• App-Entwicklung – Fluch oder Segen für Jungunternehmer?

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    Die Wachstumsprognosen auf dem App-Markt sind ungebrochen, wie der geplante Einstieg von Amazon und Facebook zeigt. Welche Chancen bieten sich für Gründer von dem Boom zu profitieren?

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    Ob neue Geschäftsmodelle oder spezialisierte Anwendungen – der Boom im App-Sektor ist ungebrochen und wird in den nächsten Jahren anhalten, wie Prognosen des IT –Marktforschungsinstituts Gartner belegen. Bereits heute schätzt die Telekom die Zahl der weltweiten Entwickler auf 17 Millionen und die Anzahl der unterschiedlichen Apps betrug allein bei Apple im Juni 2012 über 650.000. Doch wie lukrativ ist dieser Boom für Entwickler und Gründer, die davon profitieren wollen?

    Die Application oder kurz App ist älter als viele Nutzer vermuten würden. Bereits altgediente Tastenhandys besaßen Apps. Diese waren in Form von Kalendern oder Taschenrechnern fest in der Software des jeweiligen Mobiltelefons verankert. Der Beginn der Revolution lässt sich mit dem Erscheinen der Programmiersprache Java für Handys datieren. Durch sie wurde es möglich beispielsweise einfache Spiele zu programmieren und aus dem Internet herunter zu laden. Mit der Erfindung des Smartphones 2007 startete endgültig der Siegeszug der kleinen, meist nützlichen Anwendungen.

    Verzeichnete Branchenprimus Apple im Juni 2008 noch 10 Millionen App-Downloads waren es im selben Monat des Jahres 2012 laut Konzernangaben 30 Milliarden. Glaubt man den Prognosen von Gartner, wird sich dieser Trend auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Laut einer Studie des IT-Konzerns Cisco gibt es in diesem Jahr erstmals mehr Handys als Menschen auf unserem Planeten. Smartphones kommen dabei lediglich auf einen Marktanteil von 12 Prozent. Zukünftig wird sich dieser Anteil unweigerlich steigern und mit ihm die Downloadzahlen von Applications.

    Diesen Trend haben nicht nur die klassischen Anbieter von Apps, wie Mobilfunkhersteller oder Telefongesellschaften erkannt. Unlängst kündigten Amazon und Facebook an, noch in diesem Jahr mit eigenen App-Stores auf den europäischen Markt zu drängen. Gerade in Deutschland wird laut der Cisco-Studie der mobile Datenverkehr 2015 30-fach höher als 2010 sein. Der Hauptgrund hierfür liegt in der rasanten Entwicklung des Smartphone- und Tablet-Marktes. “Das Wachstum ist ungebrochen und wird sich in den nächsten Jahren, aufgrund von Smartphones und Tablet-PC’s, noch verstärken,” sagt Rolf Kluge, Gründer und Technischer Direktor der APPSFactory GmbH aus Leipzig, die bereits seit 2008 (vormals als smartrunner GmbH) am Markt tätig ist, im Gespräch mit impulse.de

    Um die Nachfrage nach neuen Apps zu decken, setzten viele Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit kleinen und meist jungen Entwicklungsfirmen. Aber nicht immer ist diese für die Entwickler lukrativ. Rund 30 Prozent des Kaufpreises einer App behalten die großen Store-Betreiber wie Apple, Google oder Microsoft als Provision. Auch Amazon hat angekündigt, dass nur 70 Prozent des Verkaufserlöses den Entwicklern zukommen werde. Zahlen, die potentielle Gründer auf diesem großen und unübersichtlichen Markt abschrecken könnten.

    Alternative Geschäftsmodelle sollen daher Entwickler stärker motivieren, um die große Nachfrage am Markt noch Effektiver bedienen zu können. Als erstes startet die Telekom mit einem dieser Modelle. Ein Marktplatz für Softwarekomponenten soll es ermöglichen, dass häufig genutzte Basisfunktionen in Telekom-Anwendungen nicht immer wieder neu programmiert werden müssen, sondern nach dem Baukastenprinzip wiederverwendet werden können. Darüber hinaus ist es Möglich das die Entwickler einzelne Komponenten weiterverkaufen, was ihr Geschäftsfeld deutlich erweitert und die Abhängigkeit von den klassischen Stores vermindern soll. Sie sind also nicht mehr allein auf den Verkauf von einzelnen Apps angewiesen. “Die Chancen für junge Unternehmer am Markt Fuß zu fassen, waren nie so günstig wie heute. Durch neue Geschäftsmodelle und auftragsbasierte Entwicklungsarbeit lässt sich heute sehr gut Geld verdienen,” sagt Kluge.

    Die Prognosen fallen also günstig aus und die Geschäftsmodelle passen sich stärker den Wünschen der Entwickler an. Das Ende dieses Prozesses ist noch nicht abzusehen. Unternehmer, die in diesem Bereich tätig werden wollen, haben weiterhin gute Chancen. Für immer mehr Firmen wird es attraktiv eine App anzubieten, anstatt zum Beispiel eines Newsletters. Momentan liegen die Entwicklungskosten von Apps zwischen 2500 und 100.000 Euro. Sollten hier die Kosten aufgrund des Konkurrenzdrucks sinken, wird die Nachfrage nach Neuentwicklungen weiter steigen.

    Der Trend geht dabei verstärkt zu spezialisierten Apps, die branchenspezifisch Anwendung finden. Ein Beispiel hierfür sind Medizin-Apps, die heute schon in Krankenhäusern zum Einsatz kommen und von Ärzten und Pflegepersonal genutzt werden. Vorreiter in diesem Bereich sind die USA. So fand das Marktforschungsinstitut “Manhattan Research” 2011 heraus, dass 20 Prozent aller befragten Ärzte eine Medizin-App in ihrem Arbeitsalltag nutzen und weitere 40 Prozent sich in den nächsten sechs Monaten ein mobiles Endgerät für die Nutzung zulegen wollen.

    In einer weiteren Studie des US-Marktforschungsunternehmens Kalorama Information von 2011 wird das Marktvolumen von “Mobile Medical Apps” auf 150 Mio. US-Dollar geschätzt. Die Wachstumsprognosen allein in diesem Segment übertreffen die des Standard-App-Marktes deutlich.

    “Die Potentiale von Apps sind noch lange nicht ausgeschöpft, sie werden immer mehr Einzug in unser tägliches Leben halten,” prognostiziert Kluge. “Mit einer guten Idee und dem Willen zwei Schritte mehr zu gehen als andere, sollten Jungunternehmer den Sprung wagen.”

    • Quelle: impulse
    • Copyright: impulse
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