Hyperloop Die Highspeed-Rohrpost für Menschen und Waren

Noch ist es nur eine Computersimulation: Der Hyperloop in seiner oberirdischen Variante.

Noch ist es nur eine Computersimulation: Der Hyperloop in seiner oberirdischen Variante.© HTT

Was nach einer Spinner-Idee klingt, wird gerade Realität: Der deutsche Unternehmer Dirk Ahlborn baut in Kalifornien den Hyperloop. Mit bis zu 1200 Stundenkilometern will er künftig Menschen und Waren auf die Reise schicken.

Viele große Ideen haben gemeinsam, dass anfangs nur einige Verrückte an sie glauben. So gesehen ist Dirk Ahlborn besonders verrückt. „Ich will nicht nur verändern, wie wir reisen“, sagt der in Berlin geborene Gründer, „ich will verändern, wie und wo wir leben.“ Der 40-Jährige ist der Mann hinter dem Hyperloop, jenem Highspeed-Verkehrssystem, das nach einer Anregung von Tesla-Gründer Elon Musk gerade in Kalifornien gebaut wird und bald die ganze Welt erobern soll. Von Los Angeles aus, wo Ahlborn seit Jahren lebt und arbeitet, soll eine Revolution ausgehen – die Revolution der modernen Mobilität und Logistik.

Der deutsche Unternehmer Dirk Ahlborn baut in Kalifornien den Hyperloop

Der deutsche Unternehmer Dirk Ahlborn baut in Kalifornien den Hyperloop.© HTT

Das Konzept hört sich für Laien zunächst an wie Science-Fiction: Der Hyperloop ist eine Art Hightech-Rohrpost für Menschen und Waren. Kapseln rasen mit bis zu 1200 km/h durch Röhren, in denen fast Vakuum herrscht, wodurch es keinen Luftwiderstand gibt und trotz der hohen Geschwindigkeiten der Energiebedarf überschaubar bleibt. Städte, die bislang viele Stunden voneinander entfernt sind, könnten plötzlich in wenigen Minuten erreicht werden. Von Los Angeles nach San Francisco etwa würden Passagiere statt sechs Stunden wie mit dem Auto nur ungefähr 30 Minuten benötigen, dasselbe gilt etwa für die Strecke Köln-Berlin.

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„Dass es technisch machbar ist, wissen wir bereits“, erzählte Unternehmer Ahlborn am Rande des Zukunftskongresses in Wolfsburg, bei dem er für sein Vorhaben ausgezeichnet wurde. „Jetzt geht es darum, den Prototyp auf seine Alltagstauglichkeit zu testen.“ Der Bau einer acht Kilometer langen Teststrecke läuft bereits. Sie entsteht im kalifornischen Quay Valley, einer Stadt, die als Blaupause der urbanen Zukunft gilt. Strom zum Beispiel wird dort ausschließlich mit Solarenergie erzeugt. Mit riesigen Vergnügungsparks und Shopping Malls will die künftige Vorzeige-Metropole Millionen Besucher anlocken.

Von Beginn an könnte der Hyperloop hier zehn Millionen Passagiere pro Jahr befördern, schätzt Ahlborn. Dabei soll der Hyperloop mehr Energie produzieren, als er für seinen Antrieb benötigt: auf den in diesem Fall oberirdisch verlaufenden Röhren sollen Solarpanels installiert werden. Die Stützpfeiler sollen zugleich Windkrafträder sein. Und beim Bremsen wird ein Großteil der eingesetzten Energie zurückgewonnen.

Von Bratislava nach Budapest in Rekordzeit

Nicht nur in den USA, auch in Europa wird an einer Zukunft mit dem Hyperloop gearbeitet. Mit der Slowakei hat Ahlborn bereits einen Vertrag geschlossen. Die Hauptstadt Bratislava könnte dank der Highspeed-Kapseln wenige Minuten an Budapest und Wien heranrücken. Kurze, pendlerfreundliche Reisezeiten würden es ermöglichen, in der einen Stadt zu leben und der anderen zu arbeiten. Auch die skandinavischen Staaten und Russland interessieren sich für die neue Art der Fortbewegung. Nur aus Deutschland ist bislang nichts zu hören. Dafür kooperiert Ahlborn mit der Deutschen Bahn beim Bau eines futuristischen Zuges.

