Cosinuss „Wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten“

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2011 hat Johannes Kreuz die Cosinuss GmbH gegründet. Das Unternehmen stellt Pulsmesser her, die man hinters Ohr klemmt.

2011 hat Johannes Kreuz die Cosinuss GmbH gegründet. Das Unternehmen stellt Pulsmesser her, die man hinters Ohr klemmt.© Tobias Gerber / impulse

Ein Pulsmesser, den man sich hinters Ohr klemmen kann: Mit seiner Erfindung Cosinuss wollte Johannes Kreuzer vor allem Jogger ansprechen. Was wurde aus der Idee? Ein Gespräch über Pannen, Trends und Pläne.

Viele Sportler haben beim Joggen gern ihre Körperwerte im Blick. Statt ums Handgelenk oder um die Brust klemmt man Johannes Kreuzers Pulsmesser Cosinuss hinters Ohr. Die Idee kam ihm während seiner Doktorarbeit, als er für Senioren Sensoren entwickelte, die Körperdaten messen und im Alltag möglichst wenig stören sollten.

impulse: Herr Kreuzer, tragbare Minicomputer, sogenannte Wearables, gelten als Megatrend. Wie umkämpft ist der Markt?

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Johannes Kreuzer: Als meine Frau und ich 2011 angefangen haben, wusste kaum jemand, was Wearables sind. Ständig mussten wir uns von Investoren fragen lassen, wer so etwas überhaupt brauche. Inzwischen haben wir genau das gegenteilige Problem. Nun heißt es: ‚Wearables? Das macht doch eh jeder!‘ Wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten.

Sie haben 2011 gegründet, erst vier Jahre später kam Ihr Produkt auf den Markt. Warum? 

Zuerst hat die Entwicklung länger gedauert als geplant, weil wir sehr viel Zeit für die Suche nach Geldgebern aufwenden mussten.

Wie haben Sie die lange Entwicklung finanziert?

Meine Frau und ich haben selbst rund 50.000 Euro in die Firma gesteckt. Zudem haben wir 1,3 Millionen Euro von Business-Angels erhalten, Forschungsmittel in Höhe von 200.000 Euro akquiriert und immer wieder Auftragsarbeiten im Bereich Sensorik für die Industrie erledigt.

Und wie lief die Produktion an?

Leider schwierig. Wir haben lange gesucht, bis wir einen passenden Hersteller in Tschechien gefunden haben, der zu vernünftigen Preisen gute Qualität liefert. Weihnachten 2015 ereilte uns gleich die erste Panne: Wir hatten 500 Pulsmesser bestellt, nur 40 kamen pünktlich an. Weil wir relativ kleine Mengen geordert hatten, wurde unser Auftrag hinten angestellt.

Wie haben Sie reagiert?

Das war schon ein Schock. Im Weihnachtsgeschäft darf so etwas nicht passieren. Wir haben beim Produzenten Druck gemacht, wurden aber immer wieder auf den nächsten Termin vertröstet. Das hat uns Umsätze und viel Vertrauen bei Kunden gekostet. Unser Geld zurückfordern konnten wir nicht, weil das vertraglich ausgeschlossen war. Das haben wir inzwischen angepasst. Letztlich sind wir dem Partner aber treu geblieben. Sonst hätten wir wieder von vorn anfangen müssen. Wir fertigen inzwischen jedoch nicht nur in Tschechien, sondern auch in Ungarn und Spanien.

Gab es auch etwas beim Gründen, das für Sie einfacher war als erwartet?

Eigentlich nicht (lacht). Es gab zwar nie richtig große Rückschläge, und das Geschäft entwickelt sich gut. Aber auch der Markteintritt war nicht einfach. Unser Pulsmesser misst genauso exakt wie ein Brustgurt und ist komfortabler zu tragen. Wir dachten, das überzeugt die Kunden von ganz allein. Wir vertreiben unser Produkt derzeit ausschließlich online, da unsere Produktionskosten noch recht hoch sind und wir im Fachhandel zu teuer wären. Die ersten Reaktionen in sozialen Netzwerken waren allerdings sehr skeptisch. Da kamen so Sachen wie ‚Funktioniert doch eh nicht‘. Das hat uns schon getroffen.

Wie gehen Sie mit solcher Kritik um?

Sachliche Kritik haben wir beantwortet, den Rest ignoriert. Mit der Zeit wird man resistenter. Und wir haben gemerkt, dass es gerade online sehr wichtig ist, ein Produkt genau zu erklären. Es dauert, bis Kunden neue Technologien kennen und akzeptieren.

Was sind Ihre Pläne für dieses Jahr? 

Seit diesem Jahr haben wir ein neues Produkt auf dem Markt: ein Fieberthermometer fürs Ohr, das dauerhaft getragen werden kann und bei zu hoher Temperatur Alarm schlägt. So müssen Eltern nachts nicht mehr aufstehen, um bei ihren kranken Kindern Fieber zu messen. Der Entwicklungsaufwand war gering, technologisch gibt es viele Überschneidungen zu Cosinuss. Aber wir können neue Kunden ansprechen und so weitere Umsätze generieren. Das hilft uns auch, den Pulsmesser weiterzuentwickeln.

Wo genau wollen Sie mit dem Pulsmesser hin?

Wir wollen die Produktionskosten senken, um bald an den Fachhandel herantreten zu können. Und wir arbeiten an einer neuen Variante, mit der man auch Musik hören und telefonieren kann. Unser Plan ist, Ende dieses Jahres schwarze Zahlen zu schreiben.

 

Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 04/2017

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