06.06.2011
 

"Wir verzetteln uns"

Herbert Walter, Ex-Dresdner-Bank-Chef und jetzt Gesellschafter des Gründernetzwerks Forum Kiedrich, über Polit-Aktionismus und eine bessere Startup-Kultur.

Herr Walter, warum sind Startups für Deutschland so wichtig?

Wenn zu wenig Menschen den Mut haben, ein Unternehmen zu gründen, geht es mit einer Volkswirtschaft nur noch in eine Richtung: bergab. Wirtschaftspolitisch gibt es also nichts Vernünftigeres, als Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein guter Nährboden für Startups sind.

Unterstützt die deutsche Politik Gründer ausreichend?

Ich denke, dass wir noch zu wenig tun. Außerdem verzetteln wir uns mit unseren Angeboten. Zum Vergleich: In den USA fließen zwei Drittel des Venture-Capitals ins Silicon Valley – gerade weil sich dort unzählige kluge Köpfe rund um eine exzellente Universität eingefunden haben.

Können Sie noch andere gute Beispiele nennen?

Nehmen Sie Australien: Dort werden Franchisenehmer in den ersten drei Jahren von der Ertragssteuerzahlung befreit. Das hat dort zu einem enormen Gründungsboom geführt. In Finnland können Wissenschaftler ein Stipendium beantragen, wenn sie sich selbstständig machen wollen.

Die Finanzierung ist noch immer bei vielen Gründern die Schwachstelle. Wie könnte das besser laufen?

Zunächst einmal müssen sie in Sachen Businessplan und Managementkompetenz ihre Hausaufgaben machen. Das bedeutet zum Beispiel: Die Umsatzerwartungen dürfen nicht zu optimistisch ausfallen, und bei der Kostenaufstellung geht die Sicherheit vor. Ist die Liquidität knapp bemessen, muss alles in der Planung auf diesen Engpass hin ausgerichtet sein. Im Übrigen kommt es auch darauf an, alle Fakten überzeugend und kompetent zu präsentieren.

Die Banken sind nach wie vor der wichtigste Finanzier für Gründer – halten sich derzeit aber zurück.

Mit Verlaub, das stimmt so nicht. Die Banken arbeiten mit dem Geld, das ihnen Sparer anvertraut haben. Deshalb können sie nicht der erste Finanzpartner bei einer risikoreichen Gründung sein. In der Startphase benötigen angehende Unternehmer vor allem Gründungskapital, das aus dem persönlichen Umfeld stammen sollte, aus Förderprogrammen oder einem Fonds.

© 2010 impulse

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