Gründung Eterni.me: Start-up verspricht virtuelles Leben nach dem Tod

eterni.me-Gründer Marius Ursache.

eterni.me-Gründer Marius Ursache.

Ein Leben danach im Netz – was virtuelle Friedhöfe schon anbieten, will ein Start-up aus den USA auf die Spitze treiben: Durch eterni.me sollen Hinterbliebene mit ihren Liebsten chatten können. Eine künstliche Intelligenz aus den Daten des Verstorbenen soll möglichst authentische Unterhaltungen simulieren. Gründer Marius Ursache erklärt impulse das Konzept.

impulse: Woher kam die Idee zu eterni.me?

Marius Ursache: Wir sind Fans von Science Fiction-Filmen und TV-Serien wie „The Final Cut“, aber auch „Superman“. Dort kommunizieren die Figuren ständig mit den Verstorbenen. Zudem ist künstliche Intelligenz ein großes Thema für uns. Mit ein paar grundlegenden Kenntnissen über Chat-Bots fingen wir dann an, zu basteln.

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Mit den Toten chatten – was schreibt man sich denn da?

Das Prinzip kennt man bereits von Webseiten wie Ikea, wo man mit einer virtuellen Kundenberaterin schreiben kann. So ähnlich kann man sich auch die Gespräche mit dem Avatar des Verstorbenen vorstellen. Die Kommunikation wird einem natürlichen Gespräch nahe kommen.

Woraus generiert sich der Avatar?

Der Avatar speist Informationen ein aus allen möglichen digitalen Kanälen, in denen der Liebste Spuren hinterlassen hat. Meldet man sich zu seinen Lebzeiten bei eterni.me an, wird man zunächst gefragt, welche seiner Quellen im Internet genutzt werden sollen: Sollen Facebook, Twitter, Emails, Fotos oder vielleicht sogar meine Google Glasses für meine Verbliebenen ausgelesen werden? Wir filtern und analysieren diese Daten dann, sodass sie zusammen eine Art Charakter ergeben. Am Ende steht dann ein Avatar, der so aussieht wie die Person und auch auf eine ähnliche Weise reagiert. Diese Technik wird in den nächsten 30 Jahren immer mehr ausreifen und unser Programm dazulernen.

Sie speisen sensible Daten ein. Wie verträgt sich das mit der Privatsphäre?

Der User meldet sich selbst zu seinen Lebzeiten an und entscheidet, welche Informationen er seinen Hinterbliebenen überlassen möchte. Damit erteilt er uns aktiv die Erlaubnis, die Daten seinen Angehörigen zu zeigen. Er entscheidet dann auch selbst, wem er die Zugangsdaten zu seinem Account überlässt.

Wie weit ist das Programm entwickelt?

Wir bauen derzeit den Prototyp, mit dem wir dann Kapital einsammeln wollen. Damit möchten wir ein Team in Boston aufbauen, möglichst nah an der Cambridge Universität, als beste Adresse für technologische Forschung und neue Kommunikationsformen. Wir planen, nächstes Jahr die komplett funktionsfähige Beta-Version fertig zu haben, sodass wir 2016 launchen können. User sollen sich dann kostenpflichtig anmelden können.

Im Prinzip machen Sie Profit aus Trauerfällen.

Nein, das wollen wir vermeiden. Wir möchten nicht, dass emotional labile Menschen, die gerade erst beginnen zu trauern eterni.me nutzen. Das hätte ungesunde Konsequenzen. Wir wollen nur hin und wieder an die Toten erinnern, aber da müssen die Nutzer schon über den Trauerprozess hinweg sein.

Welche Reaktionen hat die Idee ausgelöst?

Wir sind uns darüber im Klaren, wie viel Emotionen mit dem Thema Tod zusammenhängen. Es ist uns sehr wichtig, nicht missverstanden zu werden. Einige Leute schimpfen, wir würden nur banales Zeug von den Toten weitergeben. Es geht uns aber eher darum, den Enkelkindern des Nutzers ein genaueres Bild von ihrem Großvater zeigen zu können, wenn sie ihn nicht mehr richtig kennen lernen konnten. Wenn jemand skeptisch ist, nehmen wir das sehr ernst und fragen ihn, was wir machen können, damit er sich mit unserer Idee wohler fühlt.

Das Interview haben wir auf englisch geführt und anschließend übersetzt.

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