Gründung Angegriffene Reputation, fehlende Transparenz: Woran es vielen Franchise-Systemen mangelt

Es ist eine verfahrene Situation: Franchising bietet viele Vorteile für Gründer und beraubt sich zugleich der Chance, tatsächlich für Neueinsteiger attraktiv zu sein – weil es an Transparenz mangelt. Und die Reputation angegriffen ist. Ein Kommentar von impulse-Chefredakteur Nikolaus Förster.

Zunächst zu den positiven Seiten: Franchising bietet vielen Menschen eine gute Chance, ein Unternehmen zu gründen – mit reduziertem Risiko. Natürlich kann man auch als Franchisenehmer scheitern, doch immerhin profitiert man von einem etablierten Geschäftsmodell, das in dieser Form bereits funktioniert hat. Den Realitätscheck – oder den Realitätsschock – hat die Geschäftsidee bereits bestanden.

Eine Erfolgsgarantie ist das nicht, zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen und Qualifikationen, die Gründer mitbringen müssen. Aber immerhin. Es erhöht die eigenen Chancen, den Schritt ins Unternehmertum erfolgreich zu bewältigen. Dies kann ein wichtiges Argument sein in einem Land, in dem die meisten Menschen immer noch das Angestelltendasein bevorzugen und Risiken scheuen.

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Jetzt die schlechten Nachrichten: Franchising leidet seit Jahren unter einem ramponierten Ruf. Warum? Nicht so sehr, weil es ein paar Systeme in den vergangenen Jahren mit grenzwertigen Geschäftspraktiken in die Schlagzeilen geschafft haben; so etwas kommt nicht nur im Franchising vor. Sondern vielmehr, weil es oft an Transparenz mangelt. Für Gründer, die Interesse haben, in ein System einzusteigen, ist es schwierig, sich ein gutes Bild zu machen.

„Vornehme Zurückhaltung“ bei der Transparenz

Ein Beispiel dafür ist der Systemcheck, den der Deutsche Franchise-Verband anbietet. So sollen Mindeststandards bei Franchise-Systemen alle drei Jahre überprüft werden – eigentlich eine gute Sache. Besser allerdings wäre es, wenn auch bekannt gegeben würde, welche Systeme beim Check durchgefallen sind. Dies wird aber leider nicht veröffentlicht. (Ein ähnliches Phänomen gibt es im Übrigen in der Pharmaindustrie, wo unzählige Studien angefertigt, aber vorzugsweise diejenigen veröffentlicht werden, die die erhofften positiven Ergebnisse zeigen.)

Eine – wie Hamburger sagen würden – vornehme Zurückhaltung spüren wir auch bei der Datenerhebung zum jährlichen impulse-Franchise-Ranking. Obwohl die meisten Franchisesysteme händeringend nach gutem Nachwuchs suchen, scheuen sie davor zurück, sich in die Karten schauen zu lassen. Diesen Schluss zumindest kann man ziehen, wenn man sieht, wie zögerlich Systeme ihre Kennzahlen preisgeben. Wer beim impulse-Ranking berücksichtigt werden möchte, muss nämlich bereit sein, auch interne Kennzahlen preiszugeben und sich so dem Wettbewerb mit anderen Systemen zu stellen. Die impulse-Bewertung beruht auf der Analyse von Kennzahlen und unabhängigen Urteilen von Experten aus Wissenschaft, Recht, Beratung und Banken. Die Kombination dieser Informationen erlaubt interessante Einblicke in die Branche, in die Stärken und Schwächen einzelner Systeme.

Ernüchternde Zahlen

So ganz geheuer ist diese Analyse den meisten Systemen aber nicht – zumal ein Ergebnis des aktuellen impulse-Rankings 2013 ist, dass die Marken von den Experten keineswegs durchweg positiv bewertet werden. Dies müsste eigentlich eine alarmierende Nachricht sein. Gerade die Strahlkraft einer Marke ist für Newcomer wertvoll und ein wichtiges Argument für den Einstieg ins Franchising. Mangelt es daran, wird es für die Ketten noch schwerer, neue Partner zu gewinnen. Die Zahlen sind zumindest ernüchternd: Die wenigsten Systeme wachsen noch.

Viele Franchisesysteme sehen das impulse-Ranking vor diesem Hintergrund als Marketing-Instrument, auch wenn ihnen klar sein müsste, dass es – anders als die meisten anderen Branchenpublikationen – von einer unabhängigen Redaktion erstellt wird. Sie hoffen, durch eine gute Platzierung an Attraktivität für potenzielle Gründer zu gewinnen. Entsprechend aufgeregte Anrufe erreichen uns in Hamburg immer wieder von Systemen, die unzufrieden mit ihrer Platzierung sind.

Vielleicht sollten sich die Systeme irgendwann einmal entscheiden: Wer für sich Marketing machen möchte, sollte Anzeigen schalten oder sonstige PR-Aktivitäten starten. Eine andere Methode, an Attraktivität zu gewinnen, auch bei potenziellen Gründern, ist Transparenz. Was spricht dagegen, offen mit Informationen und Zahlen umzugehen? Wer den Eindruck erweckt, etwas verstecken zu müssen, sollte sich nicht wundern, wenn ihm auch kein Vertrauen mehr von potenziellen Gründern entgegengebracht wird.

1 Kommentar
  • H.-J. Kölln / TRUE Franchiseberatung 19. Dezember 2013 09:24

    Ich glaube, eines der Hauptprobleme ist die einseitige Darstellung im Franchise, dies wird bereits in diesem Artikel sichtbar.
    „Ein erprobtes Geschäftsmodell reduziert das Risiko des Franchisenehmers“. Das mag für einige Systeme gelten, für andere (evtl. sogar die Mehrheit) aber nicht, denn die verteilen durch Franchise ganz bewusst das Risiko auf fremde Schultern. Systeme sind nicht immer erprobt, die Marke ist in der Öffentlichkeit oft nur wenig bekannt. Selbst wenn ein Unternehmen ein gutes Produkt oder eine gute Dienstleistung anbieten kann, heißt dies nicht noch lange, dass es tauglich für ein Vertriebssystem wie Franchise ist.

    Einzelerfolge gelten für das Funktionieren von Franchise und der Systeme, das Scheitern von Systemen oder Franchisenehmern, wenn es überhaupt bekannt wird, gilt als Einzelschicksal.

    Neben der, wirklich dringend angeratenen, Transparenz mit aussagekräftigen Kennzahlen wäre also mehr Objektivität ein wichtiger Faktor, um Aussagen wieder mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.

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