Gründung Cashtest, Folge 4: Die Kaffeemaschine als Notfallmelder

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Machen Kaffeemaschinen zu Lebensrettern: Die Gründer Thomas Frenken und Ralf Eckert.

Machen Kaffeemaschinen zu Lebensrettern: Die Gründer Thomas Frenken und Ralf Eckert. © Unternehmen

Welche Start-up-Idee hat wirklich Potenzial? Die Entwickler von Ambiact glauben eine Marktlücke in der Altenpflege gefunden zu haben: Ihr Strommesser soll Kaffeemaschinen und Fernseher zu Lebensrettern machen. Die Geschäftsidee im impulse-Cashtest.

1. Der Ideen-Check: Taugt das Modell?

Sie wollen mit einem Stromsensor verhindern, dass ein Notfall im Haushalt von älteren, alleinlebenden Menschen unbemerkt bleibt. Wie soll das gehen?

Thomas Frenken: In über 90 Prozent der Haushalte gibt es ein Elektrogerät, das man täglich verwendet. Unser Stromsensor wird zwischen Stecker und Steckdose platziert und registriert den Einschaltprozess. Bleibt zum Beispiel der Fernseher länger als 24 Stunden ungenutzt, geht automatisch ein Alarm in einer Hausnotrufzentrale los.

24 Stunden? Wenn man so lange mit Oberschenkelhalsbruch auf der Kellertreppe liegt, ist man doch schon halb verdurstet.

Man kann auch einstellen, dass der Alarm bereits nach zwölf Stunden einsetzt.

cashtest_logo_Folge04Und wenn ich einfach keine Lust habe, den Fernseher einzuschalten?

Man kann den Sensor an verschiedene Geräte anschließen. Fast täglich in Verwendung sind auch Wasserkocher, Mikrowelle oder Toaster. Grundsätzlich macht es Sinn, den Ambiact an mehr als ein Gerät anzuschließen.
2. Der Konkurrenz-Check: Gibt’s doch schon, oder?

Hausalarm-Vorrichtungen gibt es bereits. Warum ist Ihrer besser?

Es gibt Basisstationen, bei denen man aktiv einen Knopf drücken muss, um zu signalisieren: Mir geht’s gut. Häufig wird aber vergessen, diesen einzuschalten. Dadurch löst man im schlimmsten Fall eine unnötige Kettenreaktion aus: Bleibt ein Kontrollanruf unbeantwortet, müssen im Zweifel Schlüsseldienst, Rettungswagen und Feuerwehr ausrücken. Ein Vorteil ist also die passive Gebrauchsweise: Mit dem Ambiact muss man seine täglichen Gewohnheiten nicht verändern.
3. Der Sales-Check: Wer will das haben?

Wen wollen Sie erreichen?

Die Vorrichtung dient dazu, die Pflege zu erleichtern und kostspielige Fehlalarme zu verhindern. Bald wollen wir auch einen modifizierten Ambiact auf den Markt bringen, damit nicht nur Professionelle, sondern auch Freiwillige, also Verwandte oder Nachbarn, sich per SMS informieren lassen können, wenn ein Elektrogerät ungewöhnlich lange nicht verwendet wurde.

Wo wird der Ambiact bereits eingesetzt?

In Deutschland läuft das Ganze über uns im Direktvertrieb. In Österreich und der Schweiz unterstützt uns ein Großhändler. Weit über 500 Haushalte nutzen den Zwischenstecker bereits.

Der Ambiact wird zwar in Privathaushalten eingesetzt, um Sicherheit und Lebensqualität zu gewährleisten. Wir wenden uns in erster Linie aber nicht an Privatkunden, sondern an Betreiber von Hausnotrufzentralen, zum Beispiel an die Johanniter Unfallhilfe. Der Ambiact kostet als Einzelgerät 125 Euro.
4. Der Kapital-Check: Wer soll das bezahlen?


Wie viel Geld haben Sie bereits in Ihre Firma Oldntec gesteckt?

Wir hatten 25.000 Euro Startkapital. Dazu kamen noch das Exist-Gründerstipendium, Preisgelder und Förderprogramme über den Science4Life Venture Cup, sowie der Innovationspreis „Newcomer“ und ein IKT Innovativ-Preis zur Unternehmensgründung, wo wir 6000 Euro gewonnen haben. Wir haben aber auch einen Bankkredit aufgenommen. Für die Entwicklung der SMS-Version des ambiact, der sich an Privatpersonen richtet, suchen wir gerade nach einem Investor.
5. Der Risiko-Check: Was kann schiefgehen?

Welche Probleme stellen sich Ihnen?

Das größte Problem haben wir schon bewältigt: Denn technisch gesehen mussten wir uns auf den Stromfluss verschiedener Elektrogeräte einstellen. Eine LED-Lampe ist ein hochenergieeffizientes Gerät und braucht nur etwa 1,5 Watt Leistung. Ein Wasserkocher oder ein Toaster verbrauchen dagegen gut 2000 Watt. Misst ein Sensor nur auf Toaster-Niveau, entgeht ihm die Benutzung einer LED-Lampe. Der Ambiact aber erkennt den Stromunterschied zwischen Ein- und Ausschalten bei beiden.

Und wie funktioniert das?
Das ist unser Betriebsgeheimnis.

 

Die Gründer

Thomas Frenken hat Informatik studiert und in Ingenieurswissenschaften promoviert.
Ralf Eckert ist gelernter Industrieelektroniker und studierter Informatiker.

2 Kommentare
  • Heiko 27. April 2015 20:22
    • Nicole Basel 4. Mai 2015 08:44

      Hallo Heiko,

      zur Aufklärung: Am Ende des OFFIS-Projektes (2013) gab es einen Prototyp des Ambiact (entwickelt von Ralf Eckert). Danach haben Eckert und Frenken die Rechte an den Forschungsergebnissen erworben und die Firma Oldntec gegründet. 2014 haben sie dann aus dem Prototyp das eigentliche Produkt Ambiact gemacht.

      Beste Grüße, die Redaktion

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