Gründung Businessplan: Diese Programme helfen Gründern

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Ondrej Kovar erstellte den Businessplan für sein Restaurant Stüffel mithilfe einer Software binnen zwei Wochen.

Ondrej Kovar erstellte den Businessplan für sein Restaurant Stüffel mithilfe einer Software binnen zwei Wochen.© Dennis Williamson für impulse

Software-Programme helfen Gründern, schnell und einfach einen Businessplan zu schreiben und die eigene Geschäftsidee zu überprüfen. Doch welche Programme sind empfehlenswert?

An den Herbst 2011 denkt Ariane Reinhard mit gemischten Gefühlen zurück: Klar, da war diese Euphorie des Neuanfangs. Nach 30 Jahren als Angestellte wollte die heute 56-Jährige ihr Hobby zum Beruf machen und eine Segelschule eröffnen. Und sie wollte staatliche Fördermittel nutzen – genauer: den Gründungszuschuss der örtlichen Arbeitsagentur in Holzkirchen bei München. Die Kapitalspritze aber, das wusste Reinhard, würde sie nur bekommen, wenn sie einen professionellen Businessplan vorlegen kann.

Die Gründerin besorgte sich eine interaktive Vorlage auf der Website Gruendungszuschuss.de und legte los. Das Programm führte sie mit zahlreichen Fragen durch die vorgegebenen Kapitel des Businessplans. „Das Ding hat mich richtig gequält“, erinnert sie sich. „Mir war vorher nicht klar, an wie viele Sachen ich denken muss.“ Wie könnte sie ihre Dienstleistung im Detail kalkulieren? Pauschal pro Törn? Oder pro Stunde? Wie viele Kundinnen sollte sie einplanen – im ersten Monat, im zweiten und dritten? Wie viel Geld würde sie für Werbung einplanen? „Ich musste ständig neue Annahmen treffen“, sagt Reinhard. „Und immer wieder recherchieren, ob auch realistisch ist, was ich mir da vorstelle.“

„Mit einem guten Businessplan kann der Gründer seine Ideen strukturieren“, sagt Tim Decker, Gründerberater bei der Hamburger Sparkasse (Haspa). Erforderlich ist, klar, ein Geschäftskonzept, zudem eine Kalkulation und Finanzprognosen. Wer Banker oder Investoren überzeugen muss, hat ohne Plan ohnehin keine Chance. Und für alle anderen ist es eine Möglichkeit, die Erfolgsaussichten der Geschäftsidee zu prüfen.

Große Bandbreite von Businessplan-Programmen

Mit einem guten Businessplan-Programm lässt sich viel Arbeit sparen. Die Bandbreite der Software-Helfer reicht von ausgefeilten Vorlagen für Tabellenkalkulationen, die teils ausschließlich der Finanzplanung dienen, über Programme mit grafischer Benutzeroberfläche, die den Anwender mit Fragen durch das Vorhaben leiten, bis hin zu Programmen, die am Ende sogar Formulierungsvorschläge ausspucken.

Von fertigen Textbausteinen raten Experten jedoch ab. „Eigene Formulierungen sind viel überzeugender“, sagt etwa Haspa-Gründerberater Decker. Derlei lässt Gründer nicht gut aussehen: Erstens drängt sich der Eindruck auf, dass das Vorhaben ein Schnellschuss ist. Zweitens können Gründer mitunter kritische Fragen zum eigenen Plan kaum beantworten, wenn sie sich auf einen Textgenerator verlassen haben.

impulse hat deshalb zusammen mit Marktbeobachtern Angebote ausgesucht, die Gründer selbstständiges Formulieren abfordern.

In die reinen Vorlagen tragen Gründer nach und nach alle Informationen zu ihrem Vorhaben ein: wie bei Bplan, 2003 entwickelt von Andreas Lutz, Gründerberater und Autor mehrerer Ratgeber. Sein Angebot, das er gegen eine Schutzgebühr vertreibt, besteht aus einem Excel-Dokument. Als Ausfüllhilfe gibt es lediglich eine kurze PDF-Bedienungsanleitung. Lutz ist von Excel überzeugt: „Es ist eine gute technische Basis, weil Gründer die Vorlagen an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen können.“ Lutz glaubt ohnehin daran, dass das Schreiben und Rechnen des Businessplans ein Lernprozess ist. „Die Software soll ihnen nicht das Denken abnehmen.“

Per Fragen und Klick zum Ziel

Tobias Kollmann, Geschäftsführer des Gründerfinanziers Netstart in Köln, ist noch strenger: Für den Business Angel, der vor allem Online-Start-ups finanziert, sind selbst Excel-Vorlagen nur erlaubt, damit Gründer daran ihre Idee schärfen, Lücken im Geschäftsmodell identifizieren und lernen, wie eine Finanzplanung funktioniert. „Schreiben sollen die den Business- und Finanzplan am Ende bitte selbst“, fordert Kollmann. „Wenn sie schon daran scheitern – wie sollen sie später erst die Firma beherrschen?“

Die meisten Anfänger dürften allerdings bereits von den nackten Musterdokumenten überfordert sein. Die Segelschulgründerin Ariane Reinhard etwa, die Törns für Frauen und Online-Theorie-Kurse anbietet, hatte mit ihrem elektronischen Helfer zu kämpfen. Obwohl sie sich zusätzlich von einem Gründerberater helfen ließ, brauchte sie 15 Versionen, bis das Excel-Dokument keine Lücken mehr hatte und auch Reinhard zufrieden war.

