Seniorgründer Wenn der Vater nochmal gründet

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Von wegen Rentnerurlaub: Im Alter kann man nochmal einiges auf den Kopf stellen, zum Beispiel als Seniorgründer eines Yogastudios.

Von wegen Rentnerurlaub: Im Alter kann man nochmal einiges auf den Kopf stellen, zum Beispiel als Seniorgründer eines Yogastudios.© shotsstudio / Fotolia.com

Als sein Vater spontan beschloss, ein Yoga-Studio zu eröffnen, musste auch impulse-Blogger Thomas Funke anpacken - und erkennen: Seniorgründer haben viele Vorteile.

In letzter Zeit musste ich mich oft fragen: Gibt es einen Ruhestand für einen Unternehmer? Können wir das überhaupt? Ich bin zwar heute noch im jugendlichen Alter (32), meine Vorstellungskraft reicht gar nicht so weit und eigentlich will ich auch noch gar nicht darüber nachdenken.

Aber ich glaube, ich bin der Antwort einen Schritt nähergekommen: Wir können das nicht. Zumindest nicht so, wie man es sich stereotypisch vorstellt: Garten pflegen, Zeitung lesen, Reisen. Das geht als ehemaliger Unternehmer einfach nicht.

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Er spinnt nicht – er kann nicht anders

Aber halt! Wie kann ein 32-Jähriger überhaupt etwas über seinen Ruhestand schreiben? Gar nicht! Aber ich kann von der Achterbahnfahrt mit meinen Eltern berichten. Denn sie haben im Alter von 65 Jahren nochmal beschlossen, alles neu zu machen. Und ich habe ihnen in den letzten Monaten dabei geholfen. Denn eine gut laufende Reisevermittlung für Ferienwohnungen an der Ostsee reichte ihnen nicht. Stattdessen wollten sie lieber auch noch ein Bikram-Yoga-Studio eröffnen. Sonst wird es ja langweilig.

„Spinnt er? Warum zum Teufel muss mein Vater das in seinem Alter noch machen?“ Das habe ich mich nicht nur am Anfang, sondern auch im Verlauf der letzten Monate oft gefragt.

Aber er spinnt nicht. Und: Er muss das machen. Er kann nicht anders. Denn: Nur das Unternehmerische hält ihn jung und macht ihn lebendig. Das ist sein Leben. Er macht ja auch nichts anderes – seit mittlerweile schon 45 Jahren.

Vieles geht sogar noch besser als „Seniorgründer“! Man hat viel Erfahrung und Gelassenheit sowie ein großes und starkes Netzwerk. Dazu kommt noch eine gute Bonität und Bekanntheit bei der Bank. Und die Dinge, von denen man keine Ahnung hat? Dafür hat man ja seine beiden Söhne. Die machen das schon.

So ein Bauchgefühl, dass das klappt

Aber mal von vorne. Meine Frau macht schon seit einigen Jahren leidenschaftlich gerne Bikram Yoga. Eine Yoga-Art, bei der der Raum auf fast 40 Grad aufgeheizt wird. Als mein Vater davon hörte, musste er das natürlich auch ausprobieren. Na klar. Ist ja auch was Neues. Und: Er kam nicht mehr davon los. Er ging fast täglich zum Schwitzen. Das einzige Studio in Frankfurt machte aber im Sommer mangels Nachfrage und Engagement zu.

Ärgerlich! Dachten sich die vielen Yoga-Fans.

Die Chance! Dachte sich mein Vater.

Er nahm den Yogalehrer an der Hand, ging zur Bank und begann aus einer Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Einfach so. Planung? Fehlanzeige. Mit Makros in Excel genau ausrechnen, wie viele Kunden täglich kommen müssen, damit die hohen Energie- und Wasserkosten wieder reinkommen? Nee. Überlegen, ob die Parkplätze reichen? Vielleicht mal kurz. Aber das sehen wir ja dann eh, wenn es losgeht. Also lass doch einfach mal machen. Da ist ja so ein Bauchgefühl, dass das klappt. Und wenn nicht jetzt, wann dann?

„Da kann man doch mittlerweile dieses Facebook nutzen“

Nicht nur ich dachte, dass er spinnt. Aber das störte ihn nicht. Vielleicht reizte ihn das sogar? Er wartete auf die Genehmigung des Kredits und baute in rund drei Monaten das Erdgeschoss des bestehenden Bürogebäudes um. Fertig.

Und jetzt? Natürlich. Einfach aufmachen! „Und wie kommen die Kunden auf Dich und wie machst Du Marketing?“, fragte ich ihn.

„Ja stimmt, Thomas. Hilf mir mal. Da kann man doch mittlerweile dieses Facebook nutzen. Digitale Newsletter geht auch? Toll! Google AdWords? Ah super. Mach mal. Das mit dem Internet ist nicht so meins“, antwortete er mir.

Vielleicht eine etwas andere Art zu gründen, als man es sonst so überall liest oder hört. Aber: Es funktioniert. Und wie schnell das alles ging: Im Sommer die Idee, kurz vor Weihnachten hat er das Studio schon eröffnet. Und täglich kommen mehr Leute. Der „Hot Room“ wird zwar noch nicht richtig heiß, aber Kinderkrankheiten gibt es ja bei jeder Gründung.

Mein Fazit: Toll, so einen unternehmerischen Vater zu haben. Da kann man noch so richtig viel lernen, wie man es (richtig) macht. Und ich hoffe, es hält ihn noch lange jung. Vielleicht ist es ja auch nicht seine letzte Unternehmung? Einen schönen Nebeneffekt gibt es auch noch: Vater und Sohn haben neben Fußball und Eintracht Frankfurt noch etwas, über das sie ständig sprechen können.

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3 Kommentare
  • Tina Hoppe 14. Januar 2016 12:25

    Super schöne Geschichte und so wahr: „Nur das Unternehmerische hält ihn jung und macht ihn lebendig.“
    Mein Vater „durfte“ mit 65 Jahren nach mehreren erfolgreichen Gründungen nichts Neues mehr anfangen: Zum damaligen Zeitpunkt hatte er bereits 7 Jahre lang Krebs und wurde von gutmeinenden Menschen gebremst.
    Das war zwar völlig vernünftig gedacht, aber die nicht ausgelebte Kreativität und die daraus folgende Langeweile waren für ihn nur schwer zu ertragen.

    Ihrem Vater viel Freude und Erfolg mit seiner neuen Gründung.
    Und der Familie gute Nerven. 😉

  • Lilli Pock 13. Januar 2016 22:08

    Gratuliere euch! 🙂

    • Thomas Funke 14. Januar 2016 11:15

      Danke Lilli! Kommt doch mal vorbei 🙂

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