Gründung Voll automatisch: Wie Manuel Kloiber mit Robotern ein Millionengeschäft aufbaut

Im Getränkelager der Eltern: Manuel Kloiber fing schon in jungen Jahren an, mit Haushaltsrobotern zu handeln. Die Kisten packt er noch selbst, aber er kann von seinem Start-up bereits gut leben.

Im Getränkelager der Eltern: Manuel Kloiber fing schon in jungen Jahren an, mit Haushaltsrobotern zu handeln. Die Kisten packt er noch selbst, aber er kann von seinem Start-up bereits gut leben. © Jens-Peter Hiller

Wischen, mähen, saugen - wie von Zauberhand. Ein junger Mannheimer verkauft Haushaltsroboter und behauptet sich gegen Konkurrenten wie Media Markt oder Amazon. Der Robotershop ist sein drittes Start-up.

Manuel Kloiber macht eine Lieferung nach Österreich fertig. Dafür geht er in das Getränkelager seiner Eltern. Zwischen Apfelkisten und Weinkartons lagert er seine Haushaltsroboter, die er nach ganz Europa verkauft. Kloiber wuchtet einen Roboterkarton vom Stapel, schneidet ihn auf, Rechnung rein, Einzelteile prüfen. Das Klebeband reißt er mit den Zähnen ab und schließt den Karton wieder. Um vier kommt der Paketdienst, bis dahin müssen 30 Pakete fertig sein.

Kloiber ist 26 Jahre alt, der Handel mit Haushaltsrobotern ist bereits sein drittes Un-ternehmen. Die Geräte bezieht er von einem Großhändler in Österreich und verkauft sie über seinen Online-Shop „Haushalts Robotic“ aus Mannheim weiter. Verkaufsschlager sind die Rasenmäh-Automaten, andere Roboter können selbst-ständig die Fenster putzen, den Boden saugen oder den Pool reinigen. Kosten: zwischen 120 und 5.000 Euro. 2014 hat Kloiber nach eigenen Angaben mit seinem Umsatz die Millionengrenze geknackt, gut 15 Prozent davon blieben für die eigene Tasche. Seine Freundin leitet den Kundendienst. Von dem Geld können die beiden gut leben.

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Anders als stationäre Einzelhändler wie Baumärkte, wo man ebenfalls Haushaltsroboter kaufen kann, versteht Kloiber es, Roboter-Begeisterte an sich zu binden. Über sein Internet-Forum informiert er sie regelmäßig über Angebote, schreibt über technologische Neuheiten und beantwortet Fragen. Außerdem Kloiber übernimmt er vollständig die Versandkosten und garantiert, dass die hunderte Euro wertvollen Roboter unversehrt ankommen. Viel Risiko, doch für Kloiber ist das Teil seines Geschäftsmodells. Die Rücksenderate sei sehr gering, und das liege vor allem an der engen Kundenbindung dank seines Blogs.

8000 Euro Minus in einer Woche
Eigentlich ist der Mannheimer gar nicht der klassische Gründer, der eine Vision vor Augen hat und sich nicht davon abbringen lässt. Kloiber ist viel pragmatischer, er nimmt Gelegenheiten mit. Noch während seiner Ausbildung zum Großhandelskaufmann gründete er einen Münz- und Edelmetallhandel – ebenfalls als Online-Shop. Als der damals 22-Jährige innerhalb einer Woche 8.000 Euro verlor, weil der Goldpreis gefallen war, stieg er aus und verkaufte das Geschäft – immerhin noch gewinnbringend – an einen befreundeten Edelmetall-händler. Dieser war auch gleich der erste und bislang einzige Kunde für Kloibers Beratungsfirma „MK-Invest“, über die er Kunden in allen Bereichen des Online-Marketings beraten will. Bisher bleibt die Beratungsfirma eher eine Nebenbeschäftigung für Kloiber. Stattdessen hat er seinen Roboter-Blog zum Handelsunternehmen ausgebaut. Und als wäre das nicht genug, basteln Kloiber und seine Freundin Jessica Pietrus gerade an einem Online-Versand für Gewürze und Öle.

Wie er auf die Roboter gekommen ist, weiß Kloiber selbst nicht mehr genau. „Ich habe schon als Kind davon geträumt, im Haushalt nichts mehr machen zu müssen.“ Bis heute probiert er jeden Roboter aus. Demnächst will Kloiber aus dem Getränkehandel seiner Eltern in ein größeres Lager ziehen. Bislang sieht die Webseite von Haushalts Robotic ähnlich verwirrend aus wie Kloibers Lebenslauf, ein befreundeter Web-Designer arbeitet daran.

Die Rolex liegt im Schließfach
Kloibers Unternehmen ist nicht durch Kredite finanziert, mit seiner Freundin lebt er trotz inzwischen guten Verdienstes noch in einer bescheidenen Dachgeschosswohnung, die gleichzeitig sein Büro ist. Kein teures Auto, keine Luxuswohnung, keine Maßanzüge. Einmal hat er sich eine Rolex gekauft. Er trug sie zwei Mal, deponierte sie dann in einem Schließfach und zog sie nie wieder an. „Ich habe mich einfach schlecht damit gefühlt, wie ein Angeber.“

Manchmal merkt man Kloiber an, wie jung er noch ist. „Die Nähe zur Familie ist mir sehr wichtig“, sagt er. Mit seinem kleinen Bruder spielt er mit den Robotern, auch in der eigenen Wohnung benutzt er sie. „Manuel ist immer noch total kindisch, das macht ihn aber auch lustig“, sagt seine Freundin.

Die Hummeltheorie: zu dick, zu klein und trotzdem fliegen können
Naiv ist Kloiber aber nicht. Im Gegenteil: Er hat früher mal eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht, heute kann er längst von seinen Unternehmen leben. Bisher hatte er immer noch den richtigen Riecher, wo es Geld zu verdienen gab. Kloiber nennt es die Hummeltheorie. Theoretisch könne die Hummel nicht fliegen, weil sie zu dick und die Flügel zu klein seien. Sie macht es trotzdem. „So ist das auch mit meinem Unternehmen“, sagt Kloiber. „Nicht so viel nachdenken, sondern einfach machen, der Erfolg kommt schon von alleine.“ Gleichzeitig trennte er sich immer rechtzeitig, wenn es nicht mehr lief. Auch die Roboterfirma würde er theoretisch verkaufen, sagt er und lacht. „Klar, wenn Google mir eine Million Euro bietet.“

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