Gründung Gründeridee: Nie mehr kalte Füße

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Vorsicht, nicht verbrennen. Oskar Mondrian hofft, dass die Hightech-Sohle Digitsole international den Durchbruch schafft. Auf der Computermesse Cebit in Hannover (Bild) war der Andrang am Stand des Start-ups groß.

Vorsicht, nicht verbrennen. Oskar Mondrian hofft, dass die Hightech-Sohle Digitsole international den Durchbruch schafft. Auf der Computermesse Cebit in Hannover (Bild) war der Andrang am Stand des Start-ups groß.© Verena Bast

Das Start-up Glagla hat eine intelligente Schuhsohle mit allerlei technischen Features entwickelt. Aber wer braucht sowas? Die Geschäftsidee im impulse-Cashtest.

1. Der Ideen-Check: Taugt das Geschäftsmodell?

 

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Einlegesohlen für Schuhe gibt es schon zuhauf in Schuhgeschäften und sogar in Drogeriemärkten. Wie wollen Sie sich gegen die Konkurrenz behaupten?

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Oskar Mondrian: Unsere Sohle ist keine normale Einlegesohle. Mit ihr kann man die Füße mehrere Stunden lang mit der gewünschten Temperatur wärmen, sogar bis maximal 50 Grad.

Klingt nach Stinkefüßen.

Nein, man kann sie ja zum Beispiel auch auf 38 Grad einstellen. Die Temperatur der Sohle wird über eine App im Smartphone gesteuert, über eine Bluetooth-Verbindung. Die Sohle zählt gleichzeitig die Schritte und Kalorien, die man am Tag beim Gehen verbraucht.

 

Wo nimmt die Sohle die Energie hier? Steckt da eine Batterie drin, die man austauschen muss?

Die Sohle hat einen Akku, den man alle sechs bis acht Stunden aufladen muss.

 

2. Der Konkurrenz-Check: Gibt’s das schon?

 

Es gibt doch schon beheizte Schuhsohlen, genau wie Armbänder oder Smartwatches, die Schritte zählen.

Natürlich. Aber in unserem Produkt ist das alles integriert. Wir haben keine direkten Konkurrenten, weil wir im Moment die Einzigen sind, die diese Art von Schuhsohle herstellen. Ich denke, dass wir mit unserem Produkt die Footwear-Industrie verändern werden. Bisher gibt es Schuhhersteller und Elektronik-Hersteller. Wir selbst kommen aus der Footware-Branche. Wir haben aber jetzt sehr viele Elektronik-Spezialisten eingestellt, um diese Mischung zu haben.

Dafür ist die Digitsole mit einem Verkaufspreis von derzeit 149 US-Dollar ziemlich teuer – und kostet auch mehr als beheizte Sohlen von der Konkurrenz…

Aber bei den Konkurrenzprodukten ist wie gesagt kein Schrittzähler integriert. Bei anderen beheizten Sohlen braucht man außerdem oft eine extra Fernbedienung, bei uns geht die Steuerung per Smartphone-App.

 

3. Der Nachfrage-Check: Wer will das haben?

 

Wie viele Kunden hat das bisher überzeugt?

Vor sechs Monaten hatten wir den ersten Prototypen der Sohle fertig und haben einen kleinen Markttest mit 1500 Personen gemacht. Der war sehr erfolgreich. Seitdem haben wir die Sohle noch verbessert. Die jetzige ist noch um einiges leichter und bequemer als das Vorgängermodell.

Im Moment verkaufen wir nur an den Endverbraucher, über unsere Webseite. Ende des Jahres wird es unser Produkt aber auch in vielen Geschäften zu kaufen geben. Als wir den ersten Prototyp fertig hatten, haben wir ihn potenziellen Geschäftspartnern vorgestellt, in Deutschland zum Beispiel dem Outdoor-Bekleidungshändler Schöffel. Im Januar waren wir auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas und auf der Sportmesse ISPO in München und haben dort Kontakte zu Unternehmen aus der ganzen Welt geknüpft. Inzwischen hat eine große Anzahl von Händlern Interesse an der Digitsole angemeldet und will sie ab dem Herbst oder Winter verkaufen.

Wer soll die Sohle denn tragen?

Zum Beispiel Sportler, Wanderer oder Skifahrer. Die Digitsole ist aber auch was für Landwirte, Bauarbeiter oder andere, die lange Zeit draußen arbeiten müssen. Wir wohnen zum Beispiel in einer recht kalten Gegend in Frankreich, in Lothringen. Wir haben festgestellt, dass dort viele Leute beheizte Sohlen verwenden.

Gibt es die Sohle auch bald in deutschen Geschäften?

Wir starten in Frankreich, Deutschland, Russland und wahrscheinlich auch in Kanada und den USA. Es gibt auch schon eine große Nachfrage aus Asien, vor allem aus Südostasien. 2016 wird es uns wahrscheinlich überall geben.

 

4. Der Kapital-Check: Wie soll das finanziert werden?

 

Das klingt sehr optimistisch. Wer soll denn die Expansion bezahlen?

Wir haben vor einiger Zeit über die amerikanische Crowdfunding-Plattform Kickstarter Geld eingesammelt, insgesamt etwa 90.000 Euro.

Das ist vergleichsweise wenig.

Ja, aber wir haben die Kampagne auch nicht wirklich gemacht, um darüber Geld einzusammeln, sondern vielmehr um mediale Aufmerksamkeit für unser Produkt zu erreichen. Und das hat funktioniert, nicht nur in den USA, sondern weltweit. Über die Kickstarter-Kampagne haben wir die ersten Kontakte zu Abnehmern geknüpft. Ursprünglich wollten wir über Kickstarter sogar lediglich 40.000 Euro einnehmen. Aber das Interesse war so groß, dass wir am Ende mehr als doppelt so viel Geld bekommen haben als geplant. Damit haben wir dann unter anderem die ersten Sohlen für den Endkunden produziert und einen Markttest gemacht.

Haben Sie auch einen größeren Investor?

Bisher nicht. Es gibt aber inzwischen viele Kandidaten, die bei uns investieren wollen. Und weil wir kräftig expandieren wollen, werden wir vielleicht auch Investoren an Bord holen. Aber wir können es auch ohne. Mit unserem Start-up Glagla international verkaufen wir ja auch andere Produkte.

 

5. Der Risiko-Check: Was kann schiefgehen?

 

Haben Sie nicht Angst, dass billige Copycats die Sohle einfach nachbauen?

Wir sind mit einem bisher einzigartigen Konzept gestartet und rechnen damit, dass andere Unternehmen ein ähnliches Produkt entwickeln und produzieren könnten. Wir sind auch schon von großen Unternehmen angefragt worden, die unsere Sohle unter einer Eigenmarke produzieren wollen.

Habe Sie kein Patent angemeldet?

Doch, aber in der Footwear- und Elektronikindustrie sind Plagiate nicht unüblich. Aber im Moment mache ich mir darüber keine große Sorgen, denn wir werden technisch immer einen Schritt weiter sein als die Konkurrenz. Wir haben so viele Ideen und sind schon dabei, weitere Dinge zu entwickeln. Selbst wenn jemand eine Kopie unserer Sohle produziert, könnten wir sehr schnell ein neues Produkt auf den Markt bringen.

 

Das Start-up

Glagla International wurde 2009 von M. Karim Oumnia in Nancy (Frankreich) gegründet. Derzeit arbeiten etwa 14 Mitarbeiter für das Unternehmen, Ende des Jahres sollen es etwa 25 sein. Vor der Einlegesohle hat Glagla bereits einen luftdurchlässigen Schuh entwickelt. Oskar Mondrian ist Internationaler Verkaufsdirektor beim französischen Start-up.

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