kennstdueinen.de „Solange Mittelständler im Branchenbuch werben, gibt es für uns viel zu tun“

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Carsten Schmidt gründete 2007 mit seinem Partner das Empfehlungsportal kennstdueinen.de

Carsten Schmidt gründete 2007 mit seinem Partner das Empfehlungsportal kennstdueinen.de© Ralf Barthelmes

Genervt von schlechten Handwerkern oder Friseuren, gründete Carsten Schmidt das Bewertungsportal kennstdueinen.de. Was wurde aus der Idee? impulse hat nachgehakt.

Carsten Schmidt und sein Mitgründer John Goddard kannten sich aus der gemeinsamen Zeit  im Marketing von Procter & Gamble. Als sich die beiden 2006 wiedertrafen, klagten sie einander ihr Leid über schlechte Handwerker, Friseure und Zahnärzte. Mit kennstdueinen.de haben sie ein Empfehlungsportal gegründet, auf dem sich Dienstleister online präsentieren und von ihren Kunden bewerten lassen können.


impulse: Herr Schmidt, als wir das erste Mal über Sie berichtet haben, hatten Sie 3500 Kunden, die 600 Euro für einen Platz im Portal gezahlt haben. Wie ist das heute?

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Carsten Schmidt: Die 600 Euro im Jahr sind immer noch aktuell. Aber wir haben heute mehr als 10.000 Kunden aus über 100 Branchen.

Kostenlose Empfehlungsportale wie Yelp ­machen Ihnen nicht das Geschäft kaputt?

Nein, Yelp ist stark im Gastrobereich, weniger bei klassischen Dienstleistungen. Unser größter Konkurrent damals wie heute sind Telefon- und Branchenbücher. Ich habe bei der Gründung gedacht, dass Mittelständler schon sehr bald verstehen, wie wichtig ihre Sichtbarkeit im Internet ist. Ich glaube, viele kleine und mittlere Betriebe haben das tatsächlich inzwischen erkannt – trotzdem werben sie immer noch im Telefonbuch. Deshalb haben wir das Umsatzziel unseres ersten Businessplans auch noch nicht erreicht.

Wo mussten Sie Ihr Geschäft anpassen?

Zuerst waren wir froh, als die Webseite 2008 live ging. Wir dachten: Mehr brauchen wir nicht. Google war damals noch nicht so stark präsent in den ­Köpfen ­unserer Kunden wie heute. Manche haben ­gesagt: „Ach dieses Google, das gibt sich schon ­wieder.“ Das hat sich sehr verändert. Heute bieten wir auch Dienstleistungen wie Suchmaschinenoptimierung an und schalten für unsere Kunden On­linewerbung auf Google, Facebook und anderswo.

Wie haben Sie sich finanziert?

Die ersten 18 Monate haben wir uns selbst finanziert, wir hatten ja vorher beide gut verdient. Danach haben wir schnell Risikokapital bekommen, weil unsere Investoren daran geglaubt haben, dass wir das rocken werden. Ein Businessplan in so ­einem frühen Stadium ist bloße Theorie. Da zählt zu 20 Prozent die Idee und zu 80 Prozent der Mensch. Wir haben in unseren vorherigen Jobs viel Verantwortung übernommen und kannten uns aus mit dem Aufziehen von Geschäftsstrukturen.

Was hätten Sie ohne das Geld gemacht?

Ich hätte nie private Schulden gemacht. Das würde ich auch jedem Gründer raten: Fehler im Lebenslauf verzeiht jeder. Mach sie deshalb ruhig! Aber verpasse nicht den Zeitpunkt, die Reißleine zu ziehen, wenn es nicht funktioniert!

Wohin wollen Sie noch mit Ihrer Firma?

In den letzten Jahren sind wir sehr stark gewachsen und wachsen weiter. Wir haben in Köln, Berlin und Nürnberg Vertriebsbüros eröffnet, im Oktober eröffnen wir in Hamburg, weitere sollen folgen. Das Schwierigste ist dabei, die richtigen Leute für ­un­sere offenen Stellen zu finden. Aber solange Mittelständler noch im Branchenbuch werben, gibt es für uns viel zu tun.

Steckbrief

Name, Alter: Carsten Schmidt, 48

Firma: WinLocal GmbH

Gründungsdatum: 28.06.2007

Standort: Frankfurt am Main

Erster Businessplan: 2008

Erstmals in impulse: Gründerzeit 1/2011


Plan und Realität


DAMALS:

Umsatzerwartung (2014): 15 Mio. Euro

Mitarbeiter: 4

Büro- und Lagerfläche: 25 m²

Urlaubstage: 10

Auto/ Fahrrad: BMW 318i, Bj. 1990

HEUTE:

Umsatz (2014): > 10 Millionen Euro

Mitarbeiter: 74

Büro- und Lagerfläche: 1200 m²

Urlaubstage: 20

Auto/ Fahrrad: Mercedes E-Klasse, Bj. 2014

Früher dachte ich, … dass es Branchenbücher sehr bald nicht mehr geben würde.

Heute weiß ich, … dass das nicht stimmt. Viele Dienstleister sind da leider behäbig.

Wenn ich nicht Unternehmer geworden wäre, … wäre ich weiter nach London gependelt.

impulse-Magazin September 2015

 

Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 09/15.

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