Gründung Deutsche Gründer – Unternehmer wider Willen

Wer ein eigenes Unternehmen gründet, braucht Ideen und ein Konzept. Viele Deutsche fühlen sich laut einer Studie für die Selbstständigkeit nicht vorbereitet.

Wer ein eigenes Unternehmen gründet, braucht Ideen und ein Konzept. Viele Deutsche fühlen sich laut einer Studie für die Selbstständigkeit nicht vorbereitet.© fotolia, Reimer - Pixelvario

Nicht aus voller Überzeugung selbständig, sondern aus der Not heraus: Eine neue Studie zeigt, dass viele deutsche Gründer eine Festanstellung bevorzugen würden. Bei den europäischen Nachbarn sieht es ganz anders aus.

Eine zündende Idee, Durchhaltevermögen und Einsatz für das eigene Geschäftskonzept: Wer ein Unternehmen gründen möchte, sollte hinter seiner Idee stehen. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. In Deutschland werden viele Unternehmen aus Mangel an Alternativen gegründet. Dies zeigen die Daten des aktuellen Länderberichts des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) für 2014. Der GEM ist ein Forschungskonsortium zur Analyse von Gründungsaktivitäten, zu dem derzeit mehr als 30 Länder gehören.

Forscher unterscheiden zwischen Gründern, die sich aus klassischen Motiven wie Gewinnstreben, Selbstverwirklichung und Unabhängigkeitsstreben selbstständig machen und denjenigen, die eigentlich einen Job als Angestellter vorziehen würden. Sie gründen ein Unternehmen, weil sie keine passende Stelle finden.

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In Deutschland kommen demnach auf einen Gründer, der mangels Erwerbsalternativen zum Entrepreneur wird, 3,27 Gründer, die aufgrund einer Marktchance gründen. Die sogenannten Opportunity-Gründer, die wegen einer Marktchance gründen, sind in Deutschland noch in der Mehrzahl. Aber in anderen Ländern gibt es deutlich mehr überzeugte Gründer. In Frankreich kommen 5,1 Opportunity-Gründer auf einen „Necessity-Gründer“. In Schweden, Dänemark und Norwegen sind es zum Teil deutlich über zehn. In den USA sind es sogar über sechzig.

Grundsatzentscheidung: Selbstständigkeit oder Angestellten-Dasein?

Die Deutschen haben laut der GEM-Studie eine andere Einstellung zum Thema Selbstständigkeit und Unternehmertum. Während in vielen Ländern der Start eines eigenen Unternehmens als normal gelte, herrsche in Deutschland eine Mentalität zum Angestellten-Dasein. Daher werde häufig nur aus der Not heraus gegründet, wenn die Bewerbungen ins Leere laufen.

Gerade junge Menschen und insbesondere Frauen schrecken in Deutschland häufig vor einer Gründung zurück, zeigt eine Untersuchung des Europäischen Parlaments. 72 Prozent der Befragten zwischen 16 und 30 Jahren wollen danach kein eigenes Unternehmen gründen. Viele sehen sich aber auch nicht ausreichend für diesen Schritt vorbereitet: Laut Europäischer Kommission halten sich in Deutschland nur rund ein Drittel der Personen zwischen 15 und 64 Jahren durch ihre Ausbildung für befähigt, ein eigenes Unternehmen zu führen.

Infografik: Deutsche Gründer sind verhältnismäßig oft Gründer wider Willen | Statista

2 Kommentare
  • Joe 11. Mai 2015 09:41

    Ich gehöre auch zu den Gründern aus der Not. Mittlerweile würde ich aber schon aus Prinzip nie wieder Angestellter sein wollen, auch wenn Vieles einfacher wäre.

    Dass es mit der Selbständigkeit nicht so doll ist in Deutschland wusste ich schon, aber dass es so schlecht darum bestellt ist um Ländervergleich……….

    Die Gründe dafür liegen aber auf der Hand: a) Man muss schon vorher viel Einkommen haben, um diverse Versicherungen bezahlen zu können b.) es wird einem nicht vorgelebt, alle wollen Sicherheit. Aber für die Sicherheit mal etwas Einsatz zeigen, das wollen die Wenigsten. Natürlich will auch ein Gründer Sicherheit, aber dafür muss man eben etwas Aufwand betreiben.

  • Wieland Petzoldt 5. Mai 2015 09:20

    Genau so sieht es aus und deckt sich mit meiner Erfahrung als Architekt auf dem Bau.
    Warum sollen die Jungen ein Unternehmen gründen oder ein Unternehmen übernehmen (Stichwort Nachfolge der „Wendegründer“, zum Teil auch aus der Not heraus)?
    Die Jungen wachsen in einer Umgebung, auf die von Angestellten dominiert werden. Wo kommt im Leben der Kinder und Jugendlichen richtiges Unternehmertum vor? Bäcker-Kette, Supermarkt-Kette, Tischler? Dachdecker? Klempner etc. eher Fehlanzeige. Die Nachrichten werden vom mehr oder weniger erfolgreichen Arbeitskampf der Gewerkschaften dominiert und oder von abgehobenen Managern der DAX-Konzerne. Als Vater kommt man sich als Selbstständiger auf dem Elternabend der Kinder als Exot vor aber nicht, als jemand der ein paar Leuten Arbeit gibt, Verantwortung übernimmt und versucht sich gesellschaftlich einzubringen.
    Ihr Artikel gehört in jede regionale Tageszeitung auf die erste Seite.
    Aus Gründern wird Mittelstand!

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