Gundara „Es gab einen Anschlag direkt gegenüber unserer Manufaktur“

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Für Gründerin Gunda Amoros war ihr Onlineshop Gundara eher ein soziales Projekt als eine profitorientierte Firma.

Für Gründerin Gunda Amoros war ihr Onlineshop Gundara eher ein soziales Projekt als eine profitorientierte Firma.© Anja Lehmann

Aus dem sozialen Projekt, Taschen aus Afghanistan zu importieren, wurde eine Firma: Gundara. Wie steht es heute um das Unternehmen? impulse hat nachgehakt.

Gunda Amat Amoros arbeitet als Entwicklungshelferin in Afghanistan, als sie 2006 eine Ledermanufaktur in Kabul entdeckt. Um deren Produkte in Europa bekannt zu machen, eröffnet sie 2009 mit ihrem Mann Jean den Onlineshop Gundara. Die Firma importiert fair produzierte Ledertaschen und vertreibt sie weltweit.


 

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impulse: Anders als die Firmen, die wir an dieser Stelle sonst vorstellen, haben Sie nie einen Businessplan geschrieben. Warum nicht?

Gunda Amat Amoros: Naja – das passiert wohl, wenn ein Geograf und eine Politologin gründen (lacht). Mal im Ernst: Wir haben Gundara als Nebenprojekt gestartet und die Taschen anfangs nur auf Bestellung nähen lassen. Für uns war es eher ein soziales Projekt – weniger eine profitorientierte Firma mit großer Strategie.

Dennoch haben Sie sich ein Umsatzziel gesteckt. Wann haben Sie es erreicht?

Etwa zwei Jahre nach der Gründung, als die ersten Medien über uns berichteten. Plötzlich musste unsere Wohnung als Lager herhalten. Kurz darauf sind wir mit unseren Taschen auch auf kleine ­Boutiquen zugegangen. Seit 2013 sind wir sogar offizieller Lieferant der Weltläden in Deutschland.

Wieso haben Sie sich für eine Expansion Ihres Nebenprojekts entschieden?

Das Geschäft lief gut, und je mehr wir bestellten, desto günstiger wurde der Import. So kam aber ein neues Problem auf. Wenn wir 20 identische Taschen wollten, lieferte unser Produzent nicht immer 20 Mal die gleiche Tasche. Mal stimmten die Farben nicht, mal war der Gurt zu lang oder ein Seitenfach fehlte.

Wie sind Sie mit dem Problem umgegangen?

Für die fehlerhaften Artikel haben wir nicht den vollen Preis gezahlt. Inzwischen ist die Qualität deutlich besser. Zudem haben wir nun auch einen Produzenten in Burkina Faso. So sind wir flexibler und entlasten die Manufaktur in Afghanistan.

Was war die größte Herausforderung für Ihr Unternehmen?

2009 gab es ein Selbstmordattentat direkt gegenüber der Kabuler Manufaktur. Glücklicherweise wurde niemand in dem Laden verletzt. Dennoch musste eine ganze Lieferung neu produziert werden. Es kam zu Verzögerungen von bis zu zwei ­Monaten. Wir erklärten unseren Kunden per Mail, was passiert war. Die meisten hatten Verständnis, manche stornierten ihre Bestellung aber auch.

Was ermutigt Sie weiterzumachen?

Unsere Kunden. Wir haben schon mehr als 1000 Taschen verschickt und beliefern Läden von Tallinn bis Texas. Seit 2014 schreiben wir schwarze Zahlen. Mein Mann arbeitet inzwischen sogar voll für Gundara. Ich bin weiterhin Teilzeitunternehmerin und arbeite hauptberuflich für das Entwicklungsministerium. Von unserer Firma allein können wir noch nicht leben.

Was steht als Nächstes an?

Seit September gibt es einen ersten Gundara-­Laden in Berlin-Kreuzberg – eine große Investition, über die wir lange nachgedacht haben, da wir uns nur aus laufenden Einnahmen und unserem Ersparten finanzieren. Zudem möchten wir bald einen Mitarbeiter mit E-Commerce-Erfahrung einstellen. Aber noch können wir uns das nicht leisten.

Steckbrief

Name, Alter: Gunda Amat Amoros, 37

Firma: Amat Amoros & Wiegmann GbR

Gründungsdatum: 29.05.2009

Standort: Berlin

Erster Businessplan: Es gab keinen

Erstmals in impulse: Gründerzeit 1/2011


Plan und Realität

DAMALS:

Umsatzerwartung (2011): 17.500 Euro

Mitarbeiter: 0

Büro- und Lagerfläche: 20 m²

Urlaubstage: 0

Auto/ Fahrrad: –

HEUTE:

Umsatz (2014): 48.000 Euro

Gewinn vor Steuern (2014): 7.000 Euro

Mitarbeiter: 0

Büro- und Lagerfläche: 40 m²

Urlaubstage: 20

Auto/ Fahrrad: VW Golf, Bj. 2006

Früher dachte ich, … Kaltakquise zu betreiben wäre peinlich.

Heute weiß ich, … dass es sich lohnt, sein Schamgefühl zu überwinden.

Wenn ich nicht Unternehmer geworden wäre, … würde ich mich für Flüchtlinge engagieren

impulse-Magazin Oktober 2015

Dieser Artikel stammt aus der impulse-Ausgabe 10/15.

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