Gründer-Ratgeber EU-Fördermittel: So kommen Gründer an Geld

Fördert Europas Gründer:  Kumardev Chatterjee

Fördert Europas Gründer: Kumardev Chatterjee© EYIF

Für kleine Unternehmen gibt es bei der Europäischen Union viel Geld zu holen – nur wissen das die Wenigsten. Über EU-Fördermittel für Gründer spricht Kumardev Chatterjee vom European Young Innovators Forum.

impulse: Herr Chatterjee, oft scheitern Gründer daran, nicht genug Startkapital zu haben. Dabei gibt es eine Vielzahl an Fördertöpfen auf nationaler und EU-Ebene.

Kumardev Chatterjee: Ja, aber die Übersicht zu behalten, wer was beantragen kann, ist nicht leicht. Ein Dienstleister, der bei EU-Fördergeldern weiter hilft, ist EU StartUp Services. Start-ups können sich hier informieren, welche Programme für sie in Frage und wie sie an das Geld kommen. Da geht es vor allem um das 80 Milliarden Euro umfassende EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“. Für kleine und mittlere Unternehmen – dazu zählen insbesondere auch innovative und disruptive Start-ups – sind durch das KMU-Instrument explizit 2,8 Milliarden Euro vorgesehen. Mit diesen Fördergeldern können Gründer alles Mögliche finanzieren: von Markt- und Machbarkeitsstudien über die Markteinführung funktionierender Prototypen bis hin zur Internationalisierung. Die Summen reichen von 50.000 bis 2,5 Millionen Euro.

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Ist es oft nicht einfacher, einen Investor zu finden?

Manchmal ist das sicherlich so. Aber im Unterschied zu privatem Geld fließt die Förderung unter anderen Bedingungen – der Gründer muss keine Unternehmensanteile abgeben. Die EU hat daher keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Unternehmer. Selbst Sicherheiten wie bei einer Bank braucht es nicht. Auch für den Fall, dass der Gründer scheitert, bleibt er nicht auf einem Schuldenberg sitzen, weil er die Förderung nicht zurückzahlen muss. Um im Rahmen des KMU-Instruments erfolgreich zu sein, müssen insbesondere die Idee, der Antrag und der Businessplan überzeugen. Die Eignung des eigenen Start-ups für das Förderprogramm kann man online überprüfen.

Das von Ihnen geleitete European Young Innovators Forum erreicht nach eigenen Angaben 500.000 junge Gründer in Europa. Wie steht es um den Start-up-Nachwuchs?

Wir sind noch am Anfang, wenn es um die Entstehung eines europäischen Ökosystems für Gründer geht. Aber in immer mehr EU-Mitgliedsländern sehe ich viele Aktivitäten: Länder wie Spanien, Italien und Frankreich sind dabei, Programme aufzulegen, um Start-ups stärker zu fördern, als das bislang der Fall ist. Und Großbritannien und Deutschland haben mit London und Berlin die beiden größten digitalen Hubs des Kontinents. Bis 2020 wollen wir es schaffen, jedes Jahr 10.000 Start-ups zu gründen, die zusammen 250.000 neue Jobs schaffen.

Zumindest in Deutschland bleiben Gründer trotzdem eine exotische Minderheit, was ja auch eine Mentalitätsfrage ist. Was können Regierungsprogramme daran ändern?

(lacht.) Deutschland geht es sehr gut gerade. Wenn es viele Jobs gibt, ist es normal, dass weniger Leute sich in die als riskant wahrgenommene Selbständigkeit wagen. In Spanien und Griechenland sieht das gerade ganz anders aus, da ist die Sorge vor dem Scheitern noch das kleinste Problem. Aber im Ernst: Uns muss es darum gehen, Bedingungen zu schaffen, die das Gründen über alle Grenzen hinweg leichter machen.

Wie denn?

Die Regierungen der EU-Staaten, aber auch die EU selbst haben es in der Hand, den wirtschaftlichen Rahmen so zu gestalten, dass mehr Start-ups erfolgreich werden. Der Zugang zu Kapital ist dabei einer der wichtigsten Schritte; daran scheitern die meisten Firmengründungen. Sie dürfen nicht vergessen: Auch das Silicon Valley entstand anfangs mit Fördergeld öffentlicher Institutionen. Erst später hat sich die Dynamik verselbständigt und ist das finanzierungsstarke Ökosystem entstanden, wie wir es heute kennen.

Welche Rolle spielt dabei der angestrebte digitale Binnenmarkt?

Was für Menschen und Güter längst Alltag ist, müssen wir auch im Internet endlich schaffen: die alten Grenzen überwinden. Ausgerechnet in der digitalen Welt gibt es aber noch hohe Hürden. Im Onlinehandel etwa bestellt kaum jemand bei ausländischen Shops, weil die Regeln für die Anbieter viel zu kompliziert sind. Die wenigsten Unternehmen bieten ihre Produkte grenzüberschreitend an. Dabei könnte das für einen Wachstumsschub sorgen und Gründern viele neue Chancen eröffnen. Beim digitalen Binnenmarkt geht es deshalb darum, endlich die nationale Schranken für Online-Transaktionen zu beseitigen und die Regeln anzupassen, etwa bei den Steuern für international agierende Start-ups. Die kürzlich vorgestellte EU-Strategie geht diese Punkte an.

Kumardev Chatterjee leitet das European Young Innovators Forum (EYIF), ein unabhängiges Netzwerk europäischer Gründer. Das Programm Disrupt Europe Year 2015 soll Innovation und Unternehmertum in den EU-Mitgliedsländern voranbringen. In Seminaren können Gründer lernen, wie sie an EU-Geld kommen, zum Beispiel am 19. Juni in Berlin. Zudem findet in Brüssel vom 1. bis 3. Juli die Konferenz „Unconvention“ statt, auf der sich Gründer untereinander und mit Investoren vernetzen.

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