Geschäftsideen Die Espressonisten: „Die Bank dachte bis zum Schluss, dass wir ein Bistro eröffnen“

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Patrick Großmann hat zusammen mit seiner Frau Delia das Unternehmen "Die Espressonisten" gegründet.

Patrick Großmann hat zusammen mit seiner Frau Delia das Unternehmen "Die Espressonisten" gegründet.© Urban Zintel

Die Espressonisten aus Potsdam wollten mit hochwertigem Kaffee und den passenden Maschinen Geld verdienen. Was wurde aus der Idee? impulse hat bei Gründer Patrick Großmann nachgehakt.

15 Jahre arbeitete Patrick Großmann als Journalist, bevor er Unternehmer wurde. Eines seiner letzten Interviews führte Großmann mit dem Triester Kaffeepatriarchen Andrea Illy. Danach war er endgültig einer Idee verfallen, der er schon lange anhing: Kaffee verkaufen. Mit seiner Frau Delia ließ er sich bei Illy schulen – und gründete 2009 „Die Espressonisten“. Das Ehepaar verkauft hochwertige Siebträgermaschinen und Mühlen – und natürlich auch Kaffee, den sie in einer kleinen Bar ausschenken. Zudem repariert das Sieben-Mitarbeiter-Unternehmen aus Potsdam Geräte in einer eigenen Werkstatt und gibt Schulungen für den Gastro- und Privatbedarf.

impulse: Als wir das erste Mal mit Ihnen gesprochen haben, sagten Sie noch: „Vor dem Businessplan stand ich zunächst wie der Ochs vorm Berg.“ Wie ist das heute?
Patrick Großmann: Einen Businessplan zu schreiben, wenn man noch nie in seinem Leben einen Businessplan geschrieben hat, ist eine merkwürdige Tätigkeit. Allein die Sprache ist mir als Journalist bis heute fremd.

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Beispiel?
Ein Wort, das einem alle fünf Minuten unterkommt, ist „darstellbar“. Was heißt das eigentlich? Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich verstanden hab, dass ich den Text so schreiben muss, dass ihn vor allem meine Bank versteht. Und für die muss nun einmal alles „darstellbar“ sein. Ein furchtbares Wort.

Wer hat Ihnen beim Dolmetschen geholfen?
Ein Sandkastenfreund, der Businesscoach ist, hat meine Frau und mich bei der Gründung stark unterstützt. So haben wir letztlich – nach einem vergeblichen Versuch – unser Startkapital, einen Kredit über 50.000 Euro, doch relativ rasch bekommen.

Woran war der erste Versuch gescheitert?
Die Bank, bei der wir zuerst waren, hatte einfach nicht verstanden, worum es ging. Die haben bis zum Schluss gedacht, dass wir ein Bistro eröffnen. Das war schon ziemlich frustrierend.

Was war besonders schwierig zu kommunizieren?
Wir verkaufen ja nicht nur Kaffee und Maschinen an Privat- und Geschäftskunden, wir schenken auch Kaffee aus und bieten Beratungen und Schulungen. Einen vergleichbaren Betrieb zu finden, an dem man sich im Businessplan orientieren konnte, war gar nicht so einfach – zumindest, wenn man eine kleine GmbH sucht. Wir haben sie dann doch gefunden – in Bayern.

Was konnten Sie von diesem Betrieb lernen?
Wir sind dort als Vorbereitung hingefahren, haben uns den Betrieb zeigen lassen und mit den Geschäftsführern über Zahlen gesprochen. Danach konnten wir unsere eigenen Hochrechnungen viel besser einschätzen und erklären. Das hat der Bank, glaube ich, ganz gut gefallen. Ich würde jedem Gründer raten, in der Startphase in Betriebe reinzuschauen, die der eigenen Idee ähneln. Umgekehrt würde ich heute anderen Gründern so eine Feldstudie bei uns ermöglichen – natürlich nur, wenn es keine direkten Konkurrenten hier aus der Region sind.

Es gibt „Die Espressonisten“ jetzt seit sechs Jahren. Wie hat sich das Geschäft über die Jahre verändert?
Am Anfang dachten wir, dass unser Hauptumsatz im Verkauf von Heimmaschinen an Privatleute liegen wird. Dass wir unser Geschäft auch der Gastronomie anbieten können, haben wir erst 2012 begriffen. Da gab es uns schon drei Jahre. Ich bin einfach viel zu sehr von mir selbst ausgegangen und dachte: B2B? Das klingt nicht nach uns.

Wer oder was hat Sie eines Besseren belehrt?
Ursprünglich hatten wir den B2B-Bereich an einen Partnerbetrieb in Berlin ausgelagert. Nach zwei, drei Jahren hatten wir unseren Partner bei den Umsätzen überholt. Da war uns klar, dass wir diesen Bereich selbst übernehmen müssen. Außerdem wird das Geschäft mit Heimmaschinen in Potsdam nicht ewig wachsen. Über kurz oder lang mussten wir uns also nach zusätzlichen Geschäftsfeldern umschauen. Heute machen wir etwa die Hälfte unseres Umsatzes mit B2B.

Ihre B2B-Kunden sprechen Sie sicher anders an als Endverbraucher. Wie haben Sie das gelernt?
Unser Standing bei Privatleuten hat uns enorm geholfen beim Kontakt mit Geschäftskunden. Da ging sehr viel über Mundpropaganda. Vertretertypen mit Köfferchen, die einem etwas verkaufen wollen, würden die meisten Gastronomen gleich wieder rauswerfen. Dafür ist unsere Branche zu cool.

Was ist für dieses Jahr noch geplant?
Wir werden uns vergrößern und einen zweiten Standort in Leipzig eröffnen. Zudem wird unser Markenauftritt einen Neuanstrich bekommen. Auf der Internetseite soll es dann auch einen redaktionellen Bereich geben – mit langen Interviews, die unsere Besucher beim Kaffee lesen können. Für mich geht es also wieder zurück zu meinen Wurzeln.

 

Steckbrief

Name, Alter: Patrick Großmann, 45

Firma: Die Espressonisten GmbH

Geschäftskonzept: Verkauf von Siebträgermaschinen und hochwertigem Kaffee

Gründungsdatum:04.07.2009

Standort: Potsdam

Erster Businessplan:2009

Erstmals in impulse: Gründerzeit 1/2010

 

Plan und Realität

Damals: Umsatzerwartung: 300.000 Euro, Mitarbeiter: 0, Büro- und Lagerfläche: 75 m², Urlaubstage: 0, Auto: Lancia Lybra, Bj. 2002

Heute:Umsatz: 1,3 Mio. Euro, Mitarbeiter: 7, Büro- und Lagerfläche: 350 m², Urlaubstage: 30, Auto: Volvo XC90, Bj. 2015

 

impulse-Magazin Juli 2015Ein Thema aus der impulse-Ausgabe 07/15.

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