Youfresh Was wurde aus dem Frozen-Yogurt-Laden?

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Jan Olszewski wollte mit seinem Frozen-Yogurt-Laden Häagen-Dazs Konkurrenz machen.

Jan Olszewski wollte mit seinem Frozen-Yogurt-Laden Häagen-Dazs Konkurrenz machen.© Anita Back

Jan Olszewski wollte mit seinem Laden das Häagen-Dazs des Frozen Yogurts werden. impulse hat nachgefragt, was aus der Geschäftsidee geworden ist.

Seine Eltern gründeten den großen polnischen Omnibushersteller Solaris. Jan Olszewski will außerhalb des Familienbetriebs Erfahrungen sammeln. 2012 eröffnete er mit seiner Frau einen der ersten Frozen-Yogurt-Läden Deutschlands. Das Dessert ist kalorienärmer als Speiseeis, da statt Sahne Joghurt verwendet wird.

impulse: Vor drei Jahren sagten Sie uns: „In fünf Jahren werden wir das Häagen-Dazs des Frozen Yogurts sein“. Ist die Rechnung aufgegangen?

Jan Olszewski: Eindeutig nein. Wir haben einen Interessenten, der unseren Laden demnächst kaufen möchte.

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Warum verkaufen Sie?

Meine Frau hatte sich in letzter Zeit maßgeblich um den Laden gekümmert. Das wird bald nicht mehr gehen: Wir haben seit Kurzem die Gewissheit, dass wir Eltern werden. Aber auch unabhängig von der Schwangerschaft meiner Frau hatten wir schon länger darüber nachgedacht zu verkaufen – und in eine weniger harte Branche als die Gastronomie zu wechseln.

Was macht diese Branche so hart?

Normalerweise sind Unternehmen Erfolg versprechend, die einen Markt oder eine Nische besetzen, die vorher noch niemand besetzt hat. Die Gastronomie funktioniert da anders – nicht zuletzt wegen der Kunden: Beim Thema Essen sind vielleicht 10 Prozent der Menschen hierzulande experimentierfreudig. Der Rest will weiter Currywurst, Pasta oder Döner.

Vielleicht war es aber auch gewagt, Häagen-Dasz den Konkurrenzkampf zu erklären…

Da ist sicher etwas dran, aber man soll sich ja hohe Ziele setzen. Nur mit Frozen Yogurt war es leider nicht möglich, ganzjährig als Unternehmer Erfolg zu haben. Wir haben unser Konzept deshalb vor zwei Jahren erweitert und Ciabattas, Smoothies, Salate sowie Wraps ins Programm aufgenommen. Die Idee war, eine Art gesundes McDonald’s zu schaffen – für Leute, die keine Lust auf fettiges Fast Food haben, aber trotzdem etwas Schnelles auf die Hand essen wollen.

Hatten Sie damit Erfolg?

Zuerst nur mäßig. Obwohl wir das Sortiment erweitert haben, waren wir bei den Leuten aus der Nachbarschaft tief in der Schublade Frozen Yogurt abgespeichert.

Haben Sie sich aus dieser Schublade befreien können?

Ja. Wir sind umgezogen in ein Shoppingcenter. Die neue Location war wie ein Neustart. Die Kunden haben das Sortiment sofort als Einheit angesehen. Im Center sind wir außerdem weniger wetterabhängig, und die Verkaufsfläche ist kleiner, was sich als großer Vorteil herausgestellt hat. Die Miete blieb zwar in etwa gleich, aber ein kleiner Laden sieht einfach immer voller aus. Das zieht Kunden an – und wir konnten unseren Umsatz so zuletzt deutlich steigern.

Wie wird es nach dem Verkauf weitergehen?

Ich habe bereits vor einem guten halben Jahr ein neues Unternehmen namens Owners Place gegründet, dem ich mich nun voll widmen werde.

Was ist das für eine Firma?

Owners Place ist ein Online-Marktplatz für Familienunternehmen aus der ganzen Welt. Mitmachen können Familienbetriebe ab 10 Millionen Euro Jahresumsatz. Für eine Jahresmitgliedschaft von 3000 Euro können unsere Kunden so viele Geschäftsmöglichkeiten einstellen und anschauen, wie sie wollen. Derzeit zählen wir mehr als 90 Mitglieder aus 25 Ländern, darunter sind auch große Namen wie Ulrich Schmid-Maybach oder die MV Holding, die Beteiligungsgesellschaft des Turkcell-Gründers Murat Vargi. Die meisten Kunden nutzen die Plattform, um Vertriebs- oder Produktionspartner im Ausland zu finden.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Das hatte praktische Gründe. Als wir unseren Laden verkaufen wollten, wusste ich einfach nicht, wo ich unser Geschäft seriös hätte zum Verkauf anbieten können. Es gibt ja schließlich nicht so etwas wie ein Ebay für Firmengeschäfte. Diese Lücke wollen wir nun schließen. Außerdem komme ich selbst aus einer Unternehmerfamilie und weiß, wie gern Familienunternehmen miteinander ins Geschäft kommen.

Sie haben jahrelang für die Firma Ihrer Eltern gearbeitet. Haben Sie nie überlegt, höher beim Bushersteller Solaris einzusteigen?

Klar ist das im Hinterkopf, und die Tür steht weiter offen. Mit Mitte Dreißig fühle ich mich aber noch ein paar Jahre zu jung, um im eigenen Familienunternehmen eine höhere Position zu besetzen. Meine Eltern respektieren, dass ich mir erst mal unternehmerisch weiter die Hörner abstoße. Seit dem 1. April haben sie den Vorstandsvorsitz an einen Externen abgegeben.

Was macht Sie so sicher, dass Ihre neue Idee Erfolg haben wird?

Sicher kann man sich nie sein, aber die vielen Mitglieder aus der ganzen Welt machen uns optimistisch. Zudem ist das Risiko deutlich geringer als bei Youfresh. Die Gastronomiebranche ist sehr kapitalintensiv. Eine neue Filiale zu eröffnen hätte mich locker 200 000 Euro gekostet. Das Startkapital für Owners Place betrug gerade einmal 10 000 Euro – das konnten meine Frau und ich auch ohne Kredit stemmen.

Wo steht Owners Place in fünf Jahren – auf einer Stufe mit Ebay?

Sagen wir es so: Mein Ziel ist es, dass Familienbetriebe künftig an Owners Place denken, wenn sie sich internationalisieren wollen oder Zu- und Verkaufsmöglichkeiten suchen.

impulse_Cover_01_2016-100Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 01/16.

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