Baltic Seaplane Warum Heiko Harms mit 59 zum Unternehmer wurde

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Heiko Harms (59) gründete eine Pilotenschule für Wasserflugzeuge.

Heiko Harms (59) gründete eine Pilotenschule für Wasserflugzeuge.© Henrik Lüders

Als Unternehmer ist Heiko Harms ein Spätstarter: Mit 59 Jahren gründete er eine Wasserflugzeugschule. Warum er das Risiko einging und was das Starten und Landen auf dem Wasser besonders macht.

impulse: Herr Harms, Sie haben eine Pilotenschule für Wasserflugzeuge gegründet. Kontrollieren Sie bei Ihren Schülern zuerst, ob sie das Seepferdchen-Abzeichen haben?

Heiko Harms: Nein, und einen Bootsführerschein brauchen meine Schüler auch nicht. Voraussetzung ist aber eine Pilotenlizenz. Was wir anbieten, ist die Zusatzausbildung für Starts und Landungen auf dem Wasser. Damit sind wir eine von nur zwei Wasserflug-Schulen in Deutschland. Wir sehen uns aber nicht als Konkurrenten, da die andere Schule an der Mosel liegt, während wir die Ostsee als Start- und Landebahn zu bieten haben.

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Was hat Sie mit 59 Jahren dazu bewogen, ein Unternehmen zu gründen?

Ich war erst Pilot bei der Marine, bin Starfighter und Tornados geflogen, später habe ich Ambulanzflieger und Privatjets gesteuert. Zuletzt war ich bei einem Unternehmen angestellt, das Wasserflüge anbot, doch der Inhaber machte die Firma zu. Da ich noch keine Lust auf Rente spüre, habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Das klingt fast, als seien Sie zufällig Unternehmer geworden.

Das Unternehmertum ist für mich die einzige Möglichkeit, weiter Wasserflugzeuge zu fliegen. Meine drei Mitgründer, die ebenfalls Piloten sind, und ich haben insgesamt 110.000 Euro investiert, um in Irland eine Wasser-Cessna zu kaufen. Neben dem Kaufpreis mussten wir auch Versicherung und Wartung für den Flieger aus Ersparnissen vorfinanzieren. Zu viert lässt sich das aber stemmen.

Ihre Zielgruppe scheint sehr überschaubar, warum gehen Sie das Risiko ein?

Ich glaube, das Risiko ist gering. Unsere Schüler kommen aus ganz Europa zu uns. Wir übernehmen teilweise den Kundenstamm unseres alten Arbeitgebers, da man die Wasserflug-Lizenz alle zwei Jahre erneuern muss. Ein Kurs dauert mit Theorie und neun Flugstunden drei bis vier Tage und kostet 3000 Euro. Außerdem bieten wir für Touristen auch normale Rundflüge an.

Wird das für Sie als Pilot nicht irgendwann auch langweilig?

Im Gegenteil, sonst hätte ich ja nicht gegründet! Ob Flensburger Förde oder dänische Südsee: Für Piloten ist das Starten und Landen auf dem Wasser ein Traum. Wenn Sie in einer Ostsee-Bucht runtergehen, ohne Anweisungen des Towers, ohne Radar, dann fühlen Sie die Freiheit des Fliegens noch, die woanders schon längst verloren gegangen ist.

 

Cover_impulse_11_15Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 11/15.

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