Gründung Gründen mit Franchise: So finden Sie das richtige System

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Franchise

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Wer sich in etablierte Geschäftsmodelle einkauft, kann mit überschaubarem Risiko ins Unternehmen starten. Die sechs wichtigsten Fragen und Antworten, damit Sie das passende System finden.

Was ist das überhaupt?

Nachhilfe, Pizzaservice, Fitnessstudio, McDonald’s, Fressnapf, Kamps: Gründer, die ein Unternehmen führen, aber nicht das Rad neu erfinden wollen, können in vielen Branchen in Geschäfte einsteigen, die bereits am Markt sind. Franchising heißt das System, der Clou daran: Man führt seine Firma zwar rechtlich selbstständig, ist aber zugleich vertraglich an einen Partner gebunden, der einem gegen Gebühr Konzept, Marke und eine ganze Reihe von Dienstleistungen bereitstellt. Auch wenn noch niemandem ein griffiger deutscher Name dafür eingefallen ist, ist das aus den USA stammende System längst auch hierzulande etabliert: Rund 1000 Unternehmen setzen darauf, vom Brillenanbieter Apollo-Optik bis zur Heimtierhandlung Zoo & Co. Über 75 000 Mittelständler haben sich angeschlossen, eine halbe Million Angestellte arbeiten bei Franchise-Nehmern.

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Bin ich ein Franchise-Typ?

Franchising bedeutet Gründen mit Gebrauchsanweisung – das kann Segen oder Fluch sein: Wer sich in ein System einkauft, profitiert von erprobten Abläufen. Er bezahlt aber mit einem Verlust unternehmerischer Freiheit. „Aus Sicht des ­Anbieters ist Franchising nun einmal eine Vertriebsmethode“, sagt der Tübinger Rechtsanwalt Thomas Doeser – der Franchise-Geber kann mithilfe anderer Unternehmer, der Franchise-Nehmer, die eigenen Waren verkaufen. Damit das funktioniert, sind feste Regeln notwendig, sie füllen je nach Marke ganze Bücher. Dazu kommen verpflichtende Weiterbildungen – egal ob es um die Einweisung in neue Fitnessgeräte oder die Präsentation der Brötchen geht. Auf Sortiment und Marketing, Preise und Ladengestaltung haben Franchise-Nehmer de facto kaum Einfluss. Wer lieber ohne Anleitung kocht, ist davon vermutlich bald frustriert. Unsichere können, zum Beispiel für 170 Euro beim Deutschen Franchise-Nehmerverband (www.dfnv.de), eine Persönlichkeitsanalyse beauftragen. Übrigens bitten viele Systemzentralen Interessenten vor Vertragsabschluss zu ähnlichen Tests.

Passt die Marke zu mir?

Gründer sollten voll hinter Marke und Konzept stehen, sagt Isabel von Vegesack, Leiterin der Pressestelle des Deutschen Franchise-Verbandes (DFV), in dem viele große Anbieter organisiert sind. Das klingt selbstverständlich, trotzdem ist es gut, sich zu vergewissern, ob einen Produkte und Strategie wirklich überzeugen. „Fragen Sie sich auch, ob die Marke überhaupt so stark ist wie versprochen“, rät Hans-Joachim Kölln aus Pinneberg, der selbst Franchise-Unternehmer war und heute Gründer berät. Oft sei man gar nicht Profiteur einer starken Marke, sondern für die Markenbildung mitverantwortlich. Und: Nach Abschluss des Vertrags ist man fest verbandelt, nicht selten fünf Jahre und länger. In dieser Zeit achten Franchise-Geber genau auf die Einhaltung der „Systemhygiene“. Wer aufmuckt, muss im Extremfall mit einer Abmahnung oder gar Kündigung rechnen.

Funktioniert das System?

Der DFV hebt gern die „kollektive Intelligenz“ hervor, die im Franchising stecke, bildeten die Parteien doch eine „Lern- und Innovationsgemeinschaft“. Das ist natürlich Theorie. Wie gut die Zusammenarbeit in der Praxis klappt, können Gründer testen, wenn sie vorher in einem Franchise-Betrieb mitarbeiten. Dabei erfährt man eine Menge über die Stimmung und Probleme. Alternative: Einen oder, wenn vorhanden, den Beirat aller Franchise-Nehmer ansprechen und fragen, wo es hakt und ob gerade juristische Auseinandersetzungen laufen. Viele Franchise-Geber betreiben zudem eigene Filialen. Dann sollten Gründer unbedingt das Verhältnis zwischen beiden Säulen hinterfragen. Auch im Internet lassen sich Informationen finden, wenngleich hier häufig Enttäuschte und Gescheiterte versuchen, Stimmung gegen den Anbieter zu machen – nicht immer zu Recht. „Fragen Sie den Franchise-Anbieter zudem nicht nur nach der Wachstums-, sondern auch nach seiner Krisenstrategie“, rät Anwalt Doeser. Nur wenn man auch in schlechten Zeiten vom Franchise-Betrieb leben kann, taugt das System.

Passt der Vertrag?

Franchising taucht in deutschen Gesetzen überhaupt nicht auf, lediglich im EU-Recht gibt es ein paar Hinweise darauf, was sich gehört und was nicht. Der Franchise-Vertrag bildet zusammen mit betrieblichen Richtlinien und dem Franchise-Handbuch die Geschäftsgrundlage, ist zudem während der Laufzeit kaum kündbar. Daher gilt: Der Vertrag gehört vor Unterschrift zur Prüfung auf den Tisch eines Anwalts oder Beraters, der sich mit der Materie auskennt. Kontakte vermitteln Fachverbände, Kammern und Steuerberater. Eine Mitgliedschaft im DFV, der Franchise-Gebern einen Verhaltenskodex vorschreibt und ihre Verträge überprüft, ist ein erstes Indiz für Seriosität. Auf der DFV-Website finden Interessenten zudem eine Datenbank mit Urteilen sowie nütz­liche Hinweise zu Vertragsformulierungen (abrufbar unter www.t1p.de/5sk9). Versuchen Franchise-Geber, durch Geheimhaltungsvereinbarungen zu verhindern, dass andere den Vertragsentwurf zu sehen bekommen, heißt es: Finger weg.

Was kostet der Einstieg?

Anfangs ist fast immer eine Gebühr fällig, man kauft sich also in das System ein – für Beträge zwischen unter 1000 bis über 15 000 Euro. Danach verlangen die Anbieter eine laufende Gebühr, abhängig vom Geschäftsfeld 1 bis 5 Prozent vom Umsatz, manchmal mehr. Häufig müssen Franchise-Nehmer per Marketing-Umlage Werbekampagnen mitzahlen. Wie viel Startkapital es darüber hinaus braucht, hängt vom Geschäft ab: Ein Sprachkursanbieter muss zu Beginn bloß Büroräume einrichten. Ein Fast-Food-Restaurant kann mehrere Millionen Euro kosten, ein Baumarkt noch mehr. Franchise-Gründer sollten auch Folgeinvestitionen bedenken: So aktualisieren etwa Fitness-Franchiser häufig den Gerätepark. Für Franchise-Nehmer heißt das: Neuanschaffungen sind immer wieder Pflicht.

 

impulse-Magazin Oktober 2014Aus dem impulse-Magazin 11/14.

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