Ahlborns Start-up Hyperloop Transportation Technologies hat bereits einen Konkurrenten, der auf eine ähnliche Technologie setzt. Das Unternehmen Hyperloop One ist Mitte August mit einem der weltweit größten Hafenbetreiber eine Kooperation eingegangen: DP World aus Dubai will testen, inwieweit sich das System für den schnellen Transport von Container eignet. Zunächst sollen die Stahlkisten mit dem Hyperloop von DP Worlds Heimathafen Jebel Ali zu einem weiter entfernten Container-Hub im Inland transportiert werden und dabei Aufwand und Nutzen geprüft werden. Später könnte der Hyperloop auch den Transport von Waren zwischen weit entfernten Ballungszentren übernehmen, so erste Überlegungen. In den Boom-Märkten Asiens und Afrikas, wo es aktuell oft an Infrastruktur fehlt, könnte es einen großen Markt dafür geben, teilte DP World in einem Statement mit.

Der Hyperloop in einer Computersimulation

Der Hyperloop in einer Computersimulation.© HTT

Dirk Ahlborn denkt schon viel weiter. Für ihn könnte sich die Art, wie und wo wir leben, dank des Hyperloops grundlegend ändern. „In Los Angeles kann sich kein Normalverdiener ein Haus für eine Familie leisten“, sagt der Gründer. „Künftig kann er aber weit, sehr weit, vor die Tore der Stadt ziehen, wo die Preise passabel sind, und trotzdem in kürzester Zeit an seinem Arbeitsplatz sein.“ Auch die bereits heute notorisch verstopften Flughäfen würden entlastet. Airports könnten mit dem Hyperloop verbunden werden, so dass künftig ein Flughafen einem heutigen Terminal entspricht. In London landen, mit dem Hyperloop „umsteigen“ und wenige Minuten später von Paris aus weiterfliegen, wäre dann möglich.

„Viele Standorte in abgelegenen Gebieten können aufgrund der kurzen Reise- und Transportzeiten eine Alternative zu den überlasteten und damit teuren Ballungsräumen werden, so sie denn einen Hyperloop-Port-Anschluss vorweisen“, glaubt auch Thomas Steinmüller, Vorsitzender der ZIA-Plattform Logistikimmobilien. „Analog zur Entwicklung der Eisenbahn werden erhebliche wirtschaftliche Effekte für Baumaßnahmen nicht nur der klassischen Immobilien entstehen, sondern auch für die Produktion und Instandhaltung der erforderlichen Supra- und Infrastrukturen sowie der Hyperloop-Kapseln.“

Günstiger als ein Hochgeschwindigkeitszug

Die Kosten für den Bau des Hyperloops sollen bei 20 Millionen Dollar pro Meile liegen – ein Schnäppchen im Vergleich zu heutigen Hochgeschwindigkeitsstrecken auf Schienen. Auch das künftige Geschäftsmodell könnte sich grundlegend von heutigen Verkehrssystemen unterscheiden. Ahlborn setzt auf günstige – oder sogar kostenlose – Tickets. Einnahmen will er zum Beispiel mit Werbung generieren. Im Hyperloop wird es statt Fenstern große Bildschirme geben, deren Tracking-Technologie die Blicke der Insassen verfolgt und so das eingespielte Bild anpasst. So kann jeder Passagier individuell bestimmen, welche Filme er sieht oder welche Themenwelt er erleben will. Der Hyperloop könnte etwa über eine virtuelle Insel- oder durch eine Schneelandschaft düsen – oder auch durch Jurassic Park, finanziert durch Werbung.

Schnell, schneller, Hyperloop: Das Highspeed-Verkehrssystem im Vergleich

Schnell, schneller, Hyperloop: Das Highspeed-Verkehrssystem im Vergleich.© HTT

Dirk Ahlborn ist ungeduldig. Am liebsten würde er jetzt schon anfangen, überall auf der Welt seinen Hyperloop zu bauen. „Das größte Problem der Gegenwart ist der Verkehr“, sagt er. „In chinesischen Metropolen ist der Smog manchmal so dicht, dass man seine Hand vor Augen nicht sieht und die Menschen kaum Luft kriegen. Dafür wollen wir eine Lösung anbieten – jetzt, und nicht erst in 30 Jahren.“

Eine Frage, die der deutsche Unternehmer nicht nur in den USA immer wieder beantworten muss, lautet: Was machen diese hohen Geschwindigkeiten mit dem menschlichen Körper? Seine Antwort: „Nichts. Es ist wie im Flugzeug, in dem auch Geschwindigkeiten von mehr als 1000 km/h erreicht werden. Die Passagiere spüren die Beschleunigung und das Bremsen, mehr nicht.“

Wie im Flugzeug wird es im Hyperloop also sein. Nur ohne Flügel.


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