Zeitreise-Manufaktur „Wir sind noch immer stark von Einzelaufträgen abhängig“

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Der Gründer der Zeitreise-Manufaktur: Benjamin Kant (29).

Der Gründer der Zeitreise-Manufaktur: Benjamin Kant (29).© Sebastian Pfütze für impulse

2013 gründeten vier Magdeburger die Zeitreise-Manufaktur. Das Ziel des Unternehmens: Geschichte leicht zugänglich aufbereiten - von der Erkundungstour bis zum Firmenporträt. Was wurde aus der Idee?

Geschichte? Staubtrocken. Genau dieses Image wollte der Historiker Benjamin Kant revidieren und gründete 2013 zusammen mit seinem ­Vater Hans-Jürgen und zwei Bekannten die Zeitreise-Manufaktur. Das Magdeburger ­Unternehmen organisiert etwa für Schulen und Kindergärten GPS-Erkundungstouren, entwirft interaktive Lern-Installationen und schreibt Firmenporträts – alles mit Geschichtsbezug.

impulse: Herr Kant, einen konkreten Businessplan ­haben Sie nie geschrieben. Warum nicht?

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Benjamin Kant: Wir sind alle Geisteswissenschaftler, da zählen andere Dinge als Buchhaltung und Marketing­planung. All das habe ich mir erstmals im Frühjahr 2013 in einem Gründer-Coaching angeeignet. Aber natürlich haben wir auch schon vor der Firmengründung gemeinsam überlegt: Was sind unsere Stärken? Wo gibt es einen Bedarf für das Thema Geschichte? Über die Zeit hat sich dann gezeigt, was funktioniert und was nicht.

Und was hat nicht so gut funktioniert?

Wir wollten historische Reisen etwa zu den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs anbieten. Als Reiseveranstalter hätten wir aber viel Geld für Versicherungen ausgeben müssen. Das konnten wir uns schlichtweg nicht leisten. Auch Lesungen machen wir kaum noch. Das kostet viel Zeit und bringt vergleichsweise wenig Geld.

Stichwort Geld: Wie haben Sie Ihre Gründung eigentlich finanziert?

Aus eigener Tasche. Unsere historische Bibliothek, die technischen Geräte und die Ausstattung ­unseres Veranstaltungsraums – insgesamt hat das gut 15.000 Euro gekostet. Zum Glück sind unsere laufenden Ausgaben recht niedrig, sodass wir von Anfang an Gewinne schreiben konnten.

Sie bieten sehr viele verschiedene Dienste an. Wollten Sie sich nicht spezialisieren?

Zuerst wollten wir nur historische Firmenporträts schreiben. Gerade hier in Sachsen-Anhalt gibt es jedoch nur wenige große Unternehmen. Also ­haben wir Angebote wie Erkundungstouren im Magdeburger Stadtpark entwickelt. So erreichen wir inzwischen auch Schulklassen und Kindergärten. Im Nachhinein betrachtet: ein großes Glück.

Warum?

Nach der Gründung lief es erst super: Nach wenigen Wochen wurde eine schwäbische Textilfirma durch Medienberichte auf uns aufmerksam und gab uns den Auftrag, ein Buch zur Geschichte der Firma zu schreiben. Ein Jahr lang haben wir Archive durchforstet, Zeitzeugen interviewt und daraus ein E-Book erstellt. Das war toll! Aber danach kam kein Folgeauftrag mehr. Durch die anderen Standbeine konnten wir das abfangen.

Das heißt, Sie haben Ihr Unternehmen neu ausgerichtet?

Genau. Inzwischen sind wir vor allem für unsere historischen GPS-Touren bekannt und werden dafür etwa von Museen angefragt. So haben wir eine Installation für die KZ-Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge entworfen, mit der wir die Besucher zu bestimmten Orten auf dem Gelände lotsen. Dort können sie dann auf Tablet-Computern historische Texte oder Videos von Zeitzeugen abrufen. Für die Stadt Magdeburg haben wir nach einem ähnlichen technischen Prinzip eine Stadt­rallye entwickelt – nur mit QR-Codes.

Wie sehen die nächsten Ziele aus?

Wir sind noch immer zu stark von Einzelaufträgen abhängig. Im Februar starten wir deshalb das bundesweit erste Internetportal für Historienbilder: Wir werden seltene historische Grafiken im Original aufkaufen, aufbereiten und als Reproduktion verkaufen. Die Idee kam uns, als eine Firma Leinwände mit historischen Stadtansichten bei uns bestellte. Da haben wir gemerkt, dass Historien­bilder als Dekoration sehr ­gefragt sind. Gleichzeitig ist so ein Portal gute Werbung: Es hilft uns, in ganz Deutschland bekannter zu werden.

 

impulse-2-2016Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 02/16.

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