Dabei ist die Gründerin vom Fach: Als gelernte Datenverarbeitungskauffrau sind ihr Tabellenkalkulationen vertraut. Vor ihrer Selbstständigkeit hatte sie bei Siemens in kaufmännischen Prozessen mitgearbeitet. „Letztlich war die Mühe aber heilsam“, sagt die Gründerin rückblickend. „So musste ich mir wirklich über jedes Detail genauestens klar werden.“ Die Arbeitsagentur winkte das Vorhaben ohne Rückfragen durch.

Nachteile der Ausfüllhelfer

Businessplan-Programme mit Ausfüllhilfe versprechen, dem Gründer wenigstens einen Teil der Mühe abzunehmen. So ist das zum Beispiel bei dem Programm Miniplan, das es bei vielen Sparkassen kostenlos zum Download gibt. Nutzer klicken sich durch Eingabefelder, die dazugehörige Tabellenkalkulation baut sich im Hintergrund von selbst auf. Miniplan ist eine Entwicklung der Hamburger Beratungsfirma Evers & Jung und ist wie Andreas Lutz’ BPlan in den vergangenen zehn Jahren immer wieder aktualisiert worden.

Inzwischen ist der Nachfolger „Smart Business Plan“ fertig, der sogar noch einfacher handhabbar sein soll: Das Programm führt den Nutzer mit gezielten Fragen durch die Planung. An der Stelle, an der es um den Markt für ein Produkt geht, will die Software zum Beispiel wissen: Kannst du mindestens fünf Kunden nennen? „Mit Smart Business Plan richten wir uns an Gründer, die noch im Beruf sind, die wenig Zeit haben, und bei denen sich das Geschäft schnell tragen muss“, wirbt Florian Kirchner, bei Evers & Jung für Smart Business Plan zuständig.

Der Nachteil der Ausfüllhelfer: Je komfortabler die Benutzerführung, desto schwieriger wird es, komplexe Geschäftsmodelle oder Spezialfälle abzudecken. Smart Business Plan etwa fragt: Wann stellst du jemanden ein? Zu welchem Bruttolohn? Dann rechnet das Programm das Gehalt aufs Arbeitgeber-Brutto hoch und plant die Lohnzahlung automatisch jeden Monat ein. Bei den Lohnnebenkosten aber schlägt die Software pauschal einen Mittelwert vor. „Sie konzentriert sich auf die wichtigsten Aspekte“, sagt Berater Kirchner. Man erhalte aber sehr schnell einen „80-Prozent-Entwurf“.

Warum Excel-Tabellen etwas für Fortgeschrittene sind

Einfache Excel-Vorlagen sind dagegen oft unübersichtlich und schwierig auszufüllen, sagt Carsten Rudolph, Organisator des Münchener Businessplan Wettbewerbs. Er schaut sich jedes Jahr bis zu 400 Businesspläne an, und er kennt die Stärken und Schwächen der Tools. Aus Rudolphs Sicht sind die simplen Excel-Daten etwas für Fortgeschrittene: „Viele Gründer arbeiten sich mehr an diesen Vorlagen ab, als sich ums Geschäft zu kümmern.“ Zudem sei das Risiko falscher Eingaben groß.

Ob komfortabel oder simpel: Nicht alle Vorlagen passen zu jedem Gründer. Beispiel Umsatzsteuer: Je nach Ware oder Dienstleistung werden 7 oder 19 Prozent Umsatzsteuer aufgeschlagen. Das Programm sollte mit dem korrekten Satz arbeiten, oder auch mit beiden, falls nötig. Vor dem detaillierten Ausfüllen der Vorlagen ist es daher wichtig, dass Gründer sich die Tools genau anschauen. Und: Es sollte auch dem Geldgeber gefallen. Manche Kreditinstitute bieten Gründern kostenlos eigene Vorlagen oder Probeversionen kommerzieller Programme an. Bei vielen Sparkassen sind das Miniplan und demnächst Smart Business Plan.

Beide Programme hat Evers & Jung gemeinsam mit den Gründerfinanziers der Sparkassen entwickelt. Und so stellen die Tools Planungen genauso dar, dass die Kreditprüfer der Sparkassen wichtige Informationen schneller finden. Zum Beispiel sind die Planzahlen in Kalenderjahren aufgeführt. Und bei den Kosten für Lebenshaltung und den privaten Pkw schlagen die Tools die Erfahrungswerte der Sparkassen vor.

