Gründung Crowdtesting: Unbefangene Alltagstester

Setzen auf die Crowd: Die Testbirds-Gründer  Philipp Benkler, Markus Steinhauser und Georg 
Hansbauer (v.l.n.r.)

Setzen auf die Crowd: Die Testbirds-Gründer Philipp Benkler, Markus Steinhauser und Georg Hansbauer (v.l.n.r.)© Testbirds

Anbieter wie TestCloud, TestHub und Testbirds versprechen individuelle Qualitätssicherung von Online-Tools durch die Schwarmintelligenz der Crowd. Auch Startups wie Hitfox oder 10Stamps lassen ihre Software bereits von der Masse testen. impulse.de hat Philipp Benkler von Testbirds gefragt, was die Crowd leisten kann.

impulse: Beim Crowdfunding unterstützen User ein Unternehmen finanziell. Was genau machen sie beim Crowdtesting?

Philipp Benkler: Das Testing verfolgt wie Crowdfunding den Ansatz der Schwarmintelligenz. Beim Funding werden aus vielen kleinen Beträgen große Summen, beim Testing entwickeln wir aus den Berichten vieler Produkttester eine große Produktkritik. Unsere Tester nehmen Apps und Websites mit ihrem eigenen PC, Tablet oder Smartphone unter die Lupe und geben ihr Feedback schriftlich unterstützt durch Screenshots an die Experten. In der Regel testen 50 Leute auf diese Art ein Programm.

impulse: Wer testet denn da mein Produkt?

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Benkler: Wer das Produkt testen soll, legt der Kunde bei einem Briefing fest: Anhand soziodemografischer Eigenschaften und einem Kriterien-Katalog kann der Kunde individuell seine Wunschzielgruppe bestimmen. Durch die Profile unserer Mitglieder können wir dann beispielsweise alle unter 40-jährigen musikbegeisterten Akademiker, die in Baden-Württemberg wohnen und eine Vorliebe für Schlager haben, als Tester rekrutieren. Auf der Plattform sind aber auch Studenten, Hausfrauen, Angestellte und Experten mit Fachwissen registriert. Derzeit wächst unsere Community pro Woche um 200 Tester, darunter auch Tester aus den USA oder Italien.

impulse: Warum lieber die Crowd als eigene Tester?

Benkler: Die Vielfalt an Endgeräten wird immer größer und deshalb schwierig in Tests abzudecken. Eigenes Personal neigt zur Betriebsblindheit und kennt bereits die Logik der zu testenden Anwendung. Das ist bei Crowdtesting anders, denn die Crowd verfügt über nahezu alle gängigen Geräte- und Systemkombinationen und testet unvoreingenommen unter Alltagsbedingungen. Da prüft schon einmal jemand in der U-Bahn die App, während auf dem Handy andere Anwendungen nebenher laufen oder der Empfang schlecht ist. Crowdtesting-Portale motivieren zudem ihre Mitglieder mit Erfahrungspunkten und Wettbewerben und zahlen zum Teil auch ein Honorar.

impulse: Kann ich Crowdtesting auch als kleines Startup nutzen? Welches Budget muss ich einplanen?

Benkler: Viele unserer Angebote richten sich an mittlere und größere Unternehmen und kosten je nach Umfang mehrere tausend Euro. Gründer, die nicht so viel investieren können, haben die Möglichkeit, ihr Produkt im Einstiegstest vorzustellen. Den müssen bei uns alle User ablegen, um sich als regelmäßige Tester zu qualifizieren. So können auch Startups ihre Idee schon an vielen unterschiedlichen Usern erproben.

impulse: Und wie schnell sehe ich Ergebnisse?

Benkler: Wenn der Test läuft, sofort. Der Kunde kann alles in Echtzeit über einen Account mitverfolgen. So sieht er, wie viele Leute bereits getestet haben und welche Fehler auftreten. Ist der Test abgeschlossen, wertet ein erfahrener Projektmanager alle Berichte aus. Nach ein paar Tagen erhält der Kunde dann ein schriftliches Feedback über alle Testbedingungen sowie den Dingen, die bereits gut umgesetzt sind und Dingen, die verbessert werden sollten.

impulse: Sind meine, vielleicht noch geheimen, Ideen denn bei so vielen Testern sicher?

Benkler: Sicherheit ist beim Crowdtesting ein großes Thema, 90 Prozent der Testprodukte stecken noch ja noch in der Entwicklungsphase. Jeder Tester verpflichtet sich bei der Anmeldung zu Testbirds generell zur Verschwiegenheit, das Sicherheitslevel kann aber auf Kundenwunsch noch einmal verschärft werden. Bei hochsensiblen Prototypen darf sich der Tester zum Beispiel nur über eine gesicherte Verbindung auf dem Server einwählen. Der Kunde kann währenddessen quasi live überprüfen, welcher Tester sich wann und wie lange sein Produkt anschaut und bei Verdacht jederzeit die Serververbindung kappen.

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