 liegen niedrige Gewerbe- und Grundsteuern. Unternehmer, die Ansiedlungen planen, setzen viel mehr auf gute Kontakte zur örtlichen Kommunalverwaltung, eine gute Infrastruktur, die Nähe zu anderen Unternehmen der Branche und die Arbeitskräftesituation.
Gespräche mit hochrangigen Politikern machen Mut
Um diese Rahmenbedingungen zu kommunizieren und interessierte Firmengründer zu begleiten, haben viele Landkreise Serviceagenturen gegründet. So auch der Landkreis Ludwigslust. Seine Wirtschaftsförderungsgesellschaft ist eine hundertprozentige Tochter des Landkreises und wird damit auch durch öffentliche Gelder finanziert. Die sieben Mitarbeiter kümmern sich um nahezu alles, sagt Geschäftsführerin Berit Steinberg. "Von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Spatenstich und darüber hinaus." Gute Kontakte und ein funktionierendes Netzwerk sollen einen reibungslosen Ablauf sicherstellen.
Dank dieser Unterstützung traf Schindler seinerzeit sogar den damaligen Wirtschaftsminister und den Ministerpräsidenten. "Das hat schon Mut gemacht", sagt er rückblickend. "In Süddeutschland wollte manchmal nicht mal der Bürgermeister mit mir sprechen." Harald Jäschke, der Bürgermeister von Boizenburg, hat da eine andere Einstellung - und setzt zudem auf Tempo. "Jeder Investor kann die erforderlichen Genehmigungen innerhalb kürzester Zeit bekommen", sagt er.
Bei Oliver Schindler vergingen zwischen Bauantrag und Baugenehmigung tatsächlich nur sechs Wochen. Schon ein Jahr später plumpste das erste Bonbon vom Fließband.
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