Parkpocket Wie Parkpocket die Parkplatzsuche erleichtern will

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Die Gründer des Start-ups Parkpocket in der Code_n-Halle auf der Computermesse Cebit: Karoline Bader (li.), Benedikt Bergander und Stefan Bader (re.).

Die Gründer des Start-ups Parkpocket in der Code_n-Halle auf der Computermesse Cebit: Karoline Bader (li.), Benedikt Bergander und Stefan Bader (re.).© impulse

Mit ihrer App wollen die Gründer von Parkpocket die Parkplatzsuche für viele Autofahrer deutlich vereinfachen. Hat die Idee Potenzial?

 

1. Der Ideen-Check: Taugt das Geschäftsmodell?

 

In vielen Innenstädten gibt es Anzeigetafeln, auf denen steht, wie viele Parkplätze gerade in bestimmten Parkhäusern frei sind. Wozu braucht man da denn überhaupt Ihre App?

cashtest-logo-folge2Karoline Bader (CFO): Unsere App zeigt auf einen Blick in Echtzeit, wie viele Stellflächen in einer Vielzahl von Parkhäusern in einer Stadt frei sind – und vor allem, wie viel es kostet. Das weiß man sonst meistens erst, wenn man an der Schranke steht. Bisher gibt es keine wirkliche Preistransparenz. Dabei gibt es selbst zwischen einzelnen Parkhäusern in der Innenstadt je nach Parkdauer große Preisunterschiede. Mit unserem Preiskalkulator sieht man sofort, wie viel man zum Beispiel für drei Stunden parken am Marienplatz in München zahlen muss. Die App bietet aber auch Infos zu den Öffnungszeiten, der Einfahrtshöhe und ob es eine Videoüberwachung, Behindertenparkplätze, Frauenparkplätze oder Ladestationen für Elektroautos gibt.

In wie vielen Städten kann man die App bisher nutzen?

Karoline Bader: Unsere App ist Ende Februar online gegangen. Aktuell haben wir Echtzeitdaten für 49 Städte in Deutschland. Statische Daten wie Öffnungszeiten haben wir bereits für 71 Städte, bis Ende April dann für alle Städte und Kommunen in Deutschland.

Woher bekommen Sie die Daten für die Parkplatzanzeige in Echtzeit?

Karoline Bader: Unsere Daten stammen direkt von Städten, Kommunen und Parkhausbetreibern. Städte und Kommunen sind zum Glück sehr an einer Kooperation interessiert. Viele Orte haben gar kein Parkleitsystem, über das freie Stellplätze angezeigt werden. Und selbst wenn eines vorhanden ist, sind vielleicht nur 40 Prozent der Parkhäuser angebunden. Mit unserem System kann man tatsächlich 100 Prozent der Parkhäuser abdecken.

Und machen die privaten Parkhausbetreiber freiwillig mit? Vielen dürfte es vielleicht nicht so recht sein, wenn offensichtlich wird, dass sie teurer sind als die Konkurrenz nebenan.

Karoline Bader: Am Anfang war das etwas schwieriger. Inzwischen kommen Parkhausbetreiber aber sogar auf uns zu. Denn Parkhäuser, die sichtbarer sind bei Vakanzen, werden tatsächlich auch häufiger angefahren.

Und wenn man als Nutzer merkt, dass eine Angabe nicht stimmt?

Stefan Bader (CEO): Wir nutzen unsere App auch als Crowd-Reporting-Tool. Darüber können uns Nutzer fehlerhafte Informationen mitteilen. Deswegen ist es wichtig für uns, eine aktive Community zu schaffen.

Ihre Park-App ist ja kostenlos. Womit verdienen Sie Geld?

Karoline Bader: Wir verdienen dadurch Geld, dass wir unsere Lösung in andere Geräte und Services im Auto integrieren – also zum Beispiel über eine monatliche Lizenz-Gebühr oder ein Revenue-Share-Modell. Eine weitere Einnahmequelle sind Anzeigen, zum Beispiel ortsbezogene Werbeformate, die aber nicht als Banner laufen. Wir werden die App auf keinen Fall mit Werbung zuspammen. Zudem werden wir künftig noch andere Features in unsere App einbauen, um den gesamten Parkprozess im Parkhaus zu optimieren.

Die App von Parkpocket. Bild-Copyright: impulse

Die App von Parkpocket. Bild-Copyright: impulse© Verena Bast/impulse

 

2. Der Konkurrenz-Check: Gibt’s das schon?

 

Wer sind Ihre direkten Konkurrenten?

