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05.04.2011
von: John Gapper

Vom Angestellten zum Social-Media-Unternehmer

Firmen im Segment soziale Medien wollten sie hochziehen und unterstützen. Nur wie, war ihnen nicht klar. Vor vier Jahren starteten die ehemaligen AOL-Manager John Borthwick und Andy Weissman als Unternehmer durch.

© Getty Images
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"Ein Jahr lang haben wir überlegt, was die beste Vorgehensweise ist", sagt Weissman. "Wir wollten investieren und Dinge aufbauen, vielleicht auch kaufen. Einige Versuche gingen gehörig daneben. Mit einem Offshore-Projekt in Indien sind wir zum Beispiel kläglich gescheitert. Wir fragten uns, ob es eine Kerntechnologie gibt, die wir unbedingt brauchen, kamen aber zu dem Schluss, dass es darauf nicht ankommt.

Letztlich einigten sich die Partner auf ein Unternehmen, das in Startups investiert und sie weiterentwickelt. Es ist weder ein reiner Wagniskapitalgeber noch eine echte Startup-Schmiede - vielmehr eine Mischung aus beidem. Die Firma heißt Betaworks und hat ihren Sitz im New Yorker Meatpacking District. Borthwick sagt, sie wollten "ein Unternehmen schaffen, das fast wie ein Filmstudio funktioniert, zum Beispiel wie Miramax. Wir produzieren selbst und wir finanzieren Fremdproduktionen. Zusammengehalten wird alles von einem übergreifenden Thema".



Richtiger Zeitpunkt, günstiger Ort

Nach vier Jahren ist Betaworks immer noch ein unfertiges Projekt, aber es hat ausreichend Potenzial, dass die Gründer schon an den Tag denken, an dem sie einen kontinuierlichen Strom rentabler Internetunternehmen hervorbringen und weitere Ideen nicht mehr mit dem Geld der Investoren, sondern aus dem eigenen Cashflow finanzieren werden.

Entweder waren die beiden Visionäre, oder sie hatten einfach Glück. Denn Betaworks ist zur rechten Zeit am rechten Ort: In New York stecken Wagniskapitalgeber momentan massenhaft Geld in Startups im Bereich der sozialen Medien. Alle hoffen sie, den Erfolg von Facebook und Twitter nachahmen zu können. Die Silicon Alley von Manhattan wächst schnell.

Für Betaworks beschafften sich die beiden Gründer unter anderem 25 Mio. Dollar Beteiligungskapital von Business Angels wie Kenneth Lerer, dem Mitgründer der Onlinezeitung Huffington Post, dem aktuellen AOL-Chef Tim Armstrong, und dem Silicon-Valley-Investor Ron Conway. Das Geld steckt erst mal nur in der Bilanz und wird nach Bedarf eingesetzt. Die Investoren müssen also auf die Selbstdisziplin von Borthwick und Weissman vertrauen.



Gründer an der Firma beteiligt

Es ist eine ungewöhnliche Unternehmensstruktur. Am ehesten gleicht sie internationalen Holdinggesellschaften wie dem Medienkonzern Liberty Interactive oder dem Internetkonzern IAC von Barry Diller. Das Paradebeispiel für eine Mischung aus Fonds und Holdinggesellschaft ist Warren Buffetts Unternehmen Berkshire Hathaway.

Anders als bei einem Wagniskapitalfonds erhalten die Betaworks-Gründer keine Managementgebühr und stehen nicht unter Druck, ihre erfolgreichen Start-ups zu versilbern. "Nicht fürs Geldverwalten bezahlt zu werden, war sehr wichtig", sagt Weissman. "Wir wollten nicht, dass wir durch Managementgebühren unter Druck stehen, irgendetwas zu tun." Stattdessen sind die beiden Gründer am Unternehmen beteiligt. Schließen oder Halten?

Das Aushängeschild von Betaworks war Summize, eine Suchmaschine für Testberichte und Blogs. Mangels Nutzern ging dem Unternehmen das Geld aus, doch Borthwick und Weissman beschlossen, den Laden eine Weile lang selbst zu führen, statt ihn zu schließen.

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