Gründung Lencke Steiner bei „Die Höhle der Löwen“: „Dafür schlägt mein Unternehmerherz!“

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Die fünf Unternehmer und Investoren: Vural Öger, Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Steiner und Jochen Schweizer (v.l.n.r.).

Die fünf Unternehmer und Investoren: Vural Öger, Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Steiner und Jochen Schweizer (v.l.n.r.). © VOX/Frank W. Hempel

Warum Lencke Steiner trotz Anfeindungen wieder als Investorin in der Gründershow "Die Höhle der Löwen" dabei ist - und was sie damit erreichen will.

Die zweite Staffel der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ ist gestartet. Für mich war sofort klar, dass ich als Investorin in diesem Jahr wieder mit dabei bin. Die Facebook-Kommentare aus dem Vorjahr nehme ich sportlich. Zwischendurch war das alles nicht so schön, da bin ich ehrlich, gerade weil ich so etwas zuvor persönlich nicht gekannt habe. Zwischenzeitlich weiß ich aber: Das Netz ist groß und anonym, da lassen sich viele aus und jeden Schuh muss man sich ja auch nicht anziehen. Gerade, weil es um etwas so viel Wichtigeres und Spannenderes geht: frische Unternehmer für unser Land, die mit neuen Ideen wirklich etwas bewegen wollen.

Dafür schlägt mein Unternehmerherz. Da will ich wieder mitmischen und auch mit meiner Kompetenz und meinem Netzwerk Start-ups persönlich unter die Arme greifen.

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Denn, mal ehrlich: Deutschland ist in Sachen Gründungen noch ein Entwicklungsland. Berlin ist zwar hip, aber in anderen Landstrichen sieht es in Sachen Start-ups ziemlich mau aus. Man spürt, dass an vielen Stellen neue kleine Firmen entstehen und es eine Aufbruchsstimmung gibt. Und doch: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Vollerwerbsgründungen halbiert. Überhaupt liegen die Existenzgründungen aktuell auf dem niedrigsten Stand seit der deutschen Wiedervereinigung.

Die Start-up-Szene und die Politik

Das hat natürlich Gründe. Und zwar nicht nur, dass die allgemeine Wirtschaftslage gerade so gut ist, dass weniger Leute ins eigene Risiko gehen müssen. Viele hemmt vor allem die ausufernde Bürokratie und der schwierige Zugang zu Finanzierungen.

Beim Gründungsthema redet die Regierung ja gerne vollmundig mit, aber Fakt ist, dass sie das Riesenpotenzial der Szene ungenutzt lässt. In diesem Sommer floppte erst Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel beim Bürokratieabbau für Gründer und Start-ups. Dann legte Wolfgang Schäuble mit seinem „Anti-Angel-Gesetz“ nach, mit dem er die Gewinne von Business Angeln besteuern will. Damit greift er genau denen in die Tasche, die eine neue Gründerwelle überhaupt möglich machen. Sie stellen bei etwa einem Drittel aller deutschen Gründer das Startkapital. Können ihre Firmenanteile später nicht mehr wie bislang nahezu steuerfrei verkauft und reinvestiert werden, könnte über die Hälfte dieser Finanzierungen wegbrechen. Wo Politiker tiefenentspannt schlafen oder immer neue Hürden setzen, statt zu beseitigen, werden wir Unternehmer in der TV-Show ein Stück weit selbst aktiv, um dem Unternehmernachwuchs auf die Sprünge zu helfen.

Aber auch als Vorsitzende des Wirtschaftsverbands Die Jungen Unternehmer setze ich mich mit ganzer Kraft für Gründer ein. Das heißt konkret, dass sich unser Verband für einen Bürokratie-Schutzschild in den ersten drei Unternehmensjahren stark macht. Statt viele Stunden jede Woche für Papierkram vertun zu müssen, sollten Gründer und junge Unternehmer mehr Zeit haben, um ihr Geschäft aufbauen zu können. Außerdem fordern wir einen besseren Zugang zu Risikokapital.

Die private Finanzierung von Geschäftsideen steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen – auch deshalb, weil sie wirtschaftlich zu unattraktiv ist. Finanzstarke institutionelle Investoren, die bislang nicht in Start-ups investieren dürfen, könnten eine Lösung sein. Wir wollen, dass Versicherungen und Pensionsfonds künftig bis zu zwei Prozent ihres Kapitals in neue Unternehmen stecken dürfen. Statt wie Wolfgang Schäuble die Gründerszene beim zentralen Thema Finanzierung massiv zu verärgern, sollte die Politik endlich den Zugang zu neuen Geldquellen ebnen.

Insbesondere die Aussicht auf ein effektives Investment macht „Die Höhle der Löwen“ ja für die Gründer – neben all der Publicity – so interessant. Das gilt natürlich auch umgekehrt für uns Löwen, wenn wir einen guten Deal wittern.

Wann mir als Löwin der Mund wässrig wird und ich zuschnappen möchte:

1. Realistische Ziele
Ich gehe da vielleicht ein bisschen anders an die Sache ran als meine vier Kollegen im Investorensessel. Ich bin Familienunternehmerin und weiß daher, wie lange es teilweise dauert, wichtige Unternehmenswerte erst einmal zu schaffen und auf die nächste Generation zu übertragen.

