Hierbeidir.com „Wir waren anfangs total euphorisch und naiv“

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Marvin Agena, Mitbegründer von Hierbeidir.com, zieht Bilanz: Was ist aus dem ersten Businessplan geworden?

Marvin Agena, Mitbegründer von Hierbeidir.com, zieht Bilanz: Was ist aus dem ersten Businessplan geworden?© Felix Gemein

Einzelhändler online zu bringen, diese Idee hatten Marvin Agena und seine Freunde. Wie steht es heute um das Unternehmen? impulse hat nachgehakt.

Noch zu Studienzeiten ärgerte sich Marvin Agena mit seinen Kommilitonen Philip Jurecz, Peer Lichtenberg, Philipp Bohne und Nam Vo über die Macht der großen Onlinehändler. 2013 gründeten die fünf Hierbeidir.com – ein Portal, das Einzelhändlern einen lokalen Web-Marktplatz bietet. Für jeden online verkauften Artikel zahlen die Ladeninhaber 10 Prozent Provision an das Start-up, dazu kommt eine monatliche Grundgebühr von 40 bis 150 Euro.

impulse: Was denken Sie heute, wenn Sie in Ihren ­ersten Businessplan schauen?

Marvin Agena: Wir haben uns vieles zu einfach vorgestellt, auch weil wir anfangs sehr positives Feedback bekamen: Als wir 2013 über unsere Geschäftsidee bloggten, rief sogar Rocket Internet bei uns an. Wir waren total euphorisch – und ziemlich naiv.

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Was waren die Schwierigkeiten?

Wir wollten zu viel auf einmal: eine tolle Webseite, sofort Kapital aufnehmen, groß werden. Aber viele Investoren haben uns damals noch nicht ernst genommen – ein ziemlicher Dämpfer. Wir haben dann beschlossen, uns zunächst auf den Vertrieb zu konzentrieren.

Und hat das geklappt?

Anfangs war es schwierig, die Händler von unserer Idee zu überzeugen. Unsere erste Strategie war, jeweils 20 Läden aus den 20 größten deutschen Städten zu gewinnen. Dabei wurde uns klar, dass wir effizienter arbeiten, wenn wir uns auf einen Standort konzentrieren. So haben wir uns erst mal Düsseldorf vorgenommen.

Wie sind Sie bei der Akquise vorgegangen?

Wir haben uns persönlich bei den Händlern vorge­stellt und unsere Idee bei Events der Wirtschafts­förderung präsentiert. Das hat viele Kontakte ­ge­bracht. Als wir erste namhafte Kunden wie Bang & Olufsen verkünden konnten, entstand ein Sogeffekt. Diesen „Zugpferden“ haben wir als Eröffnungsangebot die Grundgebühr erlassen. Bei anderen Städten gehen wir nun genauso vor – und wollen sie wie Düsseldorf schrittweise erschließen.

Wie finanzieren Sie Ihren Wachstumskurs?

Unsere drei Business-Angel haben 150.000 Euro investiert. Wir selbst haben noch mal 75.000 Euro in die Firma gesteckt. Wir haben einen engen ­Kontakt zu unseren Geldgebern. So konnten wir auch in schwierigen Zeiten auf sie zählen.

Ihren Break-even Mitte 2014 haben Sie verpasst. Wie lautet das neue Ziel?

Wir erwarten, dass wir Mitte des nächsten Jahres erstmals schwarze Zahlen schreiben. Dazu brauchen wir etwa 200 weitere Händler. Das können wir schaffen. In fünf Städten führen wir bereits konkrete Gespräche.

Was steht noch in den nächsten Monaten an?

Wir haben derzeit jeden Monat rund 80.000 Be­sucher auf unserer Seite, aber wir müssen diese Zahl weiter ausbauen, um profitabel zu werden. Dabei helfen uns auch Kooperationen – etwa mit Zeitungsverlagen: So können Einzelhänd­ler, die eine Printanzeige schalten, ihre Produkte gegen ei­nen geringen Aufpreis auch bei uns präsentieren und verkaufen. In der Anzeige wird dann auch auf den Onlineshop verwiesen. Man muss nicht alles allein schaffen – auch das haben wir gelernt.

cover-11-15Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 12/15.

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