Gründung Der Unkonventionelle: Regeln sind zum Brechen da

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Unternehmer Dominic Multerer

Unternehmer Dominic Multerer© Dominic Multerer

Eigene Firma, eigenes Buch, Lehrauftrag an einer Hochschule – Dominic Multerers Referenzen gleichen denen eines gestandenen Mittvierzigers mit Uniabschluss und jahrelanger Berufserfahrung. Der 22-Jährige hat keins von beidem – und sieht genau darin sein Erfolgsrezept.

Der erste Teil von Dominic Multerers Lebenslauf würde einen Berufsberater wohl zur Verzweiflung treiben. Auf der Hauptschule sitzengeblieben, nach der neunten Klasse abgegangen, Ausbildung zum Steuerfachangestellten abgebrochen – normalerweise denkbar schlechte Voraussetzungen, um ins Berufsleben zu starten. Der 22-Jährige sieht das völlig anders: „Es kommt darauf an, Dinge umzusetzen.“

Und das kann der junge Mann aus Koblenz-Urbach anscheinend gut. Immerhin zählen der Chemiekonzern Evonik und der Haushaltswarenhersteller WMF zu den Kunden seiner Firma Multerer Consulting. Der 22-jährige Chef berät sie in Sachen Marketing, entwickelt Werbestrategien. Ein Team aus 10 freien und festen Mitarbeitern kümmert sich um die praktische Umsetzung. Genau so wenig wie ein festes Büro gibt es bei Multerer Consulting jedoch fixe Arbeitszeiten. „Ich mach‘ das wie ich Bock hab“, sagt Multerer.

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Gar keinen Bock habe er auf Schule gehabt, erzählt Multerer. In der achten Klasse muss er nach 46 Fehltagen eine Ehrenrunde drehen. Er nutzt die Zeit lieber für Online-Gaming. Zunächst zockt er in sogenannten Ligen für elektronische Sportarten, beteiligt sich später an der Organisation. Dabei lernt er Sponsoren dieser Veranstaltungen kennen. Einer davon ist der dänische Hardware-Hersteller Steelseries. Und weil der 16-Jährige ideenreich ist in punkto Werbung, darf er bei Steelseries ein Praktikum machen. Die Schule hatte er zu dem Zeitpunkt – nach der 9. Klasse – bereits verlassen.

Unkonventioneller Lebenslauf

Als er nach dem Praktikum eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten anfängt, fragen die Dänen an, ob er nicht Marketingleiter Deutschland für ihre neu gegründete Süßwarenfirma Fukapo werden möchte. „Die wollten einen Zocker“, sagt Multerer. Schließlich ging es um die Vermarktung eines koffeinhaltigen Kaugummis, das vor allem junge Computerspieler munter halten soll. Er nimmt das Angebot an und hat von nun an zwei Jobs: Tagsüber absolviert er seine Ausbildung, in den Mittagspausen und nach Feierabend kümmert er sich um das Marketing.

Das Handelsblatt wird auf ihn aufmerksam, bezeichnet ihn als „Deutschlands vermutlich jüngsten Marketingchef“. Multerer glaubt, dass ihm das viele Türen geöffnet hat. „Die Leute wollten mit mir reden, wollten wissen, warum ich das mache, obwohl ich so jung bin.“ Er – der fortan seine Jugend zu seinem Markenzeichen macht – wird für Vorträge gebucht, bekommt Kontakt zu Unternehmern und Geschäftsführern. Multerer beschließt, ganz auf diese Karte zu setzen, kündigt beim Steuerberater, beginnt eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation und arbeitet am Aufbau seiner Firma.

Seine Philosophie ist so unkonventionell wie sein Lebenslauf. Multerers Credo: „Marken müssen Regeln brechen“ und „Alles kann zur Marke werden“. Zum Image des blonden Koblenzers gehören selbst bei Vorträgen Jeans, T-Shirt und Sneakers. „Ich will authentisch sein“, sagt er. Dazu gehöre auch, dass er Klartext rede. „Ich sage ganz deutlich: Das ist gut, schlecht, geil, scheiße. Du musst polarisieren.“

„Regeln brechen kann er wirklich gut“

Stefan Quary erinnert sich noch genau daran, als er zum ersten Mal einen Vortrag von Dominic Multerer mitbekam. „Das war sehr erfrischend“, findet der Vorstandsvorsitzende der Autohandelsgruppe Dürkop. Quary engagiert Multerer, obwohl sein Unternehmen eine eigene Marketingabteilung hat. „Wir hatten fixierte Strukturen im Kopf“, so der Dürkop-Vorstand. „Die hat Dominic geknackt. Regeln brechen kann er wirklich gut.“ Der 22-Jährige beginnt mit einer Bestandsaufnahme, will herausfinden, wie Dürkop wahrgenommen wird. „Wir haben Befragungen gemacht unter den Mitarbeitern, den Kunden in einem Autohaus und an einer nahegelegenen Tankstelle“, erzählt Quary. Das Ergebnis: Die meisten sehen die Firma vor allem als Opel-Händler.

Das soll sich ändern. Nicht der Hersteller soll im Vordergrund stehen – zumal Dürkop neben Opel weitere Marken wie Kia, Chevrolet und Ford im Angebot hat – sondern das eigene Unternehmen. „Das hat Dominic in eine Botschaft gefasst“, sagt Stefan Quary. Die lautet: „Dein Auto, unser Herzschlag“. Mit diesem Slogan wirbt die Dürkop-Gruppe von nun an, druckt ihn auf Schilder, Plakate und sogar auf die Kleidung der Mitarbeiter. Quary ist überzeugt vom Erfolg dieser Entwicklung, baut auf die weitere Zusammenarbeit mit Multerer. „Dominic sprüht vor Kreativität“, sagt er. „.Manche Ideen sind zu radikal, aber er bringt Leute zum Brennen.“

Seine Ideen weitergeben will Multerer auch bei seinen Gastvorträgen und als Dozent an der European Management School in Mainz. Im vergangenen Jahr ist sein erstes Buch zum Thema Marketing erschienen. Wichtig für die Reputation, findet der 22-Jährige, vor allem, weil der Wow-Effekt mit zunehmendem Alter nachlasse. „Ich will zeigen, dass da was hinter steckt.“

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