Karoline Bader: Es gibt zwar Konkurrenten, zum Beispiel Parkopedia. Das ist eine Art Wikipedia für Parkhäuser und eine rein crowd-basierte Plattform, bei der jeder Daten einspeisen kann. Diesen Mix aus dynamischen und statischen Daten, wie wir ihn haben, bieten Konkurrenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktuell aber bisher nicht.

 

3. Der Nachfrage-Check: Wer will das haben?

 

Wie viele Kunden hat das bisher überzeugt?

Karoline Bader: Wir haben derzeit mehr als 12.000 Nutzer und wachsen jeden Tag weiter. Bisher haben wir sehr positives Feedback bekommen. Ursprünglich hatten wir mit einem Sharing-Konzept angefangen – so etwas wie Airbnb für Parkplätze. Mitte letzten Jahres haben wir aber gemerkt, dass man eigentlich mit Städten und Kommunen kooperieren und Echtzeitdaten bieten muss. Deswegen haben wir Mitte 2014 das Konzept umgestellt.

Wie wollen Sie weitere Kunden gewinnen?

Stefan Bader: Unser Ziel ist es, nachhaltiges, organisches Wachstum zu erreichen. Im Business-to-Consumer-Bereich haben wir jetzt angefangen, mit verschiedenen Event-Veranstaltern zu kooperieren, zum Beispiel für Großkonzerte oder Events wie dem Start-up-Festival „The Royal Jungle“ in München. Außerdem betreiben wir Suchmaschinen- und App-Store-Optimierung, um dauerhaftes Wachstum zu generieren.

Karoline Bader: Im Business-to-Business-Geschäft sind wir in Gesprächen mit den drei größten Automobilzulieferern und Premium-Autoherstellern aus Deutschland. Dann könnte unsere Lösung direkt ins Navi der Autos integriert werden.

 

4. Der Kapital-Check: Wie soll das finanziert werden?

 

Wie sind Sie finanziert?

Karoline Bader: Wir sind seit Juli 2014 offiziell im Start-up-Förderprogramm „Wayra“ des Telekomkonzerns Telefónica (E-Plus, O2). Von Wayra haben wir 40.000 Euro in bar bekommen und 40.000 Euro in Form von Coachings und Mentoring. Außerdem können wir die Räume von Wayra in der Münchner Innenstadt als Büro nutzen. Das Programm läuft noch bis Ende Juli 2015. Wir wollen auch in andere Länder und haben da schon einiges auf der Agenda. Deshalb suchen wir gerade nach weiteren Investoren.

Wie sind Sie an Wayra gekommen?

Karoline Bader: Wir hatten beim „Best of Munich“-Wettbewerb mitgemacht. Eigentlich werden dort nur Münchner Start-ups zugelassen. Wir haben aber eine Wild Card bekommen und wurden dort von Wayra entdeckt. Wayra hat uns dann aufgefordert, dass wir uns bitte bei ihnen bewerben sollen.

Ist das auch ein Türöffner, um an andere Investoren zu kommen?

Karoline Bader: Definitiv. Das Netzwerk von Wayra ist wirklich super und hilft uns extrem.

Wie viel Kapital haben Sie bisher gebraucht?

Karoline Bader: Wir sind Schwaben. Und genau so haben wir am Anfang auch kalkuliert. Wir zahlen uns Gründern bisher keine Löhne aus. Irgendwann muss man aber einfach auch als Gründer Geld verdienen… Wir führen aber schon weitere Investorengespräche und sind ganz optimistisch, dass es relativ zügig klappt. Auch auf der Cebit in Hannover haben wir Kontakte zu mehreren Investoren geknüpft.

Wenn Sie sich bisher kein Gehalt auszahlen: Wovon leben Sie im Moment?

Karoline Bader: Von Ersparnissen, die reichen noch ein bisschen. Teilweise werden wir auch noch von den Eltern unterstützt. Andere bei uns im Team haben noch Freelancer-Jobs nebenher. Wir glauben einfach an die Idee, deswegen sind wir auch bereit, das zu tun.

 

5. Der Risiko-Check: Was kann schief gehen?

 

Welche Risiken sehen Sie? Was kann vielleicht schief gehen?

Karoline Bader: Risiken gibt es natürlich immer. Ein Risiko war natürlich, nicht zu wissen, wie die App ankommt und das Konzept ankommt. Wir haben auch noch nicht für alle Städte und Gemeinden in Deutschland Daten zusammmen. Das wird jetzt in den nächsten Monaten kommen.

 

Die Gründer

Gegründet wurde Parkpocket von Stefan Bader, Karoline Bader, Florian Schuler, Marius Schneider und Benedikt Bergander. Inzwischen arbeiten acht Mitarbeiter im Kernteam des Start-ups.

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