Diese Brille habe ich bei den Pitches natürlich immer mit auf. Wenn also jemand vor mir steht und aus dem Stand schwindelerregende Summen verlangt, ist das für jemand aus der Start-up-Szene völlig normal, mein Fokus ist aber ein anderer.

2. Nachhaltigkeit und Entwicklungspotenzial
Ich bewerte Produkte und Ideen danach, ob sie nachhaltig und langlebig sind. Das heißt dann zum Beispiel auch, dass sie in der Digitalisierung noch Entwicklungspotenziale haben müssen. Ich möchte zudem in ökologisch vertretbare Produkte investieren, die eine echte Lösung bieten und im Idealfall auch einen gesellschaftlichen Sinn haben.

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an diesen „Plöpper“ aus der ersten Staffel. Das war ein Mechanismus, um Bierflaschen zu öffnen, den man aber durchaus auch als Schusswaffe missbrauchen konnte. Bei so was bin ich generell sofort raus. Das hat für mich absolut nichts mit dem Gründungsgedanken und Unternehmertum zu tun. Ganz zu schweigen von dem Müll, der so „just for fun“ produziert wird.

3. Marktchancen und Vorbereitung
Ich entwickele in den ersten Minuten schon ein Gespür dafür, ob der Pitch mein Interesse weckt oder nicht. Da ist zunächst der erste Eindruck: Wer steht da vor mir, wie präsentiert sie oder er sich, ist derjenige mit ganzem Herzen dabei und brennt er oder sie für die eigene Idee? Gefällt mir das Produkt? Wie aussichtsreich ist es am Markt?

Und ganz wichtig: Wie gut ist die Gründerin oder der Gründer vorbereitet? Gibt es einen überzeugenden Businessplan und auch eine realistische Vision, wohin sich das Unternehmen in den kommenden Jahren entwickeln soll?

4. Sympathie und Vertrauen
Natürlich muss auch menschlich die Chemie stimmen. Schließlich gehört bei einem Deal nicht nur Geld dazu, sondern auch gegenseitige Sympathie und Vertrauen in den anderen. Unterm Strich: Es muss sich lohnen, aber es muss mir auch Spaß machen, mich mit meinen Kontakten und Erfahrungen persönlich einzubringen. Da geht man schon einen ganz schönen Weg zusammen.

Bei Crispywallet in der ersten Staffel hatte ich dieses gute Gefühl. Den Deal haben Frank Thelen und ich gemeinsam abgeschlossen. Hier habe ich zunächst 50.000 Euro investiert und dann nochmals nachgeschossen. Mittlerweile bieten die Jungs, die mit ihrer Unternehmung während des Studiums angefangen haben, nicht nur Portemonnaies, sondern auch Hüllen für Tablets und E-Reader aus robustem Recyclingmaterial an.

Auch in der zweiten Staffel sind jetzt wieder viele kreative Köpfe und spannende Konzepte mit dabei. Ich will noch nicht verraten, wie oft ich eingestiegen bin, aber ich kann definitiv sagen: Um das Potenzial der Gründerszene in Deutschland muss man sich keine Gedanken machen. Es gibt viele tolle Leute mit unglaublichen Ideen. Was wir jetzt dringend brauchen, sind einerseits bessere Bedingungen, damit wir aus mutigen Menschen mit marktreifen Produkten noch viel mehr rausholen können für unsere Wirtschaft. Und zweitens, nicht minder wichtig: Wir brauchen ein tatsächliches und ehrliches Gründerklima. Das Silicon Valley lässt sich nicht einfach abgucken, sondern muss gelebt werden.

Scheitern und ohne Stigma wieder Aufzustehen, gehört genauso dazu, wie ein Schulfach Wirtschaft, das Schülern bereits Lust auf Unternehmertum macht. Kurzum: Gründen muss in Deutschland wieder angesagt sein, denn Gründer sind eine Frischzellenkur für unser Land.

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2 Kommentare
  • Denise Auerswald 19. September 2015 21:54

    Ein toller Beitrag.
    Die Sendung DHDL inhaliere ich förmlich, obwohl ich sonst nichts mit Fernsehen am Hut habe 😉
    Man kann sehr viel von den Löwen lernen und vor allem schaut man realistischer statt optimistischer auf sein eigenes Unternehmen.

    Ich finde Start-Ups mit kreativen Ideen sehr spannend. Gern soll Deutschland mehr davon haben, denn genau diese Menschen schaffen Werte, lösen Probleme und revolutionieren.

    Beste Grüße

    Denise

  • Name Holger Dädlow 26. August 2015 10:32

    Die Gedanken von Frau Steiner kann ich nur unterstützen…im sicheren Schützengraben (Politik + Verwaltung) entwickelt sich nicht im mindesten das Gefühl für Unternehmertum. Ich habe da in den letzen 30 Jahren die aberwitzigsten Erfahrungen gemacht.
    Schön das es Unternehmerinnen wie Frau Steiner gibt. Mit einem freundlichen Ahoi von der Küste
    Holger Dädlow

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