Gründung „Es gibt keinen Grund, das Thema Geld hinauszuzögern“

20 Millionen US-Dollar Kapital für ein deutsches Start-up - das kommt nicht häufig vor: Das Berliner Unternehmen Outfittery hat in der vergangenen Woche mit dem Spotify-Investor Northzone Capital einen potenten Geldgeber an Land gezogen. Julia Bösch ist eine der Outfittery-Gründerinnen und verrät im impulse-Interview, wie man Investoren am besten anspricht.

Frau Bösch, wie haben Sie erfahren, dass Northzone Capital so viel Geld in Outfittery investieren will?

Julia Bösch: Das kam für uns nicht überraschend, weil wir Northzone selbst ausgewählt haben. Es gab eine Vielzahl von Investoren, aber Northzone passt am besten zu uns. So eine Investitionssumme ist das Ergebnis von langen Gesprächen und Verhandlungen. Als Gründer sollte man einen potentiellen Investor eingängig prüfen und sicher sein, dass man den richtigen Partner wählt. Schließlich ist eine Investition mit einer Ehe zu vergleichen. Northzone Capital haben wir schon vor etwa zwei Jahren kennengelernt. Damals waren wir für so eine Summe noch zu klein. Unser Geschäftsmodell hat den Investoren aber von Beginn an gefallen. Wir sind deshalb in Kontakt geblieben, haben uns beispielsweise immer wieder auf Konferenzen getroffen und sie über die Entwicklung unseres Geschäfts auf dem Laufenden gehalten. Und jetzt ist der Zeitpunkt da, an dem wir gut zueinander passen.

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Welche Rolle spielt das Netzwerken, wenn man als Unternehmer auf Investorensuche ist?

Ich würde sagen: Ohne Netzwerken kein Investor. Wir sind anfangs auf ganz viele Events gegangen, um möglichst viele Leute kennen zu lernen. Hier in Berlin gibt es dazu ja praktisch jeden Abend mehrere Gelegenheiten. Inzwischen sind wir gut vernetzt und haben die Zahl der Events, die wir besuchen, stark zurückgefahren. Ein ganz wichtiger Termin für die Investorensuche ist für uns als Online-Unternehmen zum Beispiel noch immer die NOAH Conference, auf der sich hauptsächlich Internet-Unternehmer und Investoren treffen. In diesem Jahr findet die Konferenz im Juni in Berlin und im November in London statt.

Wie lernen Sie die Investoren denn auf so einer Konferenz konkret kennen? Gehen Sie einfach auf die Leute zu?

Nein, das würde ich eher nicht machen. Bisher haben uns immer Unternehmer oder Investoren, die wir schon kannten, einem neuen Investor vorgestellt. Das ist ja ein Teil des Netzwerksgedankens: Über jemanden, den man schon kennt und dem man vertraut, lernt man jemand Neues kennen. Dieses „einander vorgestellt werden“ schafft eine gute Grundlage für eine neue Beziehung.

Das ist Outfittery

Mit ihrem Start-up wollen die Gründerinnen Julia Bösch und Anna Alex personalisiertes Online-Shopping für Männer etablieren. Die Idee dahinter: Viele Männer haben keine Lust und keine Zeit, sich ihre Kleidung selbst in überfüllten Geschäften am Wochenende auszusuchen. Outfittery schickt ihnen je Bestellung drei komplette Outfits nach Hause. Zwei Wochen haben sie dann Zeit, die Sachen anzuprobieren und sich zu entscheiden. Was sie nicht behalten wollen, schicken sie zurück.

Damit die Sachen auch passen, legt jeder Kunde ein Profil mit seinen Größen und Fotos auf der Website an. Eine Stylistin fragt dann am Telefon ab, ob der Kunde sich beispielsweise auch für Kleidung in ausgefalleneren Farben interessiert.

Gegründet haben Bösch und Alex ihr Unternehmen 2012 in Berlin. Mittlerweile sind sie in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Belgien, Dänemark, Luxemburg und Schweden aktiv.

Über Geld reden viele Leute nicht gerne. Schon gar nicht, wenn man jemanden gerade erst kennengelernt hat. Machen Sie mit einem neuen Investor zum Warmwerden erst mal Smalltalk?

Nein, man kommt eigentlich direkt zur Sache. Das ist aber gar nicht unhöflich, schließlich wollen beide Seiten das Event nutzen, um mit möglichst vielen interessanten Partnern  zu sprechen. Und es ist ja auch klar, dass es ums Geld geht. Es gibt also keinen Grund, das Thema hinauszuzögern.

Es gibt hunderte potentielle Kapitalgeber. Woher wissen Sie, wen es sich lohnt anzusprechen?

Investoren konzentrieren sich auf Firmen in unterschiedlichen Phasen: Manche investieren gezielt in Gründer, andere warten ab, bis das Unternehmen eine gewisse Größe erreicht hat. Man lernt auf solchen Veranstaltungen relativ schnell, wer für das eigene Unternehmen der passende Investor sein könnte.

Kommen die Investoren auch auf Sie zu?

Anfangs war das natürlich noch nicht der Fall, da kannte uns ja niemand. Mittlerweile passiert das aber häufig. Das ist wichtig, damit man den besten Partner für sein Unternehmen auswählen kann.


Northzone Capital ist mit 20 Millionen US-Dollar bei Ihnen eingestiegen. Vor einem Jahr haben Sie 13 Millionen Euro vom US-Investor Highland Capital Partners bekommen. Was machen Sie mit dem ganzen Geld?

Wir sind momentan in acht europäischen Märkten aktiv und wollen in weitere Länder expandieren. Wir investieren das Geld zum Beispiel in Marketing und neue Mitarbeiter.

Legen Sie das Thema Investorensuche jetzt ad acta oder steht das immer auf der Tagesordnung?

Wir konzentrieren uns jetzt darauf, weiter zu wachsen und möglichst viele Männer, und gerne auch Investoren, von unserem Shopping-Service zu begeistern.

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