Hüttenpalast „Ich wusste nicht, wie ein Businessplan aussieht“

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Seit der Gründung 2011 hat Silke Lorenzen den Umsatz ihres Wohnwagen-Hotels auf 446.000 Euro steigern können.

Seit der Gründung 2011 hat Silke Lorenzen den Umsatz ihres Wohnwagen-Hotels auf 446.000 Euro steigern können.© Anita Back / impulse

Als Silke Lorenzen ihr Wohnwagenhotel "Hüttenpalast" gründete, hatte sie keine Ahnung von Bauverordnungen und Liquidität - und legte trotzdem einfach los. Was wurde aus der Idee?

Berlin-Neukölln ist ein schwieriges Pflaster für Unternehmen, weil es fast alles schon gibt. „Was hier fehlt“, sagte sich Eventmanagerin Silke ­Lorenzen, „ist ein gutes Hotel.“ Zusammen mit ihrer Partnerin Sarah Vollmer eröffnete sie ­deshalb 2011 den „Hüttenpalast“, wo Gäste in Wohnwagen und Holzhütten übernachten.


impulse: Frau Lorenzen, als Sie der IHK Berlin Ihren ersten Businessplan vorgelegt haben, wurden Sie wieder nach Hause geschickt. Was war da los?

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Silke ­Lorenzen: Ich wusste nicht, wie ein Businessplan aussieht, und hatte einfach drauflos geschrieben. Rentabilitätsplan, Bauverordnungen, Liquidität? Das war alles neu für mich. Die IHK-Berater haben mir dann eine Vorlage gegeben und gesagt: Versuchen Sie es bitte noch einmal.

Haben Sie sich Hilfe von außen geholt?

Das wollte ich zuerst. Aber wer von Banken einen Kredit bekommen will, muss jede Zahl im Businessplan selbst kennen und erklären können. Ich hatte in Neukölln schon die perfekte Immobilie gefunden: zwei alte Fabrikhallen mit Ladentheke. Allerdings musste noch alles renoviert und umgebaut werden. Wir haben uns dafür von der Berliner ­Investitionsbank 360.000 Euro geliehen und einfach losgelegt.

Wie lief der Start?

Erst einmal schleppend. Es hat Monate gedauert, bis wir endlich die Baugenehmigung hatten. In ganz Neukölln gibt es dafür nämlich nur fünf Beamte. Im Mai 2011 haben wir dann eröffnet. Weil das Konzept neu war, haben viele Medien über uns berichtet. So wurden wir schnell bekannt, ohne viel Geld für Werbung auszugeben. Nach nur sechs Monaten waren wir im Schnitt zu 70 Prozent ausgebucht – eine gute Quote. Trotzdem mussten wir auch Lehrgeld zahlen.

Was ist schiefgelaufen?

Wir wollten, dass sich jeder eine Übernachtung bei uns leisten kann, und haben die Preise anfangs viel zu niedrig angesetzt. Am meisten haben wir Strom- und Wasserkosten unterschätzt. Früher haben wir 40 Euro pro Nacht verlangt, heute sind es 70. Einige Stammgäste hat das geärgert, aber die meisten hatten zum Glück Verständnis.

Ihr Hotel war von Anfang an gut ausgelastet. War es auch gleich profitabel?

Nein, aber es lag nicht an den Übernachtungen. Wir hatten ein Café, um unsere Gäste mit Berlinern zusammenzubringen. Das war mir wichtig. Nur hat das Café alle Gewinne, die das Hotel einbrachte, wieder verbrannt. Es gibt wohl zu viele Cafés für zu wenig Laufkundschaft in Neukölln.

Haben Sie das Café inzwischen dichtgemacht?

Ja. Vor zwei Jahren. Das war hart für mich, aber seitdem schreiben wir schwarze Zahlen.

Konzentrieren Sie sich nun mehr auf Ihre Stärke, den Hotelbetrieb?

Ja. Wir haben inzwischen eine dritte Halle angemietet, wo eine weitere Hütte und fünf Wohn­wagen stehen. Dieses Jahr wollen wir den Web­auftritt neu gestalten, einen zweiten Hofgarten bepflanzen und eine Sauna bauen. Ich bekomme zudem immer wieder Anfragen, ob ich nicht expandieren möchte. Ideen dafür hätte ich genug, aber das sind eher langfristige Überlegungen.

 

Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 10/16.

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