Schirpmag Magnetabscheider „Kurz nach der Gründung hatte ich einen Aha-Moment“

  • Aus dem Magazin
Axel Schirp, 47, war Vertriebschef eines Anlagentechnikers. Heute verkauft er heute einen selbst entwickelten Magnetabscheider.

Axel Schirp, 47, war Vertriebschef eines Anlagentechnikers. Heute verkauft er heute einen selbst entwickelten Magnetabscheider.© Bernd Arnold / impulse

Vom Vertriebler zum Erfinder: Axel Schirp hat das Geschäftsmodell seiner Firma Schirpmag Magnetabscheider radikal geändert. Er nahm das Feedback seiner Kunden ernst - und entdeckte so eine lukrative Nische.

In der Industrie wird häufig recycelter Kunststoff verwendet. Das geschredderte Material kann jedoch Metallreste von Büchsen und Ösen enthalten – und so Maschinen lahmlegen. Nach zehn Jahren als Vertriebschef eines Anlagentechnikers wollte Axel Schirp selbst Metallfilteranlagen fremder Firmen verkaufen, sogenannte Abscheider. Heute macht er 70 Prozent seiner Umsätze mit eigenen Produkten. impulse hakt nach, wie es dazu gekommen ist.


impulse: Herr Schirp, wie sind Sie eigentlich vom Vertriebler zum Erfinder geworden?

Anzeige

Axel Schirp: Ich vertreibe nach wie vor Produkte anderer ­Hersteller! Aber kurz nach der Gründung hatte ich einen Aha-Moment, der alles verändert hat.

Erzählen Sie!

Einer meiner Kunden war unzufrieden mit den Abscheidern, die es bis dahin auf dem Markt gab. Bei den meisten Metallfiltern wird das Material für ein paar Sekunden in ein Ausschussbecken gelenkt, sobald die Sensoren anschlagen. Dabei geht neben störenden Metallresten auch wertvolles Material verloren. Also habe ich ein Magnetsystem entwickelt, das Eisenreste vorab entfernt. Der Ausschuss wird so deutlich kleiner.

Haben Sie das zum Patent angemeldet?

Ja, schon 2010. Allein die Anträge und Produkt­entwicklung haben 50.000 Euro gekostet. Das Ganze ist ein EU-Patent. In Deutschland zahle ich pro Jahr rund 3000 Euro für den Gebrauchs­musterschutz, eine patentähnliche Zertifizierung. Wenn ich mein Produkt in weiteren Ländern schützen lasse, kommen weitere jährliche Kosten hinzu.

50.000 Euro – woher hatten Sie das Geld?

Aus meinen privaten Ersparnissen. Finanziell ­unabhängig zu sein hat für mich höchste Priorität. Zum Glück lief es aber schon im dritten Jahr so gut, dass die Firma sich seitdem selbst trägt.

Wie machen Sie Ihre Innovation bekannt?

Wie ein Vertriebler eben. Ich fahre mit Muster­exemplaren und einem Koffer voll Granulat von Firma zu Firma und führe meinen Magnetabscheider vor. Das funktioniert ganz gut. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich deutlich mehr verkaufen könnte, wenn ich billiger produzieren würde.

Und – haben Sie die Kosten senken können?

Ja. Anfangs habe ich das ganze System in Österreich fertigen lassen. Heute baue ich die Einzelteile selbst zusammen. So ist der Stückpreis von 1000 auf etwa 450 Euro gefallen. Insgesamt nutzen rund 140 Firmen mein System, darunter ein bekannter deutscher Spielwarenhersteller.

Was wollen Sie in nächster Zeit erreichen?

Momentan mache ich 90 Prozent meiner Umsätze in Deutschland. Das soll sich ändern. Deshalb suche ich derzeit Vertriebspartner, die mein Produkt auch international bekannt machen können. Ein weiterer Schritt wäre ein Mitarbeiter, der mich bei der Produktion unterstützt. Dann könnte ich mich wieder stärker auf meine Leidenschaft konzentrieren: den Vertrieb.

 

Cover_impulse_07-08_2016Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 07/16.

Sie können die Ausgabe als Einzelheft oder als ePaper kaufen. Übrigens: Mitglieder im impulse-Netzwerk erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.