Hundefutter per Mausklick
Vom New-Economy-Startup zum europäischen Marktführer im Heimtierbedarf. Zooplus bedient sich dabei der Erfolgsformel aus der Tierwelt: geschickte Anpassung.
Lettiera per gatti, hoch absorbierend und zuverlässig geruchsbindend, drei Säcke à zehn Liter, meldet der Monitor links, eine Bestellung aus Italien. Holland schickt eine Hondenvoer-Großorder, das Trockenfutter-Sparangebot inklusive Gedächtnistrainingsspiel für den Seniorhund. Die Monitore in der Münchner Zentrale von Zooplus blinken unaufhörlich, sie zeigen das Firmenleben in Echtzeit. Im Sekundentakt gehen Bestellungen aus ganz Europa ein.
Das Flimmern der Bildschirme ist der Herzschlag des Unternehmens. Er scheint zu rasen. Balken wachsen, Kurven klettern, der Internetversand für Heimtierfutter und -zubehör wirkt geradezu hyperaktiv. Tatsächlich ist das Tempo rasant: In den vergangenen vier Jahren starteten die Münchner in einem europäischen Land nach dem anderen und legten beim Umsatz stets um mehr als die Hälfte zu. Auf Europas Heimtiermarkt ist Zooplus mittlerweile der drittgrößte Anbieter, im Netz sind die Münchner mit Abstand der Platzhirsch.
Eigenes IT- und Logistiksystem sichert Vorsprung
Ihr geschätzter Anteil am europäischen Onlinegeschäft rund um Hund, Katze, Maus und Co. beträgt zwei Drittel. 2010 hat das Unternehmen erneut ein Plus von 50 Prozent geschafft, den Umsatz auf 193 Mio. Euro erhöht. Entsprechend selbstbewusst sieht Finanzvorstand Florian Seubert, 37, in die Zukunft. "Das Wachstum wird sich nicht abschwächen", sagt er und lehnt sich im Bürostuhl zurück. "Dieses Jahr nehmen wir die Viertelmilliardenhürde. Und in drei Jahren soll es die halbe Milliarde werden."
Große Sprüche, die sich Seubert erlauben kann, weil sein Unternehmen heute eine seltene Spezies ist. Nicht wegen seiner Zahlen, die schaffen andere Mittelständler auch. Doch der Tierversand ist ein Startup aus der New Economy. Und damit einer der wenigen Überlebenden seiner Art. Zooplus hat offenbar besser als viele andere verstanden, worauf es beim Konsumentengeschäft im Internet ankommt. So erkannte Zooplus früh die Bedeutung eines integrierten IT- und Logistiksystems für die reibungslose Abwicklung der Aufträge für Hunderttausende von Endkunden - und entwickelte deshalb gleich ein eigenes System.
Zudem nutzte Zooplus konsequent wie kaum ein anderer die Möglichkeiten im Web zur Kundenansprache und verfolgte von Anfang an das Ziel, die Nummer eins in Europa zu werden. Diesem Ziel wurde alles untergeordnet. Statt das Startkapital in teuren Werbekampagnen zu verbrennen, steckten die Gründer das Geld konsequent in die Gewinnung neuer Kunden und die Eroberung neuer Auslandsmärkte. Denn wie im Tierreich gilt im Onlinehandel: Größe zählt.
Wobei Zooplus von Anfang an anders war als seine Zeitgenossen. Im Juni 1999 hatte Seubert, zuvor bei der Investmentbank JP Morgan in London und New York, die Firma zusammen mit vier Freunden gegründet. Drei waren Unternehmensberater, unter anderem bei Roland Berger, der Fünfte im Bund war ein Anwalt. Ein kompetentes Team, das selbst etwas im Netz aufziehen wollte. "Wenn es nicht klappt, sagten wir uns, dann gehen wir halt in unsere Jobs zurück", erzählt Seubert. Unbesorgt und risikobereit, die typische Attitude der New Economy. Ganz untypisch und vollkommen unsexy dagegen die Nische, die sie sich ausgesucht hatten. Ein Unternehmen, das Hundefutter verkauft, galt schon damals nicht als besonders coole Dotcom-Gründung.
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