Reaktionen aufs Scheitern Gescheitert. Na und?

  • INSIDER
  • Serie
Drei typische Reaktionen auf das Scheitern.

Drei typische Reaktionen auf das Scheitern.© doris oberfrank-list / Fotolia.com

Thomas Funke und Thorsten Lambertus gründeten zusammen das Unternehmen "dasLaufrad" - und scheiterten. So reagierten ihre Bekannten darauf.

Letzte Woche waren wir beim Notar. Wir haben eines unserer Unternehmen, dasLaufrad – ein Second-Hand Marktplatz für Kinderkleidung – aufgelöst und müssen nun die Restbestände liquidieren. Eine schwere Entscheidung? Nein, eigentlich eine viel zu späte Entscheidung. Sind wir jetzt Versager? Nein, die Statistik spricht für uns. Dennoch waren einige Reaktionen aus unserem Umfeld auf unsere Entscheidung bezeichnend.

Reaktion 1: Ich hab Euch ja gleich gesagt, dass das so nicht funktionieren kann. Ihr müsst als Gründer immer volle Leidenschaft für die Sache haben.

Anzeige

Hat er uns nicht gleich gesagt. Genau genommen hat er vorher gar nichts gesagt. Aber hinterher ist man immer schlauer. Besonders in Deutschland. Couchkartoffel, aber mit dem Finger schadenfroh auf andere zeigen. Es lebe die Höhle der Löwen. Aber darum geht es hier nicht. Es geht um das, was wir gelernt haben: Leidenschaft muss differenziert betrachtet werden. Der einfache Rat „folge Deiner Leidenschaft“ ist gefährlich. Denn wenn jeder Gründer seiner Leidenschaft folgen würde, würden die meisten in der Nase popeln oder – wie es vielleicht Mehmet Scholl formulieren würde – sich in der Sonne wund liegen.

Es war nicht die Leidenschaft, die uns gefehlt hat. Es fehlte der innere Antrieb, um genau diese Geschäftsidee authentisch und mit Kraft zum Erfolg führen zu können. Aber eben jene Authentizität – die im Wettbewerb entscheidende Kraft – ziehen viele daraus, dass sie mit ihrer Geschäftsidee einen persönlichen Mehrwert stiften. Völlig klar: Second Hand Kinderkleidung stiftet für viele Menschen Mehrwert. Kleider werden öfter genutzt, Ressourcen werden geschont, junge Eltern sparen mit unserem Concierge Service Zeit. Wir machen die Welt also ein Stückchen besser. Für uns persönlich jedoch war der Mehrwert nicht groß genug. In anderen Worten: Die eigene Dringlichkeit fehlte als entscheidender Treiber. Geschäftsidee mit Potential, aber die falschen Leute, um sie umzusetzen.

Reaktion 2: Ihr hättet Tag und Nacht arbeiten und 120 Prozent Vollgas geben müssen. Wer erfolgreich gründen will, kann sich in den ersten Jahren keine Familie leisten, hat keinen Job und arbeitet rund um die Uhr!

Wir geben es zu. Jeder von uns hat mehrere (kleine) Kinder und muss diese ernähren. Das ist zwar gut für das deutsche Rentensystem, aber erfordert viel Zeit. Was sollen wir unseren Kindern in 20 Jahren sagen? Du warst der Grund dafür, dass wir unserem Traum nicht folgen konnten! Schwachsinn. Das war nicht der Grund dafür, dass es nicht geklappt hat. Auch wenn viele aus der Gründerszene – vielleicht auch in eigener Sache – behaupten, dass es anders ist: Gründer müssen nicht zwangsweise 80 Stunden pro Woche arbeiten. Daran lag es nicht.

Viel schlimmer war, dass unsere Arbeitsweise im Team nicht gut aufeinander abgestimmt war. Wir waren schlicht ein ineffektiv laufender Motor. Das Österreich Geschäft lief gut an. Der Start auf dem deutschen Markt ging komplett schief. Wir haben als Team nicht einwandfrei funktioniert. Und das müssen Gründerteams. Da ändern auch 120 Prozent Vollgas nichts. Die haben wir gegeben. Aber nicht alle in die gleiche Richtung.

Reaktion 3: Das verstehe ich nicht warum ihr „aufgebt“! Das war doch eine tolle Idee und echt hübsche Plattform! Habt ihr zu wenig Durchhaltevermögen?

Gut. Aussehen & Design ist nicht alles. So viel wissen wir. Auch die Idee ist nicht alles. Die Umsetzung ist wichtig. Auch das weiß man. Durchhaltevermögen? Muss man haben. Klar. Aber es fehlt ein viel wichtigeres, entscheidendes Element: Es muss ein Geschäftsmodell dahinter stecken, das möglichst früh zumindest ansatzweise funktioniert, erste Gehälter finanziert und nicht nur auf schnelles Kunden-Wachstum abzielt, um möglichst interessant für einen Exit zu sein!

Unser Geschäftsmodell hat nicht funktioniert. Die Margen waren zu niedrig, bei unserem Concierge Service wurde weit mehr eingeschickt als wir auf der anderen Seite des Marktplatzes verkaufen konnten. Schlecht für die Liquidität. Und aufblasen für die Investoren war nicht unser Ding. Dann lieber kleine Schritte machen. Und diese kleinen Schritte haben uns gezeigt, dass das Geschäftsmodell nicht funktioniert. Besser zu früh als zu spät. Und um weitere Jahre am Geschäftsmodell zu tüfteln bis es dann – auf welchem Wege auch immer – eventuell doch funktioniert… Dafür fehlte uns dann das Herzblut für Kinderkleidung. Wo wir wieder beim ersten Punkt wären.

Fazit: Wir haben gemerkt, es gibt noch viel zu lernen. Zum Glück sind wir ja noch jung. An neuen Ideen arbeiten wir natürlich schon eine Weile. Die ein oder andere ist auch schon erfolgreich am Markt. Anders können wir gar nicht. Fast schon manisch. Hauptsache wir können unser eigenes Ding machen. Das ist eine Menge wert. Aber natürlich möchten wir auch erfolgreich sein – wie auch immer man das für sich definiert – nur das kann einen eben bei Startups niemand garantieren. Aber richtigen Erfolg kennen Gründer in der Regel ja sowieso nicht. Denn:

„It is good to have an end to journey toward; but it is the journey that matters, in the end.“(Ernest Hemingway)

impulse-Akademie: Strategie & Inspiration für Ihr Unternehmen
Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.