Gründung Erfolgreiche Start-up-Idee: Wie zwei Hamburger kleinen Onlinehändlern die Arbeit erleichtern

Wollen kleinen Online-Händlern den Paketversand erleichtern: Stefan Hollmann und Claus Fahlbusch, Gründer von Shipcloud

Wollen kleinen Online-Händlern den Paketversand erleichtern: Stefan Hollmann und Claus Fahlbusch, Gründer von Shipcloud© shipcloud

Oft sind es technische Hürden, die den Versand mit UPS, DHL und Co. für kleine Onlinehändler zur Qual machen. Zwei Gründer aus Hamburg haben dafür eine Lösung entwickelt - und damit nicht nur 1400 Kunden überzeugt, sondern auch die Jury des Businessplan-Wettbewerbs GründerGeist.

Viele Start-ups werden beim Bier geboren, Stefan Hollmann und Claus Fahlbusch hatten die zündende Idee beim Frühstück. Anfang 2013, die beiden hatten gerade einen kleinen Onlinehandel für Uhren eröffnet, saßen sie zusammen und ärgerten sich darüber, dass die großen Logistikanbieter es ihnen so schwer machten: Wer nur wenige Pakete pro Monat verschickt, bekommt bei DHL & Co. weder Geschäftskundenrabatte, noch sollte man auf Hilfe hoffen, die nötige Schnittstellen-Software in den eigenen Shop zu integrieren. „Die Schnittstellenbeschreibung von UPS ist zum Beispiel 483 Seiten lang“, erinnert sich Claus Fahlbusch. „Für jeden zusätzlichen Service gibt es dann noch einmal eine gesonderte Beschreibung. Es ist einfach sehr komplex.“

Aus dem Ärger wurde eine Idee und aus der Idee das Start-up Shipcloud, das seither nicht nur 1400 Kunden gewonnen hat, sondern auch den diesjährigen Businessplan-Wettbewerb GründerGeist. Zum sechsten Mal wurde der Preis der Hamburger Wirtschaftsjunioren am Montag vergeben. „Uns hat überzeugt, dass die Gründer von Anfang an ein überzeugendes Monetarisierungskonzept vorgelegt haben“, sagte Alexander Hartmann, Jurymitglied und Rechtsanwalt in der Kanzlei BRL.

Anzeige

Erheblicher Aufwand für kleine Onlinehändler

Shipcloud wendet sich an kleine und mittlere Onlinehändler und will deren Wettbewerbsfähigkeit verbessern. „Nehmen wir an, ich starte einen Onlinehandel für Wollmützen“, erklärt Ivonne Sokoll, Business Developerin des Start-ups, „dann mache ich anfangs alles selbst: Verpacken, Versandetiketten per Hand beschriften oder manuell auf der Seite des Paketdienstes eingeben, Versandsticker aufkleben und das ganze zur Post bringen.“ Sobald das Geschäft wächst, funktioniert das aber nicht mehr – und dann wird es schwierig.

„Große E-Commerce-Händler haben spezielle Versandkonditionen bei Hermes oder DHL, die ein kleiner Händler nicht bekommt“, sagt Sokoll. Zumal der Aufwand, den der Onlinehändler selbst erbringen muss, erheblich ist. „Es müssen nicht nur sämtliche Schnittstellen in den eigenen Shop integriert werden. Jeder Logistiker hat auch unterschiedliche Labelgrößen und Prozesse.“ Das Problem erschien den Gründern so offensichtlich, dass sie dachten, darauf müsse sich doch ein Geschäft aufbauen lassen.

Ihren Online-Shop für Uhren führen Claus Fahlbusch und Stefan Hohlmann zwar weiter, aber Shipcloud hat sich längst als deutlich größere Chance erwiesen. Zusammen mit einem Entwicklerteam programmierte das Duo eine Schnittstelle, mit der alle gängigen Versanddienstleister von Fed-Ex über DHL bis UPS gleichzeitig in einen Online-Shop integriert werden können. Umfang der Schnittstellenbeschreibung: 12 Seiten.

Start-up soll europaweit wachsen

Auch kleine Onlinehändler können so Same-Day-Delivery, also die Lieferung am selben Tag anbieten und es ihren Kunden überlassen, ob sie ihr Paket mit DHL verschicken oder doch lieber mit Hermes, deren Paketshop vielleicht direkt um die Ecke liegt. „Das fanden wir besonders spannend“, sagt Jurymitglied Alexander Hartmann. Der Kunde kann sich den Anbieter aussuchen, dessen Service ihm am besten gefällt. „Das ist eine neue Dimension des Wettbewerbs unter den Versandhändlern, die es bislang so nicht gab.“

Geld verdient Shipcloud mit zwei Strategien. Zu einem bezahlen die Onlinehändler einen Abo-Preis. Zum anderen handelt das Start-up mit DHL & Co. Großkundenrabatte aus. „Kleine Online-Händler, die normalerweise keine Rabatte erhalten, kommen so etwas näher an die Amazonpreise heran“, erklärt Juror Alexander Hartmann. „Aber Shipcloud gibt die Rabatte natürlich nicht vollständig weiter.“ Der sich verändernde Handel gibt dem Start-up zusätzlich Rückenwind. Immer mehr kleine stationäre Händler versuchen, wegbrechende Umsätze mit Online-Shops auszugleichen.

„Wir könnten mit 2000 Kunden profitabel arbeiten“, sagt Gründer Claus Fahlbusch. „Aber unser Ziel ist natürlich ein anderes.“ Shipcloud will in Europa weiter wachsen, erst in Österreich und der Schweiz, später vielleicht in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg oder Großbritannien. Ein Business-Angel und etwas Venture Capital unterstützen das Wachstum. Es scheint, als könnten es die Gründer derzeit selbst nicht glauben, wie gut es für sie läuft. „Dass unsere Frühstücks-Idee vorher noch niemand hatte“, sagt Claus Fahlbusch, „einfach irre!“

2 Kommentare
  • Fritzi Fritz 13. Februar 2015 13:52

    Nach allem, was man so im Netz findet, war Shipcloud eher da:

    Domain Name: GOSHIPPO.COM
    Creation Date: 21-sep-2013
    (internic.net)

    Domain Name: shipcloud.io
    First Registered: 2013-03-25
    (nic.io)

  • Hansi Hans 11. Februar 2015 12:20

    https://goshippo.com/ macht das glaube ich schon ein bisschen länger 😉

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.