Gründung 3-Punkte-Programm in die Selbstständigkeit

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Eine Tischfolie mit einer Weltkarte von Creatisto: mit den Folien des Unternehmens können Verbraucher ihre Möbel aufpeppen.

Eine Tischfolie mit einer Weltkarte von Creatisto: mit den Folien des Unternehmens können Verbraucher ihre Möbel aufpeppen. © Creatisto

Der "Pax"-Schrank in Birkenfurnier, das Bettgestell in Haselnuß-Nachbildung: Daniel Wehle hatte keine Lust mehr auf den IKEA-Einheitslook - und verkauft deshalb Aufklebe-Folien für Möbel. In seinem Blog verrät er sein 3-Punkte-Programm in die Selbstständigkeit.

Das eigene Unternehmen gründen! Viele träumen davon, irgendwann einmal ihr eigener Chef zu sein. Die eigene Kreativität ausleben und umsetzen. Völlige Flexibilität. Und nicht zuletzt: finanziell auf eigenen Beinen stehen und hoffentlich ein gutes Geld verdienen. So einfach das klingen mag, so schwer ist es bei der Umsetzung.

Doch bei den meisten scheitert es schon vor der Umsetzung. Und zwar mit diesen oder ähnlichen Gedanken: Ich habe keine Idee oder meine Idee ist nicht gut genug. Dabei sind das nicht einmal die wirklich relevanten Fragen. Klar, ohne eine Idee kann man nicht gründen. Aber auf die Idee zu warten, die alles besser und einfacher macht, macht auch keinen Sinn. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Letztendlich zählt nur das Tun, sobald die Idee geboren ist!

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Bei mir war es genau das. Schon zu Studienzeiten kam ich mit dem Thema Selbstständigkeit in Berührung. Bei einem internationalen Businessplan-Wettbewerb der Polytechnic University haben mein Kommilitone Marc Wimmer und ich uns mit einem Konzept zur nachhaltigen individuellen Mobilität für die Finalrunde in Hong Kong qualifiziert. Als eines von zwei deutschen Teams durften wir die Hochschule HTWG Konstanz vertreten. Damals reifte der Gedanke in mir, mich nach dem Studium selbstständig zu machen.

Meine Gründungspartner und ich

Meine Gründungspartner und ich. © Creatisto

Die Geschäftsidee stammte von Marc, meinem ehemaligen Kommilitonen, langjährigen Freund und heutigen Geschäftspartner. Nach vielen Besuchen und Partys in den unterschiedlichsten WG’s musste er feststellen, wie gleich doch die Zimmer alle aussehen. Meist stammen die Möbel von einem schwedischen Möbelhersteller und sind weiß. Individualität: Keine Spur. Zeit, daran etwas zu ändern.

Idee bei Freunden getestet

Zu diesem Zeitpunkt war der Ansatz für eine Idee bereits geboren: die Umgestaltung bzw. Verschönerung von Möbeln. Sie erfolgt mit Hilfe von speziell entwickelten Folien, die auf das Möbel geklebt werden. Dadurch ist es für jedermann möglich, das Möbelstück schnell und einfach an die Farbe des Zimmers anzupassen oder komplett individuell mit Motiven und Grafiken zu gestalten. Die Möbelfolien sollten bereits fertig zugeschnitten auf das jeweilige Möbelmaß ausgeliefert werden, sodass der Kunde die Folie nicht mehr anpassen bzw. zurecht schneiden, sondern nur noch auf das Möbel aufkleben muss.

Durch Austausch mit Freunden und im Familienkreis haben wir festgestellt, dass viele von dieser Idee begeistert waren. Natürlich stellten wir uns aber auch skeptische Fragen: Sollen wir diesen großen Schritt wagen? Schaffen wir es, genügend Umsatz zu machen, um wirklich davon leben zu können? Niemand von uns drei Gründern hatte bereits Erfahrungen im Berufsleben gesammelt. Wir sind direkt nach dem Studium in das kalte Wasser der Selbstständigkeit gesprungen. Und wir waren entschlossen: Die Idee hat Potenzial, jeder von uns hat individuelle Kompetenzen, die sich gegenseitig ergänzen und wir sind mehr als motiviert, das Projekt „Selbstständigkeit“ zu wagen.

So wurde der Entschluss gefasst, das Projekt voranzutreiben. Zuerst wurde die Möbelfolie nach den Anwendungsanforderungen im Heimbereich entwickelt. Keine leichte Aufgabe, da wir sehr hohe Anforderungen an das Produkt stellten. Es sollte leicht aufzubringen und rückstandsfrei wiederablösbar sein. Des Weiteren legen wir sehr viel Wert auf die Umwelt- und Hautverträglichkeit unserer Produkte – deshalb wollten wir von Beginn an auf lösungsmittelfreie Druckverfahren setzen. Zudem sollte die Oberfläche sehr robust sein, sodass Kratzer gar nicht erst entstehen können. Parallel zur Entwicklung der Folientechnologie wurde die Homepage programmiert und es wurden erste Marketing-und Vertriebskonzepte entworfen. Viel Zeit und Geduld floss in diese Vorbereitungen, bevor wir endlich offiziell an den Markt gegangen sind.

Patentanmeldung und Personalsuche

In dieser Zeit bestand noch die Doppelbelastung durch meine Tätigkeit an der Hochschule HTWG Konstanz, worüber ich meine Fixkosten wie Miete und Essen finanzieren konnte. Zeit war grundsätzlich Mangelware, Arbeiten statt Freizeit war oft angesagt.

In Nachhinein kann ich sagen: Es war die richtige Entscheidung, diesen Schritt zu wagen. In kürzester Zeit haben wir viel entwickelt und viel bewegt. Nicht nur geschäftlich – auch persönlich sind wir stark gereift und haben eine steile Lernkurve hinter uns. Zwangsweise muss man sich mit Themen auseinander setzen, die einen davor nicht im Geringsten interessiert haben. Auf einmal wirst du mit dem Thema Personal konfrontiert, am nächsten Tag sollst du die Anmeldung der Vorsteuer machen, dann kommt die Anmeldung der Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt. Viele unterschiedliche Gebiete, viel Wissen, das man sich aneignen muss.

Zuletzt habe ich mir die Frage gestellt, was ich zukünftigen Gründern mit auf den Weg geben möchte. Ich nenne es das 3-Punkte Programm in die Selbstständigkeit:

  1. Warte nicht auf die EINE perfekte Idee! Wenn du eine Idee hast, dann schau das du in die Umsetzung gehst.
  2. Baue dir ein Team aus kompetenten Leuten, die vor allem auf einer Wellenlänge mit dir sind! Das Team ist mit einer der entscheidenden Faktoren, ob du Erfolg haben wirst oder nicht.
  3. Bau nicht immer auf die 120%-Lösung! Am Anfang zählt sehr stark das du vieles probierst, um zu sehen wie es vom Markt angenommen wird. Deshalb: Lieber früher mehr testen und schauen was funktioniert und was nicht!

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