"Der blaue Bus" „Als Unternehmer muss man Durststrecken aushalten“

Teasy S. Hoffmann mit einer Miniaturversion seines Eventmobils "Der blaue Bus".

Teasy S. Hoffmann mit einer Miniaturversion seines Eventmobils "Der blaue Bus".© Sebastian Berger / impulse

Teasy S. Hoffmann und seine Frau bauten einen alten Omnibus zum Eventmobil um. Doch sie hatten die Probleme unterschätzt - mit Mechanikern, Bürokratie und Kunden. Was wurde aus ihrer Idee?

Fast wäre er auf dem Schrottplatz gelandet: ein riesiger blau-weißer Omnibus, 40 Jahre alt, Retro-Charme. Das aber wollten IT-Unternehmer Teasy S. Hoffmann und seine Frau nicht zulassen. Sie entschieden sich, den Bus zu kaufen und ihn zu einem mobilen Veranstaltungsraum umzubauen: mit Bar, 70er-Jahre-Tapete und Lounge-Möbeln. Privatpersonen, Firmen und öffentliche Einrichtungen in Süddeutschland können den Bus für ihre Feiern mieten.

impulse: Herr Hoffmann, Sie leiten eine EDV-Firma, Ihre Frau ist Architektin. Wieso haben Sie sich noch ein Bus-Start-up ans Bein gebunden?!

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Teasy S. Hoffmann: Der Bus ist etwas Besonderes: 40 Jahre Geschichte auf sechs Rädern. So ein Kleinod kann man nicht verschrotten lassen. Man muss es nutzen! Und wir wussten ja erst einmal auch nicht, was da auf uns zukommt (lacht).

Was genau haben Sie unterschätzt?

Die technischen Hürden zum Beispiel. Gleich im ersten Jahr hatten wir ein Motorproblem. Keine Werkstatt konnte es lösen. Wir haben Oldtimer-Spezialisten angefragt, aber die meisten sind auf Pkw ausgerichtet. Es hat Monate gedauert, bis wir Mechaniker gefunden haben, die sich auskannten und uns einen vernünftigen Preis anboten.

Das klingt nach Ärger. Konnten Sie danach durchstarten?

Jein. Unser Plan war zunächst, vor allem bei Firmenveranstaltungen vertreten zu sein. Also haben wir uns bei Eventagenturen im Kreis Stuttgart ­vorgestellt. Aber die hatten wenig Interesse an unserem Bus – obwohl unser Angebot zumindest in der Region Stuttgart einmalig ist.

Wie haben Sie weitergemacht?

Wir haben überlegt, den Bus als mobile Bar im öffentlichen Raum einzusetzen, zum Beispiel am Wochenende in der Stuttgarter Altstadt. Doch auch daraus ist nichts geworden: Die Bürokratie hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Inwiefern?

In Stuttgart dürfen Sie Imbissstände nur auf Privatgelände aufstellen. Zudem hätten wir eine Konzession für den Alkoholausschank gebraucht. Diese gilt aber immer nur für die Betriebsadresse. Eine Erlaubnis für unser Büro hätte uns aber wenig gebracht. Der Bus ist ja ständig unterwegs.

Und wie sind Sie doch noch zu Kundschaft gekommen?

Wir haben auf allen Kanälen Werbung gemacht: bei Facebook, bei Geschäftspartnern, auf Hochzeitsmessen. Inzwischen werden wir etwa dreimal pro Monat gebucht – vor allem von Privatpersonen, zum Beispiel auf Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern. Das ist genug, um die laufenden Kosten zu decken. Es darf aber gern noch mehr werden.

Sie sind also nach all den Startschwierigkeiten immer noch motiviert weiterzumachen?

Klar. Als Unternehmer muss man solche Durststrecken aushalten. Und es macht ja nach wie vor großen Spaß. Wir haben zum Glück keinen finanziellen Druck, weil wir den Bus damals auf eigene Rechnung gekauft haben. Dennoch muss ich klar sagen: Er ist eher ein Nebenverdienst zu unseren anderen Unternehmen. Davon allein könnten wir nicht leben.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Wir wollen unsere Zusammenarbeit mit öffentlichen Partnern intensivieren. Im vergangenen Jahr hatten wir zum Beispiel erstmals eine ganze Veranstaltungsreihe mit den „Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg“. Das werden wir dieses Jahr weiter ausbauen. Außerdem sprechen wir Firmen nun direkt an, ohne über die Eventagenturen zu gehen. Toll wäre, wenn der Bus in zwei bis drei Jahren so viel Gewinn abwirft, dass wir einen weiteren Mitarbeiter fest anstellen können.

 

impulse_Cover_05_2016Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 05/16.

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1 Kommentar
  • Thorsten Hanl 3. Juni 2016 10:28

    Wir sind seit über 25 Jahren in der Eventbranche tätig, haben selbst über ein Dutzend mobile Ausschankwagen,Bars etc.
    Das Problem mit umgebauten Bussen ist bekannt. Sie werden vom Gast nicht „angenommen“.Dies gilt ähnlich auch für z.B. fahrbare Verkaufstände als „Dosen“ z.B. für braune Limonade etc.
    Warum das so ist, kann ich nicht beantworten. Es muss in der menschlichen Psychologie liegen. Die Leute stellen sich gegenüber hin und sagen „wie schön!“. Kaufen tun sie woanders. Ich habe auf diese Art und Weise gut ein Dutzend Bus-Konzepte kommen und gehen sehen. Darüberhinaus nehmen die Dinger vielzuviel Platz weg. Wenn ich für den laufenden Meter Standfläche €1.500 zahlen muss, erreiche ich nur selten die nötige Produktivität bzw. geschweige denn mein return on Investment.

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