Gründung Gescheitertes Startup Cleap: „Die Finanzierung brach uns das Genick“

Johannes Benz (links) und Torben Meier (rechts)

Johannes Benz (links) und Torben Meier (rechts)© cleap

Ihre App funktionierte und sie hatten schon die ersten Mitarbeiter eingestellt. Trotzdem mussten die Münsteraner Gründer Torben Simon Meier und Johannes Benz aufgeben, weil ein wichtiger Investor absprang. Im Interview mit impulse.de sprechen sie über ihre Fehler und über neue Ideen.

impulse: Euer StartUp cleap gibt es nicht mehr. Was war anfangs eure Idee?

Johannes Benz: cleap sollte jedem ermöglichen in einem Netzwerk aus lokalen Anbietern, beispielsweise auf Partys, mit seinem Smartphone zu bezahlen. Hierfür musste man als Kunde lediglich einen QR-Code auf dem Handydisplay scannen lassen und dann den Betrag mit einer PIN bestätigen. Ein Finanzdienstleister im Hintergrund hat die Zahlungsabwicklung übernommen. Wir wollten nicht den Umweg über ein Guthaben gehen, was der Kunde immer wieder aufladen muss.

Anzeige

impulse: Und das hat funktioniert?

Torben Simon Meier: Es gab Phasen, wo es rund lief und wir richtig Spaß hatten. Wir hatten es geschafft, richtig gute Mitarbeiter zu rekrutieren und auch das Konzept von cleap funktionierte. Nach sechs Monaten waren wir stark gewachsen. Die Stimmung war super, unsere Devise zu der Zeit noch: Wir rocken das!

impulse: Aber dann ging etwas schief.

Benz: Die Finanzierung brach uns das Genick. Für ein wichtiges Investment bekamen wir eine mündliche Zusage. Ein Finanzdienstleister hatte uns gute Konditionen angeboten, wir hatten das Gefühl, er versteht wirklich etwas von unserem Feld. Wir warteten auf eine verbindliche Rückmeldung. Dann entschied der Aufsichtsrat, das Wagnis sei zu groß. Das Geschäft platzte. Innerhalb von 14 Tagen waren wieder komplett bei null.

impulse: Ihr konntet nichts tun?

Meier: Wir versuchten, irgendwie an Mittel zu kommen und suchten über zwei Monate nach Business Angels. Um jeden Preis wollten wir weiter machen. Wir erhielten aber nur Absagen, für die Investoren war unser Geschäft noch nicht weit genug. Mit Ach und Krach konnten wir noch unser Unternehmen, die AppClouds GmbH retten. Aber um die Fixkosten so klein wie möglich zu halten, mussten wir alle unsere Mitarbeiter entlassen und unser Büro verlassen. Das war hart.

impulse: Wie seid ihr damit umgegangen?

Benz: Für uns war gleich klar: So offen wir um Investoren geworben haben, so offen müssen wir jetzt mit unserem Scheitern umgehen. Wir haben Fehler gemacht, aber das ist nichts, wofür man sich schämen muss. Zumindest nicht, wenn man daraus lernt.

impulse: Was habt ihr falsch gemacht?

Benz: Wir haben von Anfang an zu viel Zeit in Finanzierungsthemen gesteckt, dabei hätten wir uns mehr auf die Entwicklung und den Vertrieb konzentrieren sollen. Und die Kunden haben wir auch vernachlässigt. Die geplatzte Finanzierung hat uns dann zu Fall gebracht. Hier hätten wir uns nicht auf alle Versprechungen verlassen dürfen.

impulse: Gebt ihr jetzt auf?

Meier: Nein, wir machen weiter. Wir versuchen es mit einem neuen Projekt, mit einem einfachen Geschäftsmodell. Wir wollen es Nutzer erleichtern, passende Apps zu finden und arbeiten hier schon intensiv an dem neuen Produkt. Mittlerweile haben wir schon wieder viel Spaß am Gründen.

impulse: Was habt ihr aus euren Fehlern gelernt?

Benz: Auf jeden Fall eine Weisheit: Unternehmersein kann man nicht üben. In der Uni haben wir nicht viel über die Realität als Start-Up gelernt. Jetzt machen wir viele Kleinigkeiten von Anfang an anders: Die Verantwortung teilen wir klar auf und konzentrieren uns auf wenige Dinge. Wir haben uns weitere erfahrene Co-Gründer gesucht und gelernt, dass man durchhalten muss.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.