• Die Suche nach dem Gründer-Gen

    Wie stark beeinflussen die Gene wirtschaftlichen Erfolg bei Menschen? Dieser Frage ging ein internationales Forscherteam in einer aktuellen Studie nach.

     

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    Gibt es ein Gründer- oder Manager-Gen wirklich oder ist es nur eine vielzitierte Floskel? Die Antwort auf diese Frage lautet ja und nein. Heute gilt es als erwiesen, dass ein Zusammenspiel aus verschiedenen Genen bestimmte Charaktereigenschaften bedingt, dass aber Sozialisation und Umwelteinflüsse ebenfalls großen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung haben. Die Forschung steht hierbei jedoch noch am Anfang und glaubt man den Aussagen von Forschern einer internationalen Studie, wird die Zahl der Arbeiten zum Thema Genökonomie, in den nächsten Jahren rapide zunehmen.

    Genoeconomics (Genökonomie) ist ein sehr junges Feld der immer noch boomenden Genetikforschung. Die Fragen, die sich aus diesem Forschungszweig ableiten lassen und deren mögliche Ergebnisse, bergen einige Brisanz. Wie stark beeinflussen die Gene wirtschaftlichen Erfolg bei Menschen? Dieser Frage ging ein internationales Forscherteam in einer aktuellen Studie nach, die in der PNAS, der Fachzeitschrift der Akademie der Wissenschaften der USA, im Mai 2012, veröffentlicht wurde. Mit neuen Methoden und einer Datenbank von über 1.000.000 Probanden soll bewiesen werden, dass ökonomischer Erfolg oder Misserfolg viel stärker genetisch bedingt ist als bisher angenommen.

    Niedrige Probandenzahl von weniger als 3000 Personen

    Die Anfänge dieses Forschungszweiges finden sich bereits im 19.Jahrhundert. Im Jahre 1869 veröffentlichte der britische Naturforscher Frances Galton, ein Cousin von Charles Darwin, eine erste empirische Studie zur menschlichen Verhaltensgenetik. Sein Ziel war es zu beweisen, dass natürliche Fähigkeiten des Menschen genauso vererbt werden können, wie körperliche Eigenschaften. Auch wenn seine Thesen nachweislich übertrieben waren, kann Galtons Forschung als Vorläufer der heutigen genökonomischen Forschung angesehen werden.

    Durch die Entschlüsselung der DNA sind in den letzten Jahren unzählige Studien erschienen, die den Zusammenhang zwischen Genen und menschlichem Verhalten beweisen sollen. So glaubten Forscher im Jahre 2010 bei Probanden mit einer signifikanten Mutation im Erbgut ein gesteigertes Risiko- und Schuldenpotential entdeckt zu haben. Abschließend bewiesen werden konnte dies jedoch nicht. Das Hauptproblem vieler dieser Studien war bisher die niedrige Probandenzahl von weniger als 3000 Personen. Diese soll sich nun anhand größerer Datenbanken und weiterentwickelter Forschungsmethoden ändern.

    Viele Forscher bleiben jedoch skeptisch. So auch Jon Beckwith, einer der Gründerväter der modernen Gentechnik, in einem Interview „Spiegel Online“ aus dem Jahr 2010. Eines der größten Probleme sei die Replizierbarkeit dieser aktuellen Studien. Die Strahlkraft von Meldungen über vermeintlich neue bahnbrechende Ergebnisse würden die späteren Dementi überlagern. Beckwith, der 1969, 100 Jahre nach Dalton, das erste Gen aus einem Bakterium isoliert hatte, sieht große Gefahren in der ausufernden Genforschung. Insbesondere ein genetischer Determinismus und eine Überschätzung des genetischen Einflusses können die Folge sein.

    Gefahren des Missbrauchs gegeben

    Phillip Koellinger, Mitverfasser der Studie aus der PNAS, sieht im Gegensatz zu Beckwith große Vorteile in der genökonomischen Forschung, wie er kürzlich dem „Handelsblatt“ sagte. So müsste man sich zukünftig nicht mehr auf die ehrliche Beantwortung von Interviews in Einstellungsverfahren verlassen. „Stattdessen könnten wir dann auf genetische Informationen zurückgreifen, die uns auf diese Eigenschaften schließen lassen und so genauere Ergebnisse erzielen.“

    Aufgrund der unsicheren Forschungsergebnisse sind die Gefahren des Missbrauchs und der Fehlinterpretation unweigerlich gegeben, sollte sich herausstellen, dass allein bestimmte Genkombinationen für unternehmerischen Erfolg verantwortlich sein könnten.
    So gilt Frances Galton heute als der Begründer der Eugenik, jenes Forschungszweiges mit dem unter anderem die nationalsozialistische Rassenhygiene gerechtfertigt wurde.

    • Quelle: impulse
    • Copyright: impulse

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