Ondrej Kovar: „Ohne die Software hätte ich sicher länger gebraucht“

Der Hamburger Gründer Ondrej Kovar hat ebenfalls eine Software für seinen Businessplan benutzt. Mitte 2014 verhandelte er mit dem Tennisclub SV Bergstedt, der ihm sein Vereinslokal verpachten wollte. „Die Zusage kam dann sehr kurzfristig, ich hatte nur zwei Wochen Zeit“, erinnert sich Kovar. Er brauchte einen Kredit über 92.000 Euro für Geschirr, Möbel und die Anlauffinanzierung. Über die Hamburger Sparkasse kam er auf Smart Business Plan. „Ohne die Software hätte ich sicher länger gebraucht“, sagt Kovar, der vorher als angestellter Sommelier gearbeitet hatte.

Den ersten Entwurf, den das Tool ausgab, legte er seinem Steuerberater vor, und der hatte noch Einiges zu meckern: „Ich hatte zu wenig finanziellen Puffer eingeplant“, erinnert sich Kovar. Auch manche Abschreibung stimmte nicht. Nach dem Feinschliff durch den Profi aber bekam Kovar seinen Kredit – und betreibt nun das Restaurant Stüffel auf dem Vereinsgelände im Nordosten Hamburgs. Trotz der kleinen Fehler ist Kovar froh, dass er sich nicht allein an das Thema Businessplan gewagt hat. „Ohne das Tool hätte ich in der Zeit nicht mal eine Erstfassung hingekriegt.“

 

impulse-Magazin Oktober 2014Einen kompakten Überblick über die verschiedenen Businessplan-Programme und deren Kosten finden Sie in der impulse-Ausgabe 11/14.

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2 Kommentare
  • Name Deutscher Gründerverband e.V. 1. Februar 2015 11:38

    Die Erstellung eines Businessplanes soll dazu zwingen, die Geschäftsidee intensiv zu prüfen und systematisch ein Gründungskonzept zu entwickeln. Nur so können Stärken und Schwächen offengelegt werden. Dazu braucht es professioneller Unterstützung eines kompetenten Beraters, denn der Gründer muss und kann kein Alleskönner sein. Er besitzt seine Kernkompetenzen und muss sich auf Spezialisten verlassen können. Uns ist ein Gründer lieber, der präzise seine Kunden kennt, zuverlässige Lieferantenbeziehungen besitzt und die relevanten Wettbewerber identifizieren kann, als jemand, der sich über diverse Informationsveranstaltungen und Fachlektüre mühselig beigebracht hat, was investitionsähnliche Betriebsmittel sind. Dies sollen Berater und Kundenbetreuer der Bank wissen.

    Der Gründer hat folgende Alternativen:

    • Wenn er den Businessplan aus Kostengründen selbst erstellen muss oder aufgrund eigenen Know hows will und über verfügbare Leitfragen, Textvorlagen und ein attraktives Layout seine Geschäftsidee präsentieren will, sollte er sich nicht wundern, wenn sein Businessplan keinen Zuspruch erfährt oder aber der Schritt in die Selbstständigkeit sich über Monate hinzieht.
    Die Sichtung eines Businessplanes kann durch die strukturierten Vorlagen sicher leichter werden. Aber wenn diese Vorlagen doch die Komplexität des Gründungsprozesses derart senken sollten, weshalb lehnen die Banken immer noch mehr als 70% der eingereichten Businesspläne ab? Man kann nur vermuten: Form gut, Inhalt unzureichend.

    • Wenn der Gründer den Businessplan als wichtigstes Strategie- und Handlungskonzept ansieht, hat er die Kosten für eine kompetente Beratung (Fördermöglichkeiten) eingeplant, wie die Geschäftsausstattung oder notwendige Renovierungskosten auch. Dann wird er mit einem erfahrenen Berater ein aussagefähiges Geschäftskonzept erstellen und entsprechend die Kapitalgeber überzeugen.

    Beim Deutschen Gründerverband erleben wir immer wieder, dass Gründer (und auch Berater) viel zu oft die Relevanz des Businessplanes unterschätzen oder sich dabei überschätzen (s. KfW Economic Research Nr. 66, 30.12.2014). Gründer verzichten fahrlässig auf einen professionell erstellten Geschäftsplan oder arbeiten sehr zeitintensiv an der Erstellung eines Businessplanes, der den inhaltlichen Anforderungen nicht gerecht wird. Beides führt zu inakzeptablen Verzögerungen.

    Eine Geschäftsidee ist wichtig, die systemische Konzeption und Bewertung machen den Erfolg erst planbar.

    Deshalb unser Rat: Besser Gründung verwerfen, als einen gut aussehenden, aber perspektivlosen Businessplan umsetzen wollen – ob in Excel oder einem anderen Format.

  • Geomarketing 30. Januar 2015 10:59

    Vergessen Sie im Businessplan nicht die Standortanalyse!

    Sie schreiben „Mit Softwareprogrammen können Gründer schnell und einfach die eigene Geschäftsidee überprüfen und einen Businessplan schreiben.“
    Was aber ist mit der Überprüfung des bevorzugten Standortes der Neugründung?

    Neben der allgemeinen Businessplansoftware gibt es auch noch Softwarelösungen für solchen Detailaufgaben im Gründungsprozess.

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