Nebenher eine Firma gründen
Statt kopfüber ins kalte Wasser zu springen, schleichen viele Gründer langsam aus einem festen Job in die Selbstständigkeit. Eine Frage des mangelnden Muts? Oder zahlt sich die Vorsicht aus?
Jeden Abend, wenn Feline Borgelt aus dem Büro kommt und ihre Kollegen sich vor dem Fernseher fallen lassen können, dann beginnt für sie die nächste Schicht. Letzte Nacht dauerte diese bis drei Uhr früh.
Es klingt verrückt, aber Borgelt hat sich das selbst ausgesucht. Gemeinsam mit Seda Özdemir-Karsch hat sie vergangenes Jahr Fat Shera Productions gegründet. Die Berlinerinnen drehen Imagefilme für Unternehmen, jeder ein bis zwei Minuten lang. Özdemir-Karsch hat in London Video Production studiert, sie führt nun die Kamera. Literaturwissenschaftlerin Borgelt übernimmt den Textpart.
Das können wir besser, dachten die Freundinnen
Nach dem Studium haben sie beide bei einer Schnittfirma gearbeitet. "Was die gemacht haben, hat uns überhaupt nicht behagt", erzählt Borgelt. Fabrikmäßige Imagefilme nach immer demselben Muster - das können wir besser, dachten die Freundinnen. Sie kündigten und gründeten ihre Filmfirma. Einfach so. Ein bisschen naiv, geben sie rückblickend zu. "Wir sind durch die Läden in unserem Kiez gezogen und haben gefragt, ob die Leute Interesse an einem Video über ihr Unternehmen hätten." Die Resonanz war mäßig - was schnell für Panik sorgte: "Ständig überlegt man, ob es im nächsten Monat überhaupt für die Miete reicht. Echter Horror", sagt die 27-jährige Borgelt.
Am Wochenende arbeiten für die eigene Firma
Also suchten beide wieder einen festen Job. Borgelt arbeitet jetzt als Grafikdesignerin in einer Agentur, vier Tage die Woche, Özdemir-Karsch für eine Kunstgalerie. "Ich weiß, dass regelmäßig Geld reinkommt, kann Versicherungen abschließen, muss mich nicht um die Krankenkasse kümmern", sagt sie. Aufgeben wollten die beiden Fat Shera dennoch nicht. Jetzt machen sie beides parallel, sind fest angestellt und Gründer in einem, auch wenn das einen Preis hat: "Freizeit", sagt Borgelt, "gibt esgar keine mehr."
Fast jeden Abend und alle Wochenenden widmen die beiden ihrer Firma. "Weil das Filmemachen unsere Leidenschaft ist, schöpfen wir daraus so viel Kraft, dass uns die freie Zeit nicht fehlt", sagt Borgelt. "Da ich dank meines festen Jobs keine Existenzängste mehr habe, bin ich auch ohne Urlaub total entspannt."
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