Nahverkehrs-App Moovit „Jeden Tag kommt eine neue Stadt dazu“

Besser informiert unterwegs mit Bus und Bahn: Bei der App Moovit sorgt die Crowd für Live-Infos bei Staus und Störungen.

Besser informiert unterwegs mit Bus und Bahn: Bei der App Moovit sorgt die Crowd für Live-Infos bei Staus und Störungen.© lassedesignen / Fotolia.com

Mit Hilfe von 28 Millionen Nutzern ermittelt die rasant wachsende Nahverkehrs-App Moovit weltweit den besten Weg von A nach B. Was der mit 50 Millionen Dollar finanzierte Echtzeit-Service in Deutschland plant.

impulse: Herr Lüdtke, was kann Moovit, was die Apps der jeweiligen Verkehrsbetriebe nicht können?

Jan Lüdtke: Moovit liefert Abfahrts- und Ankunftszeiten und die besten Routen mit Bus und Bahn innerhalb einer Stadt. Daneben halten wir unsere Nutzer jederzeit live auf dem Laufenden darüber, was gerade auf der Strecke los ist.

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Wie kommen Sie an diese Informationen ran?

Möglich machen das andere Nutzer, die Teil der Moovit-Community sind: Steht mein Bus im Stau, gebe ich das per App an alle anderen weiter. Und über die GPS-Daten entsteht ein aktuelles Bild vom Verkehrsfluss, so dass die Routenvorschläge sich entsprechend ändern.

Was motiviert die Leute, bei Moovit mitzumachen?

Es hilft ihnen selbst, sich in der Stadt zu bewegen: Je mehr mitmachen, desto besser wird unser Angebot, das liegt in der Natur solcher crowdbasierter Ansätze. Wir legen verschiedene Datensätze übereinander: die statischen Informationen der Verkehrsbetriebe wie Fahrpläne und Routen und die Live-Informationen unserer Nutzer. So entsteht ein genaues Bild der aktuellen Lage.

In Deutschland ist Moovit seit kurzem in Berlin, München und Hamburg, aber auch in Baden-Baden und Heidelberg verfügbar. Wie wählen Sie die Städte aus?

Langfristig wollen wir natürlich in möglichst vielen Städten vertreten sein. Wir fangen mit Großstädten an – und in solchen, die sich die Community wünscht. So war es auch in Baden-Baden und Heidelberg: Viele Nutzer haben gesagt, sie hätten gerne unser Angebot in ihrer Stadt. Sie haben uns dann durch ihre Teilnahme geholfen, diese Städte für alle Nutzer in der App verfügbar zu machen.

In wie vielen Städten sind Sie insgesamt vertreten? 

Weltweit sind wir aktuell in 700 Gemeinden präsent, jeden Tag kommt eine neue dazu. In rund die Hälfte davon gehen wir, weil sich die Leute das wünschen und uns auch aktiv unterstützen. Wir haben Anfang des Jahres von Investoren weitere 50 Millionen Dollar eingesammelt, einen Teil davon von BMW, und können deshalb ein hohes Tempo vorlegen.

Wie überzeugen Sie die lokalen ÖPNV-Anbieter, mit Ihnen zu kooperieren und ihren Datensatz mit ihnen zu teilen? Sie bauen ja ein Konkurrenzprodukt zu deren eigenen Apps.

Die haben ein hohes Interesse daran, dass die Leute ihr Angebot so gut wie möglich nutzen können, und wir können ihnen dabei helfen. Durch unsere Daten entsteht ein präzises Bild der Verkehrssituationen – diese teilen wir auch mit den Anbietern, so dass wir helfen, die Mobilität in der Stadt besser zu organisieren. In Deutschland gibt es ja bereits gute Informationen über den ÖPNV, auf die man digital zurückgreifen kann. In anderen Ländern sieht das anders aus: Da helfen wir dabei, so etwas aufzubauen.

In Deutschland ist man ja sehr empfindlich, was die Nutzung personenbezogener Daten angeht. Könnte Sie das hierzulande ausbremsen?

Das glaube ich nicht. Wir erheben die Daten in einer anonymisierten Form, so dass wir selbst, wenn wir es wollten, die erhobenen Informationen nicht zu einer Person zurückverfolgen könnten. Wir wollen die Daten auch nicht an andere verkaufen.

Die Nutzung von Moovit ist kostenlos – wie wollen Sie Geld verdienen?

Da gibt es eine Reihe von Überlegungen, aber noch nichts Spruchreifes. Im Moment konzentrieren wir uns darauf, die App in möglichst vielen Städten verfügbar zu machen und eine große, aktive Community aufzubauen. Mittelfristig ist es natürlich denkbar, dass wir den Kauf von Fahrkarten in unser System integrieren sowie Carsharing und Taxis – und dann eine Provision für die Vermittlung erhalten.

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1 Kommentar
  • LuckyLuke 10. November 2015 16:14

    die erste Frage des Redakteurs ist gut. Die Antwort von Herrn Lüdtke dagegen nicht sehr überzeugend. Er zählt genau die Dinge auf die die Apps der Verkehrsbetriebe auch bieten, zumindest in meinem Fall. Also nicht wirklich was Neues oder Besseres…

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