Gründung Crowdfunding: Das Geheimnis einer erfolgreichen Kampagne

Kickstarter-CEO Yancey Strickler: Zum Start des deutschen Ablegers der Crowdfunding-Plattform kam der 36-Jährige zum Gespräch in die impulse-Redaktion in Berlin.

Kickstarter-CEO Yancey Strickler: Zum Start des deutschen Ablegers der Crowdfunding-Plattform kam der 36-Jährige zum Gespräch in die impulse-Redaktion in Berlin.© Kickstarter

Zum Deutschlandstart der Crowdfunding-Plattform Kickstarter erklärt CEO Yancey Strickler im impulse-Interview, was eine perfekte Kampagne ausmacht und welche deutschen Projekte er unterstützt.

Herr Strickler, am Dienstag ist Kickstarter in Deutschland gestartet. Wie war der erste Tag?

Es war ein erfolgreicher Start. Am ersten Tag wurden bereits 115 Projekte bei Kickstarter eingestellt und mehr als 500.000 Euro an Kapital eingesammelt. Vier Projekte sind bereits voll finanziert. 40 Prozent der Geldgeber waren Deutsche, 15 Prozent Amerikaner und 10 Prozent Österreicher und Briten. Der erste Tag hat gezeigt, dass es ein großes Interesse gibt.

Kickstarter wurde 2009 gegründet. Warum kommen Sie erst jetzt nach Deutschland?

Sind sechs Jahre so spät? Es hatte vor allem logistische Gründe. Deutschland ist der erste europäische Markt für uns. Die Website musste erstmals übersetzt werden, was nicht einfach war. Deutsche Videos können nun mit deutschen Untertiteln ausgestattet werden. Wir haben außerdem neue Zahlmethoden eingeführt: Nutzer, die Projekte mit Standort in Deutschland mit bis zu 250 Euro unterstützen, können jetzt auch per Lastschrift zahlen. Außerdem wollten wir ermöglichen, dass deutsche Projektinitiatoren auch von US-Bürgern unterstützt werden können. Bei Kickstarter machen sie 77 Prozent der Geldgeber aus.

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Welche Ziele hat Kickstarter in Deutschland?

Wir sind nicht so fixiert auf Ziele und Zahlen, die Mission des Unternehmens ist uns viel wichtiger: Die Plattform soll Menschen helfen, Filme zu drehen, Musik zu produzieren und Restaurants zu eröffnen. Aber natürlich würde ich mir wünschen, dass Kickstarter die beliebteste Plattform für Crowdfunding in Deutschland wird. Wir wollen wachsen und zugleich nützlich sein. Heute haben wir 120 Angestellte und sind seit fünf Jahren in den schwarzen Zahlen.

Was muss sich ändern, damit diese positive Entwicklung weitergeht?

Crowdfunding hat in den vergangenen Jahren an Legitimation und Respekt gewonnen. Große Projekte wie die Pebble Watch haben Crowdfunding sehr bekannt gemacht. Aber wir sind noch weit davon entfernt, wo wir sein könnten. Das Vertrauen in diese Art der Finanzierung muss noch weiter wachsen. Deswegen ist es uns wichtig, viele kleinere Projekte zu fördern, mit einem Budget von 10.000 Euro. Je mehr Menschen die Erfahrung machen, dass Crowdfunding nicht nur irgendein Internetding ist, sondern ein effizientes und mächtiges Finanzierungstool, das überall auf der Welt funktioniert, umso besser.

Was ist das Geheimnis einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne?

Das ist eigentlich ganz einfach. Als Erstes braucht man ein gutes Video – es muss nicht aufwendig produziert sein, eine Smartphone-Aufnahme reicht völlig. Hauptsache, man kann sich die Menschen hinter den Projekten vorstellen. Crowdfunding ist sehr emotional und natürlich müssen die Idee oder das Produkt auch interessant für die Community sein. Die Fragen, was man machen möchte und wie, sollten in dem Video beantwortet werden.

