Empfehlen Facebook Twitter XING Als E-Mail verschicken Drucken

Die deutsche Wirtschaft verdient wieder gut, und sie zeigt auch wachsenden Gründergeist. Davon zeugen knapp 450.000 Unternehmensneugründungen im vergangenen Jahr. Wer Unternehmer werden will, braucht Informationen. impulse online liefert sie in einem eigenen Gründerspezial.


von: Franziska Stumpf

Die Firma fürs kleine Geld findet viel Anklang

Die Mini-GmbH ist bei Gründern viel beliebter als erwartet. Kritiker warnen allerdings vor erhöhter Insolvenzgefahr.



Fotolia

Die kleine Schwester der GmbH kommt groß heraus: Anderthalb Jahre nach ihrer Einführung existieren bereits 34.000 der Mini-Gesellschaften. Traditionelle Formen der GmbH gibt es zwar noch deutlich mehr - rund eine Million. Experten weisen aber darauf hin, dass die Mini-GmbH die Erwartungen bereits übertroffen hat. "Mit diesen Zahlen hat niemand gerechnet - und wir waren bereits sehr optimistisch", sagt Thomas Hoffmann vom Forschungsprojekt Unternehmergesellschaft der Universität Jena.

Unternehmer, die eine Kapitalgesellschaft gründen wollen, um ihre Haftung zu beschränken, müssen für eine herkömmliche GmbH ein Stammkapital in Höhe von 25.000 Euro aufbringen. Eine britische Limited ist mit einem Pfund Sterling Stammkapital deutlich günstiger, bringt aber erhebliche Nachteile mit sich: Der Gesellschafter muss zum Beispiel das britische Gesellschaftsrecht anwenden. Der deutsche Gesetzgeber erkannte den Bedarf einer vergleichbaren Gesellschaftsform, die auf deutschem Recht beruht, und führte im November 2008 die Unternehmergesellschaft ein. "Es ist immer besser, auch eine nationale Variante zu einer britischen Gesellschaftsform zu haben", sagt Hoffmann.



Attraktive Startbedingungen

Seitdem können Unternehmensgründer bereits mit einem Stammkapital von nur einem Euro eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ins Leben rufen. Und das tun sie auch: Die Zahl der Ein-Euro-Firmen steigt seit Ende 2008 laut einer Studie der Universität Jena stetig an.

Eine Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung und nur ein Euro Stammkapital - das erscheint vielen Unternehmensgründern attraktiv. Gründungen in der Rechtsform einer Limited sind dagegen im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) folgert daraus, dass viele Gründer stattdessen die Unternehmergesellschaft wählen.

Die Mini-GmbH hat allerdings nicht nur Vorteile. So wirft etwa ihre sehr einfache Satzung Probleme auf. Gesellschafter können darin zum Beispiel keine Fragen der Erbfolge regeln.

Die vereinfachte, standardisierte Satzung führt nach Ansicht von Experten nicht einmal dazu, dass sich Mini-Gesellschaften im Vergleich zu traditionellen schneller gründen lassen. Das hatte der Gesetzgeber bei Einführung der Unternehmergesellschaft eigentlich im Sinn. "Schneller geht eine Anmeldung mit dem vereinfachten Verfahren nicht", sagt Jan Köster, Fachanwalt für Gesellschaftsrecht. "Sie dauert genauso lange wie die Anmeldung eines Unternehmens mit individuellem Gesellschaftsvertrag, nämlich rund zehn Tage bis zur Eintragung im Handelsregister."

Banken und Geschäftspartner haben überdies wenig Erfahrung mit der kleinen Schwester der GmbH. Deshalb fordern sie von deren Gesellschaftern laut einer DIHK-Studie gelegentlich besonders hohe Sicherheiten.



Experten bleiben skeptisch

Kritiker bemängeln auch das sehr niedrige Stammkapital der Ein-Euro-GmbH. Zwar reizen die meisten Gründer die Regel nicht aus, sondern bringen laut DIHK Kapital in Höhe von etwa 1000 Euro ein. Das ist aber immer noch deutlich weniger als eine traditionelle GmbH vorweisen muss - und schon deren Pflicht-Stammkapital liegt für manche Experten viel zu niedrig. "Die geringen Anforderungen an das Stammkapital der GmbH werden hier noch weiter unterschritten, das ist nicht vorteilhaft", sagt José Campos Nave, Fachanwalt für Gesellschaftsrecht und Partner der Beratungsgesellschaft Rödl & Partner.

Manch ein Kritiker warnte bei der Einführung der Unternehmergesellschaft gar vor einer Insolvenzwelle: Die niedrige Eigenkapitalbasis könne im Geschäftsbetrieb schnell in die Pleite führen. "Diese Aussage kann man bisher durch die Auswertung des Handelsregisters nicht belegen", sagt allerdings Annika Böhm, Referentin für Gesellschafts- und Bilanzrecht beim DIHK. Zahlen der Universität Jena zeichnen ein positives erstes Bild: Im Jahr 2009 gingen nur 34 Mini-Gesellschaften pleite oder verschmolzen mit anderen.

© 2010 impulse

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews

GRÜNDER-WORKSHOP

Know-how per Klick

Werden Sie Ihr eigener Chef: Der interaktive gründerzeit-Workshop begleitet Sie Schritt für Schritt. Die Teilnahme ist für Sie kostenlos. Mehr

EXISTENZGRÜNDUNG LIVE

Gründer-Tagebücher

FTD.de begleitet fünf junge Gründer – und berichtet täglich über Erfolge, Überraschungen und Rückschläge. Mehr

FRANCHISE-DATENBANK

Franchise-Ideen

Rund 43.000 Franchise-Nehmer nutzen die Vorteile des Franchising. Und erzielen einen Umsatz von knapp 30 Milliarden Euro pro Jahr. Der Einstieg als Partner lohnt. Die besten Franchise-Ideen. Mehr

FÖRDERAMPEL

Die passende Finanzierung für Sie

Sie sind an einer Gründungsfinanzierung interessiert? Oder brauchen mehr Liquidität bei den Umlaufmitteln? Geben Sie einfach Ihren Kapitalbedarf an - unsere Datenbank liefert direkt Empfehlungen, welche Art von Förderung für Ihr Vorhaben möglich ist. Mehr

TESTS

Wie gut kennen Sie sich?

Sind Sie fit für die Selbständigkeit? Ist Stress für Sie kein Grund zur Sorge? Wie ist es um Ihr Selbstbewusstsein bestellt? Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie in unserer Rubrik "Tests". Mehr

WISSEN

Der perfekte Businessplan

Mit einem gut durchdachten Businessplan überzeugen Sie wichtige Geschäftspartner. Worauf Gründer besonders achten müssen. Mehr

INTERAKTIV

Gründer-Newsletter

Aktuelles aus der Gründerszene, Entwicklungen im Markt, neue Anregungen: Mit dem regelmäßigen E-Mail-Newsletter bleiben interessierte Gründer und Jungunternehmer auf dem Laufenden in puncto Gründung, Aufbau und Ausbau des eigenen Business. Mehr

GRÜNDER-VIDEOS

Faszination Selbständigkeit

In jeder gründerzeit-Ausgabe stellt impulse kreative Geschäftsideen vor, die ihre Feuerprobe am Markt bestanden haben. Drei Gründer/innen haben wir darüber hinaus vor der Kamera befragt: Wie fühlt sich Selbständigkeit an? Mehr