Gründung Berlin, Hamburg, Köln – ihr könnt einpacken!

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Welche Stadt ist die deutsche Start-up-Hochburg? Ein gerade veröffentlichtes Regionen-Ranking zeigt, in welchen Gegenden Gründergeist herrscht und welche stillstehen. Das Ergebnis überrascht - und stellt selbst die Wissenschaftler vor Rätsel.

Wo leben in Deutschland Menschen mit Geschäftsideen? Wo werden am meisten Unternehmen gegründet? Das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn erstellt seit 1998 das NUI-Ranking – mit überraschenden Gewinnern.

NUI steht für „Neue Unternehmerische Initiative“. Die Wissenschaftler zählen nach: Wie viele Unternehmen wurden in einer Region im letzten Jahr gegründet? Wie viele bestehende Firmen sind zugezogen? Dann berechnen sie, wie viele Gewerbebetriebe pro 10.000 Einwohner im erwerbsfähigen Alter angemeldet wurden.

And the winner is…
Das Ergebnis: Am meisten Gründergeist gibt es in Deutschland in Offenbach. In der Stadt am Main wurden im Jahr 2013 513,5 neue Betriebe pro 10.000 Bewohner im erwerbsfähigem Alter gegründet. Die Wissenschaftler des IfM hatten allerdings schon damit gerechnet, dass Offenbach vorne liegt. Schließlich ist die Stadt schon zum achten Mal in Folge die Nummer 1.

Die Frage ist: Warum? Am IfM ist man ratlos. „Das Phänomen ist für uns weitgehend rätselhaft“, sagt Mitarbeiterin Eva May-Strobl. „Es könnte sein, dass Offenbach von den Agglomerationsnachteilen Frankfurts profitiert.“ Die Attraktivität Frankfurts habe zu sehr hohen Gewerbemieten geführt, Mitarbeiter könnten sich kaum noch Wohnungen leisten. „Frankfurt ist gewissermaßen übergelaufen, so dass das Umland profitiert. Der immense Vorsprung von Offenbach ist so aber auch nicht vollends zu erklären.“

 

Die Top 10 (Gründungen pro 10.000 Bewohner im erwerbsfähigen Alter)

1. Offenbach am Main (Hessen): 513,5
2. Landkreis München (Bayern): 276,2
3. Wiesbaden (Hessen): 248,1
4. Landkreis Offenbach (Hessen): 246,1
5. Landkreis Miesbach (Bayern): 240,6
6. Fürth (Bayern): 238,9
7. Landkreis Starnberg (Bayern): 234,4
8. Main-Taunus-Kreis (Hessen): 225,8
9. Landkreis Bad-Tölz-Wofratshausen (Bayern): 220,9
10. Frankfurt (Hessen): 218,7

Quelle: IfM Bonn

 

Selbst in Offenbach rätselt man über den Erfolg

Jürgen Amberger, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach, glaubt nicht an den Überlauf-Effekt. „Warum sollten Frankfurter Unternehmen nach Offenbach gehen? Mieten und Gewerbesteuer sind hier auch nicht so viel günstiger.“ Wem Frankfurt zu teuer sei, der ziehe eher zehn Kilometer weiter raus. „Da gibt es dann einen echten Preisunterschied.“

Amberger sieht die Ursachen eher in der Bevölkerungsstruktur. „Wir sind eine sehr junge Stadt mit einem hohen Migrantenanteil. Die Kinder der ersten und zweiten Migrantengeneration sind stärker an Gründung interessiert und haben eine höhere Risikobereitschaft.“ Außerdem profitiere Offenbach von der Hochschule für Gestaltung. „Viele Absolventen gehen direkt in die Selbstständigkeit, etwa Fotografen oder Webdesigner.“ Viele Arbeitsplätze werden dadurch allerdings nicht geschaffen. Die Kreativen sind oft Einzelkämpfer.

Den großen Vorsprung Offenbachs kann sich aber auch Amberger nicht so recht erklären. „Wir stecken als Stadt noch mitten im Strukturwandel. Offenbach war etwa ein Standort für die Lederindustrie, die eher schlecht ausgebildete Menschen beschäftigte. Das hat sich auf die Bevölkerungsstruktur ausgewirkt. Der Weg zum Dienstleistungsstandort ist noch weit.“

 

Die Metropolen (Gründungen pro 10.000 Bewohner im erwerbsfähigen Alter)

10. Frankfurt a.M.: 218,7
14. München: 213,8
17. Berlin: 208,3
25. Hamburg: 200,6
43. Köln: 179,3

 
Die Schlusslichter (Gründungen pro 10.000 Bewohner im erwerbsfähigen Alter)

400. Landkreis Wittenberg (Sachsen-Anhalt): 74,9
401. Kreis Altenburger Land (Thüringen): 73,6
402. Landkreis Stendal (Sachsen-Anhalt): 69,3

Quelle: IfM Bonn (die ganze Studie finden Sie hier)

2 Kommentare
  • Mary 26. April 2015 15:53

    Kunststück!!! Ich kann es kaum Fassen… hier hat man einfach die Zahl der Gründungen ins Verhältnis gesetzt zur Einwohnerzahl. Da hat eine Kleinstadt wie Offenbach auch leichtes Spiel mit 120.000 Einwohnern. Berlin mit 3.000.000 hat da mit einer ganz anderen Bevölkerungsstruktur zu kämpfen. Die Einwohnerzahl als Vergleichsgröße zu nehmen ist zu einfach und kann nicht funktionieren. Wie wäre es denn wenn man Offenbach mal mit Paderborn vergleicht. Das hat nämlich ähnlich viele Einwohner und dann kann ein Vergleich schon eher gelingen. Berlin hat wahrscheinlich mehr Einwohner im Altersheim als Offenbach insgesamt…… Die gründen bestimmt eher selten.

  • Name Creaman 7. April 2015 21:15

    Über die Qualität der Gründungen ist nichts gesagt. Bei Offenbach fällt mir zuerst ein: Dönerbuden, Gemüsehandel oder Orient-Teppichreinigung

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