Und zweitens?

Zweitens braucht man eine Beschreibung, in der alle erdenklichen Detailinfos aufgeführt werden sollten. Drittens sollte man gut begründen können, warum anderen das Projekt wichtig sein sollte. Bevor es online geht, kann man eine Vorschau mit Freunden teilen. Ich glaube, es ist sehr wichtig, seine besten Freunde um ihre ehrliche Meinung zu fragen. Bei Kickstarter beantworten wir auch Fragen von Gründern und helfen ihnen, ihre Ideen zu strukturieren.

Auch gescheiterte Crowdfunding-Projekte bleiben auf Ihrer Website stehen. Kann das nicht zum Marketingrisiko für die Unternehmen werden?

Wir sind uns der Problematik bewusst und müssen einen Weg finden zwischen Transparenz für die Nutzer und Diskretion für die Beteiligten, deren Projekt nicht finanziert werden konnte. Kommt für eine Kampagne nicht das erforderliche Budget zusammen, nehmen wir sie aus dem Google-Index. Auch auf der Kickstarter-Website machen wir es schwieriger, das Projekt zu erreichen, es geht nur noch direkt über die URL. Für uns ist es aber gar nicht negativ, wenn Projekte nicht finanziert werden, denn es ist auch eine nützliche Information.

Wie meinen Sie das?

Eine Crowdfunding-Kampagne wird auch aufgesetzt, um zu sehen, ob es genug Interesse für das Thema gibt oder nicht. Und manchmal kann die Antwort auch Nein heißen. Dann sollte man es mit einer neuen Idee nochmal versuchen.

Sie haben selbst schon über 1400 Projekte unterstützt. Wie wählen aus, wo Sie Ihr Geld reinstecken?

Ich schaue jeden Tag eine halbe Stunde Projekte auf Kickstarter an. Über Facebook sehe ich, wer von meinen Freunden Projekte postet. Ich unterstütze sehr viele Filme und kleine Magazine, die nur von zwei oder drei Leuten produziert werden und meist sehr spezielle Themen haben. Darunter sind zum Beispiel das Modemagazin „Fashion Bomb“, das Magazin für Designer „The great discontent“ oder das Musikmagazin „Oxford American“. Ich klicke auch sehr gerne auf Videos und meistens entscheide ich nach dem Gesicht (lacht).

Sind auch deutsche Projekte dabei?

Von den neuen deutschen Projekten habe ich den Film „Notes of Berlin“ unterstützt und „Mito“, eine intelligente Alternative zum Wasserkocher. Das dritte Projekt ist von der Galerie Neurotita in Berlin, die eine spannende Ausstellung plant.

Welches Projekt ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Das Projekt von Emily Richmond, einer Künstlerin aus Los Angeles, die alleine um die Welt segeln wollte. 2010 konnte sie losreisen. Jedem, der sie unterstützte, wollte sie ein Bild von sich von der Reise schicken und einen Brief. Ein halbes Jahr später kam der Brief an, abgeschickt von einer Pazifikinsel. Ich habe das Polaroid und den Brief sogar eingerahmt bei mir zu Hause. Später habe ich sie auch kennengelernt. Sie ist die coolste Person, die ich kenne.

Gibt es ein Projekt, für das Sie selbst Geld über Kickstarter einsammeln wollen?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe schon drei Projekte gemacht. Darunter ein Buch und eine T-Shirt-Aktion. Weltweit gibt es 535 Menschen mit diesem T-Shirt und vergangenes Jahr habe ich in London auf der Straße ein Mädchen mit dem T-Shirt gesehen. Das war wunderbar. Jetzt plane ich eine Musikproduktion mit meinem Vater, der Musiker ist. Kürzlich haben wir gemeinsam mit meinem Bruder etwas aufgenommen. Aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mich wirklich traue, in der Öffentlichkeit zu singen.

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