Gründung Ausbildung zum Unternehmer

Junger Mann mit Gründergeist: Kevin Urbaum (r.) will beim Start-up Pasary lernen, wie man ein Unternehmen aufbaut. Seine Chefs, Helge Wenck und Anne Arndt, haben schon mehrere Unternehmen erfolgreich aufgebaut.

Junger Mann mit Gründergeist: Kevin Urbaum (r.) will beim Start-up Pasary lernen, wie man ein Unternehmen aufbaut. Seine Chefs, Helge Wenck und Anne Arndt, haben schon mehrere Unternehmen erfolgreich aufgebaut. © Anna-Lena Ehlers

Kevin Urbaum will ein Unternehmen gründen. Aber wie bereitet man sich darauf vor? Im Hamburger Start-up Pasary besetzt der 23-Jährige eine Position, die in Deutschland noch unbekannt ist. Urbaum ist "Entrepreneur in Residence".

Das Konzept „Entrepreneur in Residence“ kommt aus den USA und ist dort eigentlich für Unternehmer gedacht, die es schon längst geschafft haben: Seriengründer arbeiten für eine Zeit in einer Venture Capital Firma. Sie helfen, das Potenzial anderer Start-ups zu evaluieren, entwickeln neue Geschäftsideen und bekommen von der Venture Capital Firma in der Regel Geld, um das nächste Start-up zu gründen.

Auch in Deutschland gibt es das Modell. Sind in der Start-up-Szene Stellen als „Entrepreneur in Residence“ ausgeschrieben, ist allerdings meist jemand anders gesucht: Junge Leute wie Kevin Urbaum, die selbst gründen wollen und den entsprechenden Geist dafür mitbringen. Seit einem knappen halben Jahr arbeitet er bei Pasary. Die Zusammenarbeit klappt so gut, dass er derzeit Gespräche darüber führt, ob er an dem Marktplatz Good Retreats beteiligt wird.

Herr Urbaum, warum wollen Sie unbedingt Unternehmer werden? Ein Job bei einer Beratung wäre doch auch nicht schlecht.
Mein Vater hatte eine Firma, mein Stiefbruder hat ein Start-up gegründet, mein leiblicher Bruder baut gerade eine Agentur auf. Für mich ist schon lange klar, dass ich mein eigenes Unternehmen gründen möchte. Bei einer Unternehmensberatung zu arbeiten, ist bestimmt auch spannend, man verdient schnell, gutes Geld. Aber wenn man ein erfolgreiches Unternehmen gründet, dann ist das ein Lebenswerk.

Um sich auf Ihre Unternehmensgründung vorzubereiten, arbeiten Sie derzeit als „Entrepreneur in Residence“. Ist das nicht ein schönerer Ausdruck für Praktikant?
Als Praktikant wäre ich einer Abteilung zugeordnet. Ich würde etwas über Social Media lernen oder Vertrieb oder Marketing. Hier sitze ich in einem kleinen Start-up und lerne alle Bereiche kennen, die wichtig sind, um ein Unternehmen aufzubauen. Außerdem habe ich viel mehr Verantwortung.

Was machen Sie denn genau als „Entrepreneur in Residence“?

Ich arbeite bei Pasary, einem Start-up, das eine Standardsoftware entwickelt, mit der man ohne viel Aufwand Online-Marktplätze wie Airbnb oder Uber bauen kann, also Plattformen, auf denen es Anbieter und Nachfrager gibt. Die haben jemanden mit Gründergeist gesucht, der eine dieser Plattformen als Pilotprojekt aufbauen kann. Das mache ich jetzt.

Wie sieht Ihr Tag aus?
Ich habe im Januar der Marktplatz Good Retreats gelauncht, eine Plattform, auf der Yoga-Urlaub-Anbieter ihre Reisen anbieten. Außerdem habe ich über 100 Reiseveranstalter angeschrieben, über die Hälfte machen mit. Ich schaue, welche Funktionen wir noch auf der Seite brauchen, spreche mit den Pasary-Gründern darüber. Momentan kümmere ich mich vor allem ums Social Media Marketing. Wir haben bisher keinen Investor, da sind die kostspieligen Maßnahmen etwas schwieriger.

Woher wissen Sie, was zu tun ist?
Im Studium lernst Du das nicht. Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Das war nur Theorie, das bringt ja nichts. Jetzt heißt es also: learning by doing. In Praktika habe ich viel gelernt. Bücher lesen hilft. Und dann viel Recherche im Internet. Jetzt, als „Entrepreneur in Residence“, versuche ich einfach so viele Erfahrungen wie möglich mitzunehmen.

Nach den letzten Monaten: Gibt es etwas, dass sie vom Gründen abschreckt?
Nein. Man arbeitet natürlich viel, aber damit habe ich kein Problem. Wenn ich nichts zu tun habe, mache ich eh nur Sinnloses, gucke Fernsehen.

Ihre Stelle hat auch einen Nachteil: Ihr Team besteht aus den beiden Unternehmensgründern und Ihnen. Es gibt keine Marketingabteilung, keinen Vertrieb, wenig Experten, bei denen Sie sich das Handwerkszeug abgucken können.
Es wäre wahrscheinlich einfacher, wenn ich für jeden Bereich jemanden hätte, bei dem ich nachfragen kann. Aber dann googelt man halt und investiert eine halbe Stunde, die besten Strategien rauszusuchen. Oder man versucht, Kontakte anzurufen. Das Netzwerk, das ich jetzt aufbauen kann, ist natürlich ein wichtiger Bonus. Wenn ich selbst gründe, macht ein großes Netzwerk vieles einfacher.

Was ist das Wichtigste, was Sie bislang gelernt haben?
Projekte zu beerdigen. Man muss Sachen einfach ausprobieren, sehen, ob sie klappen oder nicht. Und wenn sie nicht klappen, muss man entweder den Weg korrigieren – oder die Idee ganz zerschießen. Da gab es bei uns auch schon einige. Aber es ist sehr wichtig, früh genug einen Schlussstrich zu ziehen.

Haben Sie Angst, zu scheitern?
Dass man immer wieder Rückschläge hat, ist ermüdend, aber auch spannend. Richtig zu scheitern ist glaube ich schwer, das tut weh. Auch wenn die meisten sagen, dass sie extrem viel draus gelernt haben – in Deutschland wird das einfach negativ bewertet. Dann ist man schlecht. In Amerika ist das eine andere Kultur. Da wird gesagt: Du bist gescheitert. Dann mach das nächste. Hier, hast Du noch mehr